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Volltext: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 62 und 63)

 
siirg: Reizvolle Bereicherung des Stadt- 
es. 
Bildhauerin Hilde Heger schuf einen 
Jgenobrunnen. der in der Pfeifergass: 
estellt wurde und Zu den anmuligslen 
xtionen dieses Genres gerechnet werden 
1. Wir freuen uns. dieses von der Tages- 
seziemlich übergangene Werk im Photo 
en zu konnen. 
lungen und Dichtungen kann an dieser 
Stelle nur gesagt werden. daß sie 
zauberhaft schön und von höchster 
Qualität sind und daß sich in ihnen ein 
Stil. der zeitgeschichtlich längst nicht 
mehr aktuell war. bis ins vierte Jahr- 
zehnt des 16. Jahrhunderts. also bis 
weit jenseits der konventionellen Gren- 
zen der l-tochrenciissance. in voller 
Frische und Lebendigkeit erhielt. Diese 
Tatsache darf mit der Persönlichkeit 
Margarete von Österreichs in direkte 
Verbindung gebracht werden. die mit 
der Kirche von Brou ja ebenfalls ein 
Werk schaffen ließ. daß die ..mo- 
derneri" künstlerischen Tendenzen ein- 
fach nicht oder doch nur sehr peripher 
wahrnimmt. Der Wandel der Zeiten 
offenbart sich im Rahmen der Aus- 
stellung dennoch in den vielen mysti- 
ZEHN JAHRE "GALERIE 
KUNST DER GEGENWART". 
SALZBURG 
Zwei Malern verdankt diese in ihrer 
Art einzig dastehende Institution ihre 
Gründung. dem inzwischen nach Wolf- 
burg abgewanderten Wiener Gustav 
K. Beck und Prof. Slavi Soucek. der 
heute wie eh und je in Salzburg tätig 
ist. Die Galerie hatte es sich zum Ziel 
gesetzt. ..als eine gemeinnützige. nicht 
auf Gewinn bedachte private Institution 
der bildenden Kunst in Form einer 
Gesellschaft bürgerlichen Rechtes. .  
Kunst und Künstler zu fördern. zur 
Überbrückung der Kluft zwischen dem 
zeitgenössischen Kunstschaffen und dem 
Publikum beizutragen und den ..Künst- 
ler aus seiner Isolierung zu befreien". 
tn diesem Sinn sammelt die Galerie 
seit Anfang ihres Bestehens graphische 
Blätter international anerkannter Mei- 
ster; dereinst sollen ihre Bestände. die 
etwa 500 Blatt zählen. als Stiftung in 
den Besitz der öffentlichen Hand über- 
schen. aber auch wissenschaftlichen 
Elabaraten. die seit der Mitte des Jahr- 
hunderts dominieren. Besonderen Hin- 
weis verdienen die Autographen Eras- 
mus' von Rotterdam. eines der Väter 
der Neuzeit. und die Fuggerischen 
..Zeitungen". die bekannten Geheim- 
berichte. die die Agenten des für die 
Epoche des Frühkapitalismus so be- 
zeichnenden Welthandelshauses aus 
aller Welt der Augsburger Zentrale 
zukommen ließen. Blätter aus dem 
"Wiener Dioskurides". der um 512 in 
Konstantinopel entstandenen illuminier- 
ten medizinischen Handschrift erinnern 
daran. daß sie von dem Niederländer 
Augerius Busbeke in seiner Eigenschafi 
als kaiserlicher Gesandter für die 
Bibliothek seines Herrn nach Wien 
verbracht worden waren. 
gehen. Neben diesen musealen Be- 
mühungen steht das Bestreben, Aus- 
stellungen im ln- und Ausland zu 
veranstalten. ausländische Künstler und 
ihre Werke nach Österreich zu bringen 
und österreichische Künstler im Aus- 
land bekanntzumachen. Seit 1952 trat 
die Galerie mit fast dreißig Ausstellun- 
gen vor die Öffentlichkeit; sie organi- 
sierte die österreichische Sektion bei 
der ll. Biennale in Sao Paulo (1953154) 
und der 27. Biennale in Venedig (1954). 
brachte 1956 brasilianische Graphik 
nach Wien. zeigte 1957 zeitgenössische 
österreichische Graphik in Sao Paulo. 
betreute die österreichische Sektion der 
2. Biennale ..Farbige Graphik" im 
Cincinnati Art Museum, Ohio. USA und 
war in gleicher Eigenschaft bei der 
entsprechenden Veranstaltung des Jah- 
res 1961 tätig. Zu dieser intensiven 
Förderung des Ausstellungswesens 7 
viele Wanderausstellungen finden sich 
unter diesen Manifestationen tritt 
als hervorstechendste Tat die Gründung 
einer graphischen Lehr- und Versuchs- 
werkstätte im Jahre 1952. die seit 1954 
In den Ticrbildern von Georg Hoef- 
nagel. in denen sich Freude am Kurio- 
sen und wissenschaftliche Akribie die 
Waage halten, offenbart sich ein Geist. 
der Bindungen an mittelalterliches Den- 
ken nicht mehr kennt. 
Ein Wort der Kritik noch: Aus welchen 
Gründen wurde die Ausstellung in 
Wien nicht mehr propagiert? Da auch 
die Presse kaum Notiz von ihr genom- 
men hatte. konnte sie praktisch nur 
von den zahlreichen Ausländern ge- 
nossen werden. die tediglich ob des 
Raumes gekommen waren. in der sie 
gezeigt wurde. Wir sind der ent- 
schiedenen Ansicht. daß die Vertretung 
Österreichs nach innen hin genau so 
wichtig ist wie die kulturelle Repräsen- 
tation jenseits der Grenzen. 
Köller 
unter der Leitung von Slavi Soucek 
der Internationalen Sommerakademie 
für bildende Kunst in Salzburg zur 
Verfügung steht. Ferner ist der laufende 
Ausbau einerBibliothek von Ausstel- 
lungskatalogen. Kunstzeitschriften und 
einschlägigen Fachpublikationen zu er- 
wähnen. Vorträge. Lichtbildvorführun- 
gen und Diskussionen werden laufend 
veranstaltet. außerdem bemüht sich die 
Galerie. jungen Graphikern Stipendien 
zu vermitteln und einen .,Europ'a'ischen 
Graphik-Preis"fiir junge Künstler zu 
errichten. Das Bundesministerium für 
Unterricht sowie Land und Stadt Satz- 
burg fördern die Galerie in dankens- 
werter Weise durch Gewährung regel- 
mäßiger Subventionen. doch nun wird 
auch die Öffentlichkeit eingeladen. sich 
durch Schenkungen und Zeichnungen 
von Jahresbeiträgen fördernd einzu- 
schalten.Auch..Alte und moderne Kunst" 
will die Bemühungen der Galerie inso- 
ferne unterstützen. als die Redaktion die 
Kontonummer (16191. Landeshypothe- 
kenanstalt Salzburg) gerne bekanntgibt. 
Költer 
IER DER LETZTEN 
PRESSIONISTEN STARB 
 
5 
iiide Heger. Papagenabrunnen in sdiz. 
rurg 
dset Hegenbarth. Ozelot, weit. Pinsel- 
eichnung iri Schwarz 
ieirnut Leherb, Destructians. Montage 
ius Kteiderpuppen, Tterprüparaten und 
Jbiects trduves 
ilippo de Pisis, Liegender Akt. 1925. Zur 
iommerausstellung der adierie Welz. 
Zum Tode von Josef Hegenbarlh am 
27. Juli. 
im JunilJuli dieses Jahres hatte die 
Neue Galerie der Stadt Linz eine 
große Ausstellung von Zeichnungen. 
farbigen Blättern. Illustrationen und 
illustrierten Büchern von Josef Hegen- 
barth veranstaltet, Man konnte nicht 
wissen, daß diese eindrucksvolle Schau 
die letzte werden sollte. die in die 
Lebenszeit des Meisters Fiel. 1884 in 
Böhmisch-Kamnitz geboren, studierte 
er von 1909 bis 1915 an der Akademie 
in Dresden, blieb dann kurze Zeit in 
Prag, um sich mit Ausnahme eines Auf- 
enthaltes in seiner Geburtsstadt von 
1943 bis 1945 dauernd in der Elbe- 
metropole niederzulossen. Von West 
VOM BIEDERMEIER 
ZUM EXPRESSIONISMUS 
zlllrl tso. Geburtstag VDrl Rudolf v. m. 
Am 2a. August 1912 wurde Rudolf v. Alt. 
Maler, Aquarellist. Zeichner und Radierer, 
in Wien als sdhn des im Jahr zuvor aus Frank- 
furt zvgewanderten Aauarellisten und Lithd. 
graphen Jakob Alt geboren. Als halbes 
Kind noch trat er in die väterliche Werkstatt 
ein, absolvierte rnit dem vdter als Sechzehn- 
jähriger seine erste Italienreise und schuf 
btS zu seinem 1905 erfolgten Tod eine uri- 
übersehbcire Folge köstlicher Veduten von 
Städten und Landern, daneben aber auch 
lnterieurs, Architekturperspektiven und Por- 
tröts. Seine künstlerische Laufbahn begann 
im Handwerklichen und im Zeichen der 
williaen Urtlerordnuria unter Modell urid 
und Ost hachgeehrt, sowohl korrespon- 
dierendes Mitglied der Deutschen Aka- 
demie der Künste iri Ostberlin, als auch 
a. o. Mitglied der (West-)Akademie der 
Künste in Berlin-Dahlem, stand er über 
dem Hader der Parteien und der Miß- 
gunst der Zettlüufte. Herbert Lange 
schrieb in der Einleitung zum Linzer 
Katalog: „In seinem Werk sind Realis- 
mus und Magie. Gegenständlichkeit und 
Abstraktion so einzigartig verschmol- 
zen, daß . . . jeder dogmatische Fanatis- 
mus verstummen muß. Hegenbarth 
meistert eine Sprache der künstleri- 
schen Ursprünglichkeit, die von allen 
Menschen verstanden und von vielen 
ohne Widerstreben aufgenommen 
wird." Köller 
Willens zur Deutung und Aussage ist. S0 
führt der Weg Alls über Biedermeier. Na- 
turalisrnus. Impressionismus und Pointillismus 
bis unmittelbar Ort iene schöpferische Bruchz 
stelle der Entwicklung, die den Expresstariliz 
mus in seiner speltfisch österreichischen 
Pragung gebar. 
Alt W'XI' ein ausgesprochener ..Reisekünstler", 
er schöpfte den Riesenraum das österreichisch- 
ungarischen Imperiums bis ins Letzte dus und 
drdng sdgdr blS Rußland vor. wo sein ssherten 
den Beifall des Zarenhofes fand, Nach im 
höchsten Alter schloß er sich der ,.Dissi- 
denterigruppe" der Ver-sacrum-Leule dri und 
wurde erster Ehrenpräsident der Secession. 
Arbeiten von Rudolf v. All, besonders seine 
Wiener Veduten aus allen Schaffensperioden. 
erzielen heute Spitzenpreise und gehoren zu 
A-.. e...i.i..i...i.- nknndzlnm de. s......-i.i. 
Knapp vor Redaktionsschluß erreicht uns 
noch der Katalog der Ausstellung ,.Md vie 
ptianzasziqtie" des Wiener Surrealisten Helmut 
Leherb ("Man beau chdnedu"), die ini Sep- 
tember in Brüssel. im Oktober in Antwerpen 
und im November in Lüttich abgehalten 
wurde. resuektive wird Leherb. von seinen 
Wiener Kollegen einigermaßen iri Acht und 
Bann getan. zeigt vor allem seine ,.Destruc- 
tions". die CIUS Auslagepuppen dngetei-iigten 
Montage-Skulpturen. welche SO sehr an proto- 
surrealistischo Apparaturen der Romantik 
erinnern, daß man sich in das Kabinett des 
arspisidnzdni und in dierdge einesET.A. 
Hoffmann zurückversetzt fuhll. Lchcra ist 
ein unerbittlicher und kdmprornißldser Vor- 
kämpfer für das Primat des Erotischen tn den 
Beziehungen zwischen den Menschen, wobei 
seinem scharf beobachtenden Auge. seiner 
überhitzten PhOrltOSle und seinem kalli- 
graphischen Pinsel kein Aspekt entgeht. SEt 
es nun der lvrischestesublimste, der dämoni- 
scheste oder ckligste. Er steht sozusagen mit 
beiden Beinen im Sumpf und blickt doch 
gen Himmel. Ein neues Bild seines Oeuvres. 
zum ersten Mal in Brüssel gezeigt, tragt den 
Titel ..Ld derormdiidn en revolte". Das ist 
ein treffliches Motto für sein Gesamtschaften. 
Koller 

	        

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