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Volltext: Alte und Moderne Kunst VIII (1963 / Heft 67)

Altar in der Fronleichnamkirche. Aus seiner Werk- 
stätte oder von seiner Schule stammen Wohl die Figur 
des hl. Johannes von Nepomuk in der SL-Adalbert- 
Kirche, die Orgeldekoration in der Christophori- 
Kirche sowie eine ansehnliche Gruppe von Werken 
in der SL-Vincenz-Kirche. Die Werke Weisfeldts 
zeichnen sich durch eine meisterhafte Beherrschung 
aller Mittel aus. Seine künstlerischen Absichten 
konnte er vollgültig realisieren. 
Neben der architektonischen Wirksamkeit Johann 
Bernhard Fischer von Erlachs hat dieser Künstler 
für Breslau auch den Entwurf für eine Bildhauer- 
arbeit geschaüien. Es ist ja bekannt, daß  B. Fischer 
nicht nur Architekt, sondern auch Bildhauer gewesen 
ist. Als solcher stand er unter dem Einfluß Berninis, 
in dessen Atelier, wie man sagt, er einige Zeit ge- 
arbeitet hat. Jedoch hat er selbst wenige plastische 
Werke geschaffen, er hat mehr Entwürfe gemacht. 
Ein besonders schönes Beispiel für diese Tätigkeit 
ist das Breslauer Grabmal des Senators Johann 
Georg Wolf? in der SL-Elisabeth-Kirche, das aus 
den Jahren 1721j22 stammt. Dieses Grabmal, in der 
Form einer Pyramide aus Marmor und Stuck, ist 
eines der bedeutendsten barocken Kunstwerke in 
Breslau. Wie so mancher andere barocke Auftrag 
ist auch dieser eine Arbeit, an der mehrere Künstler 
beteiligt waren. Die Erfindung und der Entwurf 
stammen von Fischer von Erlach, die Steinmetze 
arbeiten aber führte die heimische Werkstätte 
Karingers aus, und die allegorische Frauenligur der 
Caritas ist das Werk des bisher wenig bekannten 
Bildhauers aus Polen, Samuel Pardynski (Abb. 3). 
Es ist die einzige Arbeit, die von diesem Meister 
bekannt ist. Die gefühlvolle Gestaltung und die 
elegante und mit großem Feingefühl für malerische 
Werte durchgeführte Ausführung dieser Gestalt 
ergeben einen bewegten Akzent gegenüber dem 
strengen architektonischen Aufbau des Denkmals. 
Das Brustbild Wollfs schließlich hat der Prager Bild- 
hauer Ferdinand Maximilian Brnkoff (Abb. 3) aus- 
geführt. Wer Brokorf nach Breslau eingeladen hat, 
ist nicht bekannt. Vielleicht hat es Fischer von lirlach 
getan, der mit dem Prager Meister schon in den 
Jahren 1714 bis 1716 bei der Ausführung des Grabe 
denkmales für den Kanzler Jan Vaclav Vratislaxv von 
Nitrovice in der Prager Jakobikirche zusammen- 
gearbeitet hatte. Es lag daher nahe, daß der Wiener 
seinen ehemaligen Mitarbeiter auch für den Bres- 
lauer Auftrag beschäftigte. Fischer hat Brokorf auch 
noch für die Innenausstattung der Kurfürstenkapelle 
herangezogen. Brokorf hat dort vier Marmor- 
supraporten ausgeführt, deren Thematik den vier 
jüngsten Dingen gewidmet ist (Abb. 5, 6). Auch zwei 
große Altarbildnisse, Moses und Aaron, wurden 
von ihm gemacht. Auf diese Weise hat Brokoff die 
Stileigentümlichkeiten seiner Prager Bildhauerwerk- 
stätte nach Schlesien, insbesondere nach Breslau, 
verpflanzt. Sein Eintluß und der seines Sohnes 
Ferdinand Maximilian läßt sich noch viele Jahre bei 
zahlreichen Breslauer Künstlern verfolgen. 
12 Johann Georg Urbanski. HI. Hicnvnimus aus der llnmkirclie in Breslau, ca, ms
	        

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