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Volltext: Alte und Moderne Kunst VIII (1963 / Heft 67)

geblähte Kapuze und kältegeschxmllene Augen 
recht hochandin wirken - auf der Schulter, aber 
das bewaldete seitliche Felsenufer und der landschaft- 
liche Hintergrund sind kaum skizziert und bleiben 
in ihrer räumlichen Konkretheit unlokalisierbar. 
Sehr interessant ist ein kleines Bild der H1. Jungfrau, 
mit indianischen Zügen und typisch indianischem, 
zur Befestigung der Stirnlocke bestimmtem iuwelen- 
besetztem Stirnband, die in einem dem Stil nach 
dem späten 17. Jahrhundert angehörenden gerad- 
lehnigen Stuhl sitzt, den Spinnrocken in der linken, 
den zu drehenden, mit dem Spinnwirtel beschwerten 
Faden in der rechten Hand haltend, wie es die 
Indianerinnen tun; es gibt keinen „Raum", keine 
„Perspektive" und keinen Hintergrund, das Bild ist 
eingeschlossen von einer Girlande peruanischer 
Hochlandsblüten. Ein etwa dem späteren 17. Jahr- 
hundert angehörendes Brustbild eines Heiligen in 
brauner Kutte 4wahrscheinlich des hl. Franziskus - , 
das unmittelbar aus Lima stammt, aber wohl dem 
Strahlungsgebiet der Cuzqueüer Malerei zuzurechnen 
ist, läßt durch seine die organischen Strukturabsätze 
von Gesicht und Hals überbetonende Darstellung 
das in der Devotionsmalerei des Anden-Hochlandes 
nicht seltene Vorbild einer Graphik und durch die 
deutliche Schrägstellung der Augen mit den lang- 
gezogenen Lidern einen gewissen indianischen 
Einschlag erkennen; die jeder Andeutung eines 
räumlichen Hintergrundes entbehrende Bildstruktur 
4 charakterisiert durch den streng pyramidalen 
Aufbau der Büste und die starre Symmetrie der 
Kapuzenfalten 4 zeigt eine stille, der schweigenden 
lnnenwendung des Blickes entsprechende Monu- 
mentalität, die eine der europäischen Hochrenais- 
sance- wie Barnck-Bewegtheit gänzlich fremde, aus 
indianischer Würde-Vorstellung geborene Geistig- 
keit offenbart. Besonders bemerkenswert ist eine auf 
Holz gemalte, dem 18. Jahrhundert zugeschriebene 
Hl. Jungfrau mit dem Kinde, die eine 7 wohl durch 
eine Reproduktion vermittelte - Bearbeitung der 
in Wien befindlichen Dürerschen Madonna „mit der 
Birne" darstellt, wobei aber nicht nur der Diirersche 
blonde Frauentypus ins Dunkle verschoben, sondern 
auch der von dem Kinde gehaltene Gegenstand, die 
„Birne", in eine Rose verwandelt und damit sym- 
bolisch vertieft erscheint5). Und damit auch die 
Spiegelung feudaler Lebensform in der religiösen 
Sphäre nicht fehle, finden wir auf einem Bilde den 
thronenden Christusknaben in dem weiten gesticktem 
Glockenrock der Mitte des 18. Jahrhunderts, vor 
einem kulissenartig geschlossenen Gewebehinter- 
grund mit Inka-Ornamenten. Eine Welt, für die es 
weder eine Renaissance noch eine Aufklärung ge- 
geben hat, für die aber indianisches und spanisches 
Mittelalter eine lebendige Realität bedeuten und in 
der, trotz der feudalen Kastentrennung und der 
Versklavung der Indianer, ein starker Kultureinfluß 
der letzteren besteht, spricht zu uns. 
Nicht unwesentlich anders - stärker theologisch, 
mystisch, Vdämonologisch, stärker intellektuell orien- 
tiert, weniger indianisch beeinflußt - ist die geistige 
Atmosphäre, die aus der Gruppe kolurnbianischer 
Bilder zu uns spricht; nicht zufälligerweise erscheint 
hier der „Autor", der Bildschöpfer, als historisch 
faßbare Größe wie im Abendland seit der Renais- 
sancezeit. Ein wunderbarer Erzengel Michael - der 
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