MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst VIII (1963 / Heft 66)

lieferte Hans Ma kart für den Raum mehrere „Skizzenff, 
für die er 5300 H. erhielt. Alle anderen an der Villa 
beteiligten Naler erhielten, sogar für ihre ausge- 
führten, teilweise großen Gemälde, weit weniger, 
mit Ausnahme August Eisenmengers, der für die 
tigurale Ausmalung eines ganzen Raumes 6000 H. 
erhielt. Dieser Vergleich beweist die Schätzung 
Makarts. ln der Literatur ist nur a-[n Entwurf zur 
Wanddekoration bekannt, nicht skizzenhaft, als Öle 
gemälde auf Leinwand ausgeführt, der von Anfang 
an in einem Nebenraum des Schlafzimmers auf- 
bewahrt wurde und ein Lieblingsbild der Kaiserin 
war. Möglicherweise handelt es sich um den Ent- 
wurf, von dem ich eine aus llasenauers Besitz 
stammende Photographie (Abb. 3) im Historischen 
Museum der Stadt Wien fand und der mit geringen 
Veränderungen ausgeführt wurde. 
Dieser Entwurf will eine untrennbare Einheit aus 
gemalten Darstellungen und ebenfalls gemalter 
Architektur. Letztere besteht aus (ierüstsystemen 
von gedrängter räumlicher Vielschichtigkeit, instrue 
mentiert ebenso gedrängt in ungewöhnlicher, phan- 
tastischer Formenabwechslung mit Überschnei- 
dungen und Durchbrechungen. llinter diesen mehr- 
fach räumlich abgestuften Proszenien öffnet sich 
eine uraldige Landschaft in einer mondhellen 
Sommernacht, in der die dargestellten Szenen 
spielen. 
Die Malerei nimmt hier lilemente der anderen 
bildenden Künste in sich auf, um universal und so 
zur Schiäpfung eines Milieus befähigt zu werden, 
von dem man zutiefst überzeugt war, daß es Be- 
freiung und Frfüllung dem Menschen vermittle. 
Gerade ein sinnverwirrender Prunk steigert hier 
den Ausdruck höherer, weil umfassenderer Ein- 
heit in striktem Gegensatz zu einer puristischen 
Auffassung von „Reinheit" der Kunst, die zu 
Isolierung der Künste voneinander führt und liine 
seitigkeit statt Einheit bringt, was Makart vermeiden 
wollte. Eine solche Welt, in der das Sein zum Schein 
und der Schein zum Sein wird, waren auch die 
Schlösser Ludwigs ll. von Bayern, der Kaiserin 
Elisabeth in jeder Hinsicht besonders verwandt 
war. Fline solche Welt, in der man noch einmal 
die drohende Unterwerfung des Menschen unter 
die Gesetze der industriellen Produktion überwand, 
war auch Makarts Atelier, in dem sich die anderen 
Träger dieser Konzeption vom Gesamtkunstwerk, 
Richard Wagner, Gottfried Semper und Franz von 
Lenbach, einmal zusamrnenfanden. Hit den Ge- 
nannten stand Makart in intensivem Austausch. 
Auch die Kaiserin hat Makarts Atelier besucht. 
Makart war zur Schaffung eines solchen Milieus aus 
verschiedenen Gründen befähigt, u. a. durch die 
Homogenität seines unverwechselbaren Formemp- 
rindens, das alles Dargestellte, Lebewesen, Stoffe, 
atmosphärische Erscheinungen usw. vereinheite 
lichte zu Trägern eines Ausdruckswertes, der, 
allgemein und oberflächlich gesagt, die höhere 
Wahrheit im Dramatischen sucht, das unbefangen 
in menschlich schöner Darstellung sinnlich er- 
scheint. Die „Farbe" und „das Dekorative", womit 
man dem unbequemen Problem Makart ausweichen 
wollte, sind Ausdrucksmittel wie andere auch; das 
vielhewunderte „Können" empfand man als selbst- 
verständlich. 
Natürlich steht dieses Milieu unter dem Aspekt des 
Theaters; nur der Begriff des „'l'hcatralischen" im 
abwertenden Sinn war damals ebensowenig wie 
jemals sonst bis auf die „lNlodernetl bekannt. Man 
kannte keine unnatürliche Prüderie des Gefühles 
(12 
 
aal. Marmor- 
12 Stuckdckxwratiiwn eines Wandfcltlcs im S 
907). Gegen- 
zernentguß von Johann Hultcrcr (1x s? 
wärtigcr Zilstand 
1a, 14 Ausschnitte aus den Dcckenfrcskcn im Schlafzimmer der 
Kaiserin. Szenen aus dem S(mmlennrhlstraum, Ausgeführt 
von verschiedenen Kunstlcm der Rahlsrhule. Gegenwänigcr 
Zustand 

	        

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