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Volltext: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 62 und 63)

das Österreichische Museum für Volkskunde in Wien 
eine durchbrochen gearbeitete Schüssel auf niederem 
Fuß (12,1 cm Durchmesser) 13). Das Tiroler Landes? 
museum besitzt ferner einen 'J'eller mit dem Wappen 
der Freiherrn m11 Tnxir, Inhaber des Tiroler Post- 
regals (25 cm Durchmesser, Abbildung 3), in Schloß 
Thun (Welschtirol) ist eine Garnitur der damaligen 
Freiherren 1'011 Tlmu erhalten geblieben (Abbildung 9). 
In Schloß Neumelans bei Sand in Taufers befindet 
sich eine Trinkschale in Form einer Meeriungfrau, 
die eine Muschel hält. [n den Fond der Muschel 
ist ein unbekanntes Wappen gemalt (Abbildung 10, 
12,5 cm hoch). Eine ganz ähnliche Schale besitzt 
das Kunstgexverbemusetim in Prag 14). lm National- 
museum Trient befindet sich eine gerippte Schale 
mit niedrigem Fuß und dem Wappen des Freiherrn 
Sigmund 1'011 lllßifrlxbtrg  1613) und seiner Gemahlin 
Klara von llohenems (T 1604), im Museum Bozen 
steht ein Teller mit einem unbekannten Wappen 
(der Pfau erinnert zwar an das Wfappen der tirolischen 
Familie Perkhofer, der krönende Kardinalshut weist 
atber auf einen italienischen Kirchenfürsten). 
Das Vorarlberger Landesmuseum besitzt einen ger 
xvöhnlichen und einen durchbrochen gearbeiteten 
achteckigen Teller, beide mit dem XVappen der 
Grafen von Hohenems, die wahrscheinlich Jakob 
Hannibal l.  1587) zum Besteller haben. liir War 
durch seine Ehe mit llortensia BOIIOIDCU und seinen 
Bruder, den Kardinal Niarktis Sittikus  1595), 
vielfaltig mit ltalien verbunden. Gerade diese beiden 
Stücke machen die llerkunft aus Faenza besonders 
deutlich (Abbildung 11). 
Als letztes Stück sei auf einen Tafelaufsatz in Schloß 
Schenna bei Meran hingewiesen, der über dreh 
eckigem Fuß drei Figuren mit Niuschelschalen auf? 
weist und mit einer breiteren Schale oben schließt, 
in die das Wappen Erzherzog Leopolds V. und 
seiner Gattin Claudia von Medici ziemlich zittrig 
gemalt ist. Da die Hochzeit 1626 stattfand und Leo- 
pold schon 163.7. starb, ist der Aufsatz um 1626330 
anzusetzen (Abbildung 12). 
Damit sind die in Tirol erhaltenen Tafelgeschirre 
der „bianchi di Iiaenza" beschrieben, womit nicht 
gesagt sein soll, daß nicht anderxvärts noch Weitere 
Geschirre von Tiroler Bestellern auftauchen können, 
Die Arbeit beabsichtigt vielmehr, die Auffindung 
weiterer Stücke anzuregen. Mit Ausnahme des späten 
Tafelaufsatzes in Schloß Schenna stammen alle Ar- 
beiten aus der Zeit um 1580f90, also aus einer 
kurzen Zeitspanne, während der die xvappenger 
schmückten weißen Fayencen besonders in Mode 
standen. Da eine Reihe als Werke des bedeutenden 
Meisters Virgiolotto Calamelli durch Signatur ge- 
sichert ist und die übrigen im allgemeinen den Stil 
der gleichen Werkstatt zeigen, wird man Wohl 
Faenza als Herkunftsort festlegen können. 
Die Maler der meisten Wappen waren sicher ltalie- 
ner, also in den Werkstätten von Faenza beschäftigte 
Künstler. Nur die Teller mit den Wappen Taxis 
und Thun und der Tafclatlfszxtz von Neumelans sind 
nach der typischen Form der Helmzicr einem 
deutschen Maler zuzuschreiben, der aber auch in 
Faenza arbeitete. Kennzeichnend sind für die ganze 
(iruppe die plastische Ausformung, das rahmige 
Weiß der Glasur und die dezente Anbringung der 
Wappen. Die Tatsache, daß so viele Bestellungen 
von "llirolern in Faenza erfolgten, und zxxar zu einer 
Zeit, als diese (iattung dort in voller Blüte stand, 
beweist, daß Tirol als t} pischer Vermittler zwischen 
Nord und Süd nicht auf provinziellen Eigenleistune 
gen beharrte, sondern sich inuner den Eintiüssen 
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