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Volltext: Alte und Moderne Kunst VIII (1963 / Heft 68)

Die Vatikanische Galerie besitzt eine Taufe Christi (Nr. 402) von Troger, ein Bild, das trotz des reichen Landschafts- 
hintergrundes und der dramatischen Lichteffekte deutlich noch Mängel in Modellierung und Zeichnung aufweist und 
mit seiner etwas schroffen Darstellungsweise das Ringen und Tasten eines Anfängers verrät (Abb. 2). Die Gesichtstypen 
sind denen auf dem Kreuzigungsbild in Kaltern und auf der Taufe Christi in Cavalese eng verwandt, die scharf gezeich- 
neten Profile, die muskulösen Leiber, d.ie etwas ungelenken Gesten und Bewegungen zeigen eine starke Übereinstimmung 
mit den erwähnten Werken. Auch ist die Art, wie das Hauptgeschehnis hell beleuchtet vor den dunklen Hintergrund 
gestellt wird, sehr ähnlich. Der in starker Verkürzung gezeigte Engelskopf begegnet uns auch auf anderen Bildern Trogers. 
Die romantisch beleuchtete Landschaft wirkt zwar etwas befremdend, doch zeigen auch die Zeichnungen Trogers um 
diese Zeit ein starkes Interesse für die Landschaftsmotive, ein Tnteresse, das während seiner späteren Laufbahn etwas 
verblaßte. 
Die für Troger charakteristischen Stileigenheiten sind weniger deutlich, schwächer und unsicherer in dem Troger zu- 
geschriebenen Bild der Galeria Corsini „Der Kentaur Chiron unterweist Achill im Leierspiel" (Abb. 3). Die Szene ist 
auch hier in eine stimmungsvolle Landschaft gestellt, die einzelnen Elemente wirken jedoch etwas heterogen, und man 
hat den Eindruck, daß es sich dabei um die Nachfühlung, Nachahmung gewisser Vorbilder handelt. 
Das dritte in Rom befindliche Bild Trogers, die irrtümlich als ein Werk Corrado Giaquintos veröffentlichte Skizze mit 
dem Martyrium des Evangelisten Johannes (Gall. Alb. Di Castro, Abb. 4), ist wohl kaum in ltalien entstanden, es ist 
auch kein Frühwerk. Die in scharfen Diagonalen heftig bewegten, robusten Figuren sind uns von den Werken der 
vierziger, fünfziger Jahre wohl bekannt, es sei hier nur an das Kassiansrnartyrium von Brixen (s. die Skizzen in Wien 
und Innsbruck) oder die Szene mit dem hl. Petrus und dem Magier Simon erinnert. Die runden Köpfe, festen Formen, 
etwas gedrückten Profile sind auf den meisten Bildern Trogers der Reifezeit ähnlich, die Frauenfigur im Vordergrund 
wird in mehreren Fällen auf ganz ähnliche Weise wiederholt. Auch die Komposition und Lichtbehandlung sind für 
Troger charakteristisch, die Formensprache ist entschieden wuchtiger, herber als bei Cnrrado Giaquinto. Und doch 
ist die Verwechslung mit diesem Künstler nicht ganz unbegründet, die zum Teil gemeinsamen Wurzeln ihrer Kunst 
- Solimenas Vorbild und die römischen Einflüsse 7 geben genügend Erklärung dafür. 
Das Feld der Erforschung von Trogers italienischer Tätigkeit steht noch weit offen. Wenn auch bis jetzt von seinen 
im Nekrolog erwähnten Werken in Bologna und Padua nichts bekannt ist, so mag es doch der eingehenderen Forschung 
noch gelingen, Werke Paul Trogers in italienischen Sammlungen oder auch Kirchen wiederzuerkennen. 
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