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Volltext: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 62 und 63)

ANMERKUNGEN: 
I) Wenn nicht anders vermerkt, 
sununcn sämtliche hier ange- 
fulirten Dokumente aus ticn 
Archiven der Franziisisrlien lim- 
schaft in W181i (AV), Mappe 14. 
1) Die kursiv gesetzten Stellen sind 
Übersetzungen des frntizösisclien 
Originaltcxtes. 
1) In einem Dokument aus dem 
jahr 1870, das sich ili den 
Archiven des Pariser Aufleu- 
ainres belindct (AE. Mappe 289). 
wird die Farbe der Mohr-l in 
den verschiedenen Zimmern au- 
gegeben. 
4)AV gibt n: Datum des Er- 
lüscliens des Mietvertrages das 
Jahr 1907. ms, Mappe 2x7, gibt 
1903 an. 
i) im "Wintergarten", Riff auch 
zur Btserung der Verbindungs- 
müglichkcilcn beiträgt. dürfte 
aus einer früheren Zeit stammen. 
Wann die Metallstirge eingebaut 
wurde, ist leider nicht bekannt. 
i) (ienrges Chedanne (m1 m0) 
war einer der bedententlen 
Architekten seiner Zeit (s he 
Katalog der Ausstellung , 
murrte: du XXe . er 1' 
1960-1961. Seite 294). 
7) Alle diese letzten Dokumente 
stanmlen aus AE. Mappe 231. 
mit Ausnahme der Nute be- 
treffend die Bestimmung über 
das Mobiliar (ibid. Mappe 288). 
1') Nach den Archiven, die ino- 
mirntan vom Tschccliosluwaki- 
selten Staat aufbewahrt werden. 
wurden die Pläne hinzu im 
März 1012 m Prag entworfen. 
  
Es ist vielleicht noch zu früh, 
eine Baugeschichtc des Palais Lob- 
kowitz zu schreiben. Doch ist es 
möglich, einige wenig bekannte 
Details über Schicksal und Wand- 
lungen dieses Bauwerkes während 
des 19. Jahrhunderts zusammen- 
zufassen, gcnaucr genommen wäh- 
rend der Zeit, in der es die 
Französische Botschaft beher- 
bergte. 
Die Botschafter Frankreichs hatten 
lange Zeit nach einem passenden 
Gebäude für ihre Residenz und 
ihre Kanzleien gesucht; lange 
Zeit vuaren sie von einem Vificner 
Palais in das andere gewandert, 
ohne sich irgendwo dauernd nic- 
derzulassen l). lm Palais Palffy, 
im Palais Batthyany in der Löwen- 
gasse, im Löwenthalschcn Haus 
am Minoritenplatz, im Palais 
Clary usw. waren sie der Reihe 
nach mehr oder weniger bequem 
untergebracht gewesen. Den Her- 
zog von Gramont (er hatte am 
28. August 1864 sein Beglaubi- 
gungsschrciben überreicht) machte 
diese Lage besonders ungeduldig. 
Die Bauprojekte, die seine Vor- 
gänger geplant hatten, waren nicht 
ausgeführt worden; sein Mini- 
sterium hatte ihm die nötigen 
Mittel zur Renovierung des Palais 
Rasumofsky verweigert, wo er 
sich gerne niedergelassen hätte; 
schließlich gelang es ihm, das 
Palais Lobkowitz zu mieten. 
Am 14. Mai 1869 unterschrieb er 
mit dem Fürsten Moritz Lobk0- 
witz, Herzog zu Raudnitz, einen 
französisch und deutsch abge- 
faßten Mietvertrag, der für zwölf 
Jahre, vom Mai 1869 bis Mai 1881, 
abgeschlossen wurde. 
Dieser Vertrag galt aber, im 
Gegensatz zu dem, was man heute 
annehmen würde, nicht dem gan- 
zen Gebäude; die Miete belief 
sich auf den erheblichen Betrag 
von 40.000 Francs, in Gold- 
währung und in zwei Raten zu 
erlegen; der Eigentümer 
pflichtet: sich seinerseits im Ar- 
tikel V dcs Vertrages, während 
der ersten sechs Monate der Ver- 
mietung, d. h. vor dem 15. N0- 
vember 1869, verschiedene Re- 
paraturen vornehmen zu lassen. 
Diese wurden auch tatsächlich 
innerhalb dieser Zeit durchge- 
führt. 
Die Liste der Arbeiten ist interes- 
sant und aufschlußreich: außer 
den Anstreicherarbeiten an den 
ver- 
iiußcrcn Fenstern übernahm der 
Vermieter die Verpflichtung, „den 
zweiten Hof mit Steinplatten zu 
versehen, im großen Saal neue 
cichenc Parketten zu legen, dic 
Wkintle mit (iipsmarmor auszu- 
statten und die Plafondmalerei zu 
renovieren". 
Diese Angaben sind zu berück- 
sichtigen, denn sie geben uns 
Auskunft über die Herstellungs- 
arbeiten im großen Saal, den wir 
jetzt „Eroica-Saal" nennen. Wir 
erfahren so, daß dic in dcr Art des 
Van Schuppen gemalten, sehr be- 
achtlichen Deckenfrcslten im jahre 
1869 restauriert wurden, und es 
wäre interessant, festzustellen, in 
welchem Umfang die Arbeiten 
erfolgten und welcher Natur 
sie waren. Soll man annehmen, 
daß der heutige eingelegte Par- 
kettboden nicht so alt ist, wie er 
auf den ersten Blick erscheint, und 
damals zur Gänze neu gelegt 
wurde? Es ist wohl richtiger 
zu glauben, daß sich die Arbeiten 
lediglich auf die Ausbesserung 
schadhaftcr Teile erstreckten. Vor 
allem erfahren wir das genaue 
Datum der Veränderung, der die 
Wände des Saales unterzogen 
wurden. Zur Zeit der Erstauf- 
führung dcr Eroica-Symphonic 
muß der Saal also ganz anders 
ausgesehen haben, und es ist sehr 
wahrscheinlich, daß die XVände, 
so wie im Palais Schwarzenberg 
und in anderen Wiener Palais, 
abwechselnd Nischen und mehr 
oder weniger verzierte Flächen 
aufwiesen; das alles wurde mit 
falschem Marmor verkleidet. 
Trotz der Ereignisse des Deutsch- 
Französischen Krieges wurde die 
Miete pünktlich in Gold bezahlt; 
dic Noten der Banque de Francc 
traten erst später in Erscheinung. 
Da der Mietvertrag mit 1. Mai 
1881 erlosch, schlug ein Häuser- 
makler der französischen Re- 
gierung vor, das Palais Lobko- 
witz zu kaufen; dieses Angebot 
wurde abgelehnt (1880) und man 
begnügte sich damit, den Miet- 
vertrag mehrmals 7 jeweils für 
576 Jahre w zu erneuern. 
Man darf aber nicht glauben, die 
Botschafter Frankreichs seien mit 
ihrer Unterbringung in diesem 
Palais restlos zufrieden gewesen. 
Eine Depesche vom 30. Septem- 
ber 1894, von M. Lozä abgefaßt, 
der von 1893-1897 Botschafter 
in VUien war, enthält eine Anzahl 
von Einwänden und berichtet 
über die Einteilung der Wohnun- 
gen, wie sie wahrscheinlich schon 
zur Zeit des llerzogs von Gra- 
mont bestanden hat. 
Vorerst wird die Tatsache be- 
stätigt, daß das Palais nicht zur 
Gänze von der Botschaft besetzt 
war. Der zweite Stock wurde zum 
größten Teil von einem Wiener 
Advokaten bewohnt; die rest- 
lichen Räume, die gegen das 
Dorothsum zu liegen, beherberg- 
ten die 12 Personen Dienerschaft 
von M. Loze. Das Erdgcschoß 
war noch merkwürdiger geteilt: 
dort gab es links vom Haupt- 
eingang „fünf winzige Rä1m1e"1), 
in denen sich die Kanzleien des 
Konsulats und der Botschaft be- 
fanden, und rechts war die Woh- 
nung des lntendanten der Familie 
Lobkowitz. Der Rest war von 
Gcschäftsleuten besetzt; im Flügel 
gegen die Augustinerstraße zu 
befanden sich nämlich einige Lä- 
den, unter ihnen einer, in dem 
Fürst Lobkowitz Biliner 
Mineralwasser verkaufen ließ. Die 
Keller waren zur Gänze als Depot 
für dieses Mineralwasser reser- 
viert; der Zugang war vom 
Lobkowitzplatz, links vom Haupt- 
eingang, symmetrisch zum Tor, 
das rechts zum zweiten Hof 
führt. 
Der ganze erste Stock war Woh- 
nung des Botschafters. Man kennt 
die Einteilung der Räume - sie 
läßt sich heute mit aller Wahr- 
scheinlichkeit feststellen. Zuerst 
das Arbeitszimmer des Botschaf- 
ters mit einem Vorzimmer, dann 
ein Speisezimmer für 24 Personen, 
der Ballsaal 7 d. h. der heutige 
Eroica-Saal, ein großer Salon, der 
kleine Salon, schließlich zwei 
Schlafzimmer, die auf die Augu- 
stinerstraße gingen; weiters eine 
Kapelle, die mit einem Oratorium 
und einer Silberkamrncr den heuti- 
gen halbkreisfiörmigen Raum im 
1. Stock einnahm; „dir anderen 
Räzmr, von zlieren zlurrl) enge Hi]? 
gzlremrl, dienen nlr Ofßrm, Lzmzpi- 
rlerie und Abrlellkamlzzerrz". Das 
Vorzirnmer von 1894 scheint sich 
an der Stelle des heutigen Speise- 
zimmers befunden zu haben. Dar- 
aus läßt sich schließen, daß dieses 
crst später in seiner heutigen 
Form entstanden ist 1). 
Dieses alte Palais war reichlich 
unbequem; „z: gibt kein Bade- 
giumior", stellt M. Lozä fest, und 
17 
sein
	        

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