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Volltext: Alte und Moderne Kunst VIII (1963 / Heft 68)

 
Jahren mehrere Altäre für die Seitenkapellen des 
Domes (Abb. 25) und verfertigte gemeinsam mit 
Urbanski die große Kanzel. Auch an der Innen- 
ausstattung der Barmherzigen-Brüder-Kirche ist er 
beteiligt und vollendet mit Mangoldt das lnnere 
der Kapelle des seligen Ceslaus in der Adalbertkirche. 
Eine bedeutende Leistung seiner Werkstatt ist die 
Dekoration der Hochbergkapelle in der Vincenz- 
kirche. Für diese umfangreiche Arbeit beschäftigte 
er eine Reihe von Künstlern: so vertraute er dem 
Wiener Albert lgnaz Provisore, bekannt durch seine 
Tätigkeit für die Universitätskirche, die Marmor- 
arbeiten an; Giuseppe Finale, der sich in Schloß 
Fiirstenstein (Ksiaz) einen Namen gemacht hat, 
wurde für die Ausführung von Plastiken und Wand- 
gliederungen herangezogen. Die Figuren scheinen 
auf Siegxvitz und Urbanski zurückzugeben, wobei 
letzterer einige schon von anderen Künstlern 
begonnene Werke vollendete. Die Vergoldung 
wurde Johann Franz Krambs und die Wandgemälde 
dem Böhmen Vaclav Vavrinec Reiner übertragen. 
Der Sieben-Schmerzen-Matiä-Altar und die vier 
zierlichen Postamente unter den Bildnissen von 
Siegwitz sind von Karinger selbst. Von 1728 an 
War er ständig mit den Jesuiten in Verbindung, 
arbeitete an der systematisch betriebenen lnnen- 
ausstattung des Kollegs und auch für die Matthias- 
kirche. Gleichzeitig erhielt er vom Stadtrat den 
Auftrag zur Errichtung eines Neptunbrunnens für 
den Neumarkt (zerstört), einer Gemeinschafts- 
arbeit mit Johann Baptist Lemberg und Johann 
Jakob Bauer, dem Meister der Figuralen Plastiken. 
Auch war er damals mit Urbanski bei der Fertig- 
stellung der Johannes-von-Nepomuk-Statue vor der 
Kreuzkirche tätig (Abb. Z6). Im Jahre 1739 lieferte 
er ein Marmortaufbecken für Trachenberg (Zmi- 
gtod). Er starb drei Jahre später, im Jahre 1742. 
Es war notwendig, sich ausführlich mit dem Wirken 
Karingers zu befassen, da die Mehrzahl der Bres- 
lauet Bildhauer mit ihm in Verbindung stand. Ein 
Problem wurde bisher von der Forschung noch 
wenig beachtet, die Frage nämlich nach dem Ein- 
Huß Breslaus auf die polnische Plastik. In dieser 
Beziehung scheint Karingers Werkstatt keine geringe 
Rolle gespielt zu haben. Um 1720 knüpfte er Ver- 
bindungen mit dem Paulinenkloster zu Czenstochau 
an, das schon früher mit Schlesien künstlerische 
Verbindungen unterhalten hatte. Aus dem Vertrag 
geht hervor, daß er sich verpHichtete, einen Hoch- 
altar „ex marmore ceruleo Bripornensi" für 
6000 polnische Gulden zu verfertigen. Wieder 
begegnen wir Albert Ignaz Provisore „Marmo- 
rarius Vratislaviensis et civis Viennensis", dem die 
Ausführung der sechs Säulen dieses Altares zufiel. 
Nach den Rechnungen des Jahres 1722 waren auch 
Johann Baptist Lemberg mit vier anderen Brcslauer 
Steinbildhauern und Johann Franz Krambs, Stuk- 
kateur und Goldschmied, in Czenstochau be- 
schäftigt. 
Am Czenstochauer Hochaltar, den der italienische 
Architekt Antonio Buzzi entworfen hatte, sind in 
der Mitte der majestätischen Architektur die Himmel- 
fahrt und Krönung Mariä. sowie zwischen den 
Säulen die vier Evangelisten dargestellt. Die Frage 
nach den Meistern der Skulpturen ist noch nicht 
geklärt. Es dürfte sich aber um Breslauer Künstler 
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