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Volltext: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 62 und 63)

1 Teller mit Wappen Erzherzog Ferdinand: II. und Anna Katharinas von 
Mantua; um 1580190 r Tiroler Landcslnuseum 
2 Teller mit österreichisch "m Bindenschild 'on Virgiolotto Calamulli in 
Faenza; um 1580190 v- Tiroler Landesmii um 
3 Teller mit Wappen d:s Freiherrn von T 'is; um 1530190 - Tiroler 
Landesmuseum 
ERICH EGG 
Tiroler T lge rbirz" aus Faelzga 
Im Tiroler Landesmuseum und in tirolischem Pri- 
vatbesitz benndet sich weißglasiertes Tafelgeschirr, 
das die Wappen heimischer Besteller t _ t. Es wurde 
daher schon die Vermutung geäußert, daß es sich 
um Erzeugnisse einer Südtiroler Majolikawerkstatt 
oder zum mindesten einer solchen im Alpenraum 
handeln könnte l). Diese Vermutung einer Werk- 
stätte, die gemalte Majoliken herstellte, hat sich bei 
den Öfen mit ihren gemalten Tafelkacheln durch 
Josef Ringlers Nachweis der Werkstätte des Malers 
Bartlme Dill Riemenschneider in Bozen für die Jahre 
1530-50 als richtig bestätigt Z). Die künstlerischen 
Vorlagen für die 5' tiroler Majolik ' 
die Meister der Dürcrnachfolge in Nürnberg und 
Augsburg, die technischen Kenntnisse dürften aber 
aus den berühmten Werkstätten von Llrbino oder 
Faenza gekommen sein, wo man sich umgekehrt 
nicht scheute, auf bildliche deutsche Vorlagen zu- 
r ckzugreifen. 
Viel weniger weiß man dagegen über das deutsche 
illzyolilelzgerrbirr der ersten Hälfte des 16. Jahrhun- 
derts. Für eine Reihe von Tellern, die deutsche 
Dekoration und Figuren ausweisen, hat man an die 
„ Hirschvogelwerkstatt in N' nberg und an die Vierk- 
u statt des Peter Reicher in Triest gedacht-i). Josef 
Ringler hat eine Schale rnit der Darstellung „Simson 
und Dalila" von 1526 (nach einem Holzschnitt 
Hans Burgkmairs von Augsburg) auf Grund eines 
Monogramms auf der Rückseite dem Maler und 
Schwiegervater Bartlme Riemenschneiders, Peter 
Rieder, mit allem Vorbehalt zuzuschreiben versucht 4). 
Allerdings ist die Signatur nicht eindeutig mit PR 
aufzulösen und sind vom Maler Rieder (1513 bis 
1524 in Innsbruck, 1524 bis 1541 in Bozen tä 
keinerlei sonstige Hinweise auf die Fayencemalerei 
bekannt. Wahrend die Herstellung von Ofenkachcln 
schon aus klimatischen Gründen im Norden be- 
heimatet war, ist das kostbare Thfelgeschirr fru - 
zeitig aus den berühmten n ttelitalicnischen NXier - 
s ten bezogen wurden. Dies beweisen deutlich 
einige erhaltene Teller von Nürnberger und anderen 
deutschen Bestellern. 
Nach 1563 fand unter dem liiniiuß Erzherzog 
Ferdinands ll. in Tirol eine stärkere Hinneigung 
zur italienischen Kunst statt, die sich vor allem 
im Bezug von (' ern, Goldschmiedearheiten, 
Schmuck, Kristallvasen usx äußerte. So war es 
3 nur natürlich, daß auch ' afelges hirr aus dem 
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