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Volltext: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 62 und 63)

über der Türe, der somit diese 
Lnterbrcchung überwindet und 
zu der Figur im letzten schmalen 
Abschnitt überleitet. Warmes Blau 
und (Jtün sind die vorherrschen? 
den Farbtöne, zu denen der rote 
Frack (Äarls und das alttosa Kleid 
Älovsias lebhafte Kontraste bilden. 
die wiederum durch helles Gold? 
gelb im Kleid der Mutter und 
im Teppich i in Harmonie gel 
bracht werden. Leider bccintrach? 
tigt das harte XY eiß der Lambris 
die liarlacllekte, die 
dunkleren Boiserie 
und Türen 
neben einer 
ganz 
incn. 
anders zur (ieltung kii? 
Xun wollen wir uns dem Maler 
zuwenden, dessen Selbstporträt 
den künstlerischen llohcpunkt sei- 
nes Werkes darstellt. lis ist der 
gcitialische Kontrapunkt zu der 
etwas steifen, zeremonioseii Atmo? 
sphiire der Pamiliengrtijwjven. Wie 
ein frischer Wind weht es in den 
Saal, der Älaler eben 
lterbeigeeilt, sein Erscheinen 
das Xiiruckhalten (la's Vorhanges 
betont das Iiliebentlc des Augen? 
scheint 
blicks 7 hat das Familienkonzert 
unterbrochen und jeder ist be- 
müht, mehr oder weniger selbst? 
bewußt seine Pose zu halten, nur 
Aloxsia tanzt unbe- 
Von ihr, an 
oilensichtlieh 
die . kleine 
kümmert weiter. 
deren Portriit cr 
neben seinem eigenen die größte 
Freude hatte, geht eine interes? 
sante Bewcgungsachse diagonal 
durch zum Maler, 
während die übrigen Figuren in 
gcbannter Reglosigkeit verharren. 
Das Portriit Koblers nimmt die 
ganze Ostwand zwischen den bei? 
den Fenstern ein, was allerdings 
bedeutet, daß es bei Tageslicht 
wesentlich weniger wirkt als bei 
künstlicher Beleuchtung. An eine 
runde Baliistrzide gelehnt hält er 
mit der Rechten einen schweren, 
dunkelgelben Vorhang zur Seite, 
Palette und Pinsel in der Linken. 
Das hinter dem Vorhang ein? 
strömende liicht beleuchtet das 
etwas selbstgefallige junge Ge? 
sieht und laßt den dunkelblauen 
den Raum 
Samt des Wamses stellenweise 
aufleuchten. Fntgegcn der von 
links oben nach rechts unten 
xerlaufenden Richtung des lacht- 
strahles geht die Bewegung des 
Malers S?formig, beginnend mit 
der linken Hand in Bild- 
mitte über die stark herausge? 
drehte linke Schulter und 
erhobenen rechten Arm. Die Fal- 
ten des linken Vorhanges und 
der neben den Pinseln gehaltene 
Zcichenstab wiederholen, etwas 
abgeschwächt, dieselbe Richtungs- 
linie. Die strengen Geraden der 
Pinsel und des Stabes sowie die 
ungewöhnliche, rechteckige Form 
der Palette sind sehr geschickt in 
diagonale Beziehung zu der streng 
geradlinigen architektonischen 
Llmrahntting gebracht be- 
ruhigen die bewegte Komposi? 
tion,der sich selbst die gerundete 
Balustrarle und deren tirnenformig 
der 
den 
u n d 
bauchige Siiulchen einfügen. 
Der Kopfdrehung Malers 
folgend ist die Interpretation des 
(jesamtwerkes ?? im Sinne Kurt 
lSadts I) links vorne zu beginnen: 
die hübsche hlaximiliane, dem 
Maler und Beschauer zugewandt, 
des 
erorlnet dcn Reigen der Gestalten. 
lhr Latitenspiel gibt sozusagen 
den Schi cl für das liomjvosi- 
tionsthema: ein musikalisches Fa? 
milienfest. die etwas 
riickgestellte, singende Schwester 
gleitet der Blick zur majestätischen 
Zentrall-igur des Vaters, ruht einen 
Augenblick in der grünen Ferne 
LlCS(i21l'[8l1F, um durch die Saulen? 
perspektive 
auf die (i 
zurückgeführt zu werden. Seine 
 
Über zu? 
wieder nach 
talt des ältesten Sohnes 
vorne 
 
Position als Stammhalter die 
er allerdings später wegen seiner 
Kinderlosigkeit an den jüngeren 
abtreten mußte wird sowohl 
kompositionell als auch im selbst? 
bewußten Ausdruck seines Ge- 
sichtes betont. Zwar schließt sein 
dem Bildrand zugewendeter Rük- 
ken die Gruppe ab, doch bricht 
mit der direkt hinter ihm stehen- 
den Säule die Linie der Architektur 
im rechten Winkel und leitet um 
die Zimmerecke, an seinen beiden 
(iroßvätern vorbei, zum jüngeren 
Bruder. Dieser steht ebenfalls vor 
einer Ecksäule, nach der sich der 
Raum in den dunklen Hintergrund 
verliert, aus dem die lichte Ge- 
stalt Aloysias hervorzuschweben 
scheint. Obwohl der Knabe ruhig 
an einer Volute lehnt, ist seine 
Stellung ?? das nach außen ge- 
drehte, vorgestellte rechte Bein, 
das weit zurückgestellte linke 7 
wie eine Vorstudie für den schwe? 
bcnden Tanzschritt der Schwe- 
ster. lhre Bewegung wiederum 
führt zur Mutter, die mit einer 
wunderbar zarten (ieste der rech- 
ten llancl den Takt zu geben 
scheint. Dein Maler und Betrach- 
ter den Rücken zuwendend, den 
Kopf graziös ins Protil gedreht, 
schließt Franziska die Komposi? 
tion ab,die in dem warmletiehten? 
dm Farbenakkord der (Jewänder 
und des vom Spinett herabhän? 
genden Teppichs ausklingt. Etwas 
stiefmütterlich in die schmalen 
Abschnitte nach den Tüten sind 
Älutter und Schwiegermutter An? 
ton Oswalds gedrängt, gleichsam 
Pausezeichen vor dem Crescendo 
des Malerselbstporträts. 
Zur Zeit Entstehung der 
Bilder waren Peter (joöss und 
seine Gemahlin nicht mehr am 
Leben, ihre Porträts dürften in 
Anlehnung an die Schloß 
(Üiirlsberg befindlichen von Jan 
der 
im 
van XYollevens gemalt worden 
sein. Jede einzelne Figur ist 
namentlich bezeichnet i die Be? 
schriftung findet sich jeweils auf 
Notenblättern oder (iewandpar- 
tien ? , und das lintstehuitgsdatum 
kommt sogar zweimal vor, einmal 
neben der Signatur Koblers und 
einmal auf dem Notenblatt 
ältesten Tochter. 
der 
Zweimal wurde das Zimmer durch 
Brände beschädigt. In beiden Fiil? 
len entstand der Schaden nicht 
durch das Feuer selbst 7 es 
wurde nur der Dachstuhl zer? 
stort ??, sondern durch Feuchtig? 
keit. Die Bilder niußten gereinigt 
und einzelne Stellen erneuert wer? 
den, was ziemlich unsachgemäß 
geschah, so daß die damals er? 
neuerten Stellen wieder 
35 
bereits
	        

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