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INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG 
Nr. 24 
geslicht gezogen. Das Buch erscheint demnächst im Verlage 
Quelle u, Meyer im-Leipzig. 
(Ein Archiv iür tschechische Theatergeschichte.) In 
Pilsen werden Vorbereitungen zur Schaffung eines Archivs 
für tschechische Theatergeschichte getroffen. Den Grundstock 
des Archivs wird die Sammlung V. B u d i 1 iS bilden, in der 
sich außer den Bildern fast aller .tschechischen Bühnen- 
g.enossen viel ausgedehnte Korrespondenz über Theaterfragen 
befindet. 
(Der Goethe-Kalender.) Der von Otto Julius B i e r b a u m 
begründete, von Karl Heine mann bis zu seinem Ableben 
redigierte Goethe-Kalender wird mit dem Jahrgang 1929 von 
dem Frankfurter Goethe-Museum durch dessen Direktor Prof. 
Ernst Beutler herausgegeben. Gleichzeitig wird ihm durch 
die Dieterichsche Verlasgbuchhandlung eine von Grund auf 
neue bibliophile Ausstattung zuteil. 
BILDER. 
(Ein Selbstbildnis Rembrandts verkauft.) Der Herzog von 
Buccleuch hat ein Selbstbildnis Rembrandts, 
das von einem seiner Vorfahren im Jahre 1740 um 70 Lstr. 
erworben wurde, an die bekannte Londoner Firma C o 1 - 
nag hi verkauft. Preis und Bestimmung des Bildes werden 
verschwiegen, doch heißt es, daß der Erlös die höchste Summe, 
die bisher für einen Reinbrandt bezahlt wurde, zweieinhalb 
Millionen Franken, übersteige, und man wird in der Annahme 
kaum fehlgehen, daß das Werk nach Amerika abwandern soll. 
Jedenfalls wird es demnächst in den New Yorker Ausstellungs 
räumen Colnaghis gezeigt; doch soll es, wie der Kunsthändler 
versichert, im Jänner wieder zurückkommen, und an der Rem- 
brandtausstellung im Burlington Hause figurieren, 
Da,s voll signierte und 1659 datierte Selbstbildnis (83 ; 65 
Zentimeter) stellt die sitzende Halbfigur des 53jährigen Mei 
sters dar. Er trägt einen pelzverbrämten, grünlich-schwarzen 
Ueberwurf mit hohem Kragen; die Hände ruhen gefaltet auf 
den Knien, und die Stuhllehne hinter ihm ist gerade noch sicht 
bar, Das schwarze Barett bildet einen starken Akzent gegen 
über dem weniger dunkeln Hintergrund. Die „Times" spricht 
von der „beinahe tragischen Intensität des Gesiohtsausdrucks“, 
die den Blick des Beschauers feßje, 
(Ein Aquarell Michael Zichys.) Aus Budapest wird 
uns berichtet; Vor mehr als 30 Jahren veranstaltete die Haupt 
stadt eine Ausstellung zu wohltätigem Zwecke. Für diese Aus 
stellung wurden auch Gemälde gesammelt, die später der 
Hauptstadt zurückgegeben wurden. Versehentlich gelangte auch 
ein Aquarell Michael Zichys, das er dem Professor Julius 
Gabel' geschenkt hatte, unter die der Hauptstadt eingeliefer 
ten Gemälde. Gabel strengte nun gegen die Hauptstadt einen 
Prozeß auf Rückgabe des Aquarells an. In der Verhandlung 
dieser Klage vor dem Bezirksrichter Dr. Felix Halmi bestä 
tigte der Maler Edmund K a c z i a n y das Eigentumsrecht des 
Klägers. Da jedoch der vom Sachverständigen Bela Lazar in 
600 Pengö angesetzte Wert des Objektes bezweifelt wird, ord 
nete das Bezirksgericht die Aufnahme eines Augenscheines 
durch den Sachverständigen Elemer Magyar an und ver 
tagte zu diesem Zwecke die Verhandlung. 
HANDSCHRIFTEN. 
(Handschriften Napoleons.) Wie ums aus Krakau ge 
meldet wird, hat man in der dortigen Bibliothek Kornicki 
eine wertvolle Sammlung von Manuskripten Napo 
leons gefunden, die aus der Zeit von 1793 bis 1797 stammen. 
Diese Urkunden enthalten Skizzen und Plane des italienischen 
Feldzuges von der eigenen Hand des Imperators. Man hat 
bisher noch nicht feistsitellen können, wie diese Schriftstücke 
nach Polen gekommen sind. Eis ist möglich, daß sie durch die 
polnische Gräfin Walewiska, die bekanntlich die Geliebte 
Napoleons war und deren Söhn dann eine große Rolle in der 
polnischen Politik spielte, dorthin gebracht worden sind. 
(Sechs kostbare Handschriften verschwunden.) Aus einer 
südwestdeutschen Stadtbibliothek sind, wie aus Köln be 
richtet wird, sechs wertvolle Handschriften verschwunden. 
Das wertvollste Stück ist ein illustriertes sogenanntes Stun 
de nbuch aus dem 15. Jahrhundert in lateinischer und fran 
zösischer Sprache, in rötlicher Seide gebunden, nach den 
Ueiberlieferungen aus dem Besitze Karls des Kühnen von 
Burgund. Außerdem werden vermißt: Eine deutsche Bilder 
bibel, sogenannte Laub er-Bibel, aus der Zeit um 1450; ein 
Psalterium aut Pergament aus dem 15. Jahrhundert; ein Evan 
gelium Johannis auf Pergament aus dem 12, Jahrhundert; ein 
Sammelband lateinischer Handschriften vom Anfang des 
14. Jahrhunderts. 
(Neuentdeckte Manuskripte von Puschkin.) Im Familien 
archiv des Fürsten Gorczakow, eines Lyzeums'kollegen 
des Dichters Puschkin, wurde eine Anzahl vom Manuskrip 
ten Puschkins entdeckt, Eis sind darunter die Handschrift 
einer Dichtung „Monach" (3 Gesänge, 424 Zeilen), sechs klei 
nere Originalgedichte und zwei Abschriften von Gedichten 
D. Da vid ofs und A. Dellwigs, ferner 152 bisher unbe 
kannte Briefe an und von Gorczakow aus den Jahren 1811 bis 
1846, die interessante Mitteilungen über Pusdhkin enthalten. 
Auch sollen sich unter den Haindsohrif.ten bisher unbekannt 
gebliebene Dokumente über Puschkins Duell und Tod be 
finden. Die Untersuchung und Veröffentlichung der neiuent- 
deckten Materialien wurde einer Sondenkommission, beste 
hend aus V, Frice, P, Sakulin, M. C j a v 1 o v isfe i j und 
P. Scegolev übertragen. Die Dichtung „Monach“ soll im 
nächsten Hefte der Revue „Krasnyij Archiv" erscheinen, die 
übrigen Materialien erscheinen später in Buchform. 
NUMISMATIK. 
(Auktion Friedr, Wilh. Oetling.) Bei der vom 12, bis 
16. November durch Hans Meus.s in Hamburg abgehal- 
tenen Versteigerung der Sammlung Friedr, Willh, Oetling 
erzielte Nir. 1 Vt Portugalöser o, J. (1635) mit Madonna M 210, 
Nr. 2, ein ähnliches Stück, M 175, Nr. 3 (4 Portugalöser o, J, 
(1668—1673) die Burg in doppeltem Schriftkreis, Ro. Kreuz 
M 250, Großes Interesse gab sich für Goldmünzen kund, die 
erheblich über die Schätzungsipreise gingen. 
VERSCHIEDENES. 
(Das Salzburger Museum Carolino Augusteum) veran 
staltet auch in diesem Jahre, wie alljährlich zu Weihnachteju, 
eine Ausstellung, und zwar dieses Mal von Original- 
Graphik des 17, und 18. Jahrhunderts, unter Mitwirkung 
der Albertina, der Salzburger Studienbibliothek und des Rri- 
vatbesitzes. Die Ausstellung wind am 18. Dezember im Museum 
(Franz-Josefis-Kai 17) eröffnet und schließt am 7, Jänner. 
(Rücktritt des Direktors der Berliner Porzelianmanu- 
iaktur.) Oiberregierungisirait Dr. Nicola Moufamg, der unge 
mein verdienstvolle Direktor der Berliner staatlichen Porzel 
lanmanufaktur,, ist von seinem Amte zurückgetireten, Der An 
laß zu diesem Rücktritt des ausgeizeiebneten Mannes, der, als 
er von Stuttgart nach Berlin kam, die Porzellanmanufaktuir 
als ein veraltetes oder doch ziemlich ziellos arbeitendes In 
stitut übernahm und mit großer Energie und künstlerischem 
Feingefühl ganz neu aufb'aute, liegt, wie das „Berliner Tage 
blatt" meldet, in Maßnahmen,, die von den mit der Prüfung 
der Rechnungen befaßten Behörden .als Unregelmäßigkeiten 
empfunden wurden. In seinem Eifer, die Ponzellanmanufaiktur 
zu beleben und in die Höhe zu bringen, halt D.r, Moufang 
mehreren Künstlern, die er anders nicht zur Vollendung der 
ihnen übertragenen Werke bewegen konnte, Vorschüsse aus- 
gezahlt, die er dann nicht mit dem richtigen Datum verbucht 
hat. Mit Geldern, die ihm bewilligt worden waren, weil der 
Bildhauer Professor Sdhanfif ein sich bäumendes Pferd model 
lieren sollte, wurde ein Elefant bezahlt, den Scharff statt des 
bestellten Pferdes lieferte. Solche Inkorrektheiten der Bu 
chung, die vielleicht verstehen kann, wer die Schwierigkeiten 
deis Verkehres mit Künstlern kennt, führten, als sie sich bei 
der RechnungiSko,nitrolle ergaben, zu einem Eingreifen des 
preußischen Handelsministeriums, zu dessen Ressort die Por- 
ze,ll:anmanufaktur gehört. 
(Schubert-Reliquien.) Einem Berichte der Wiener „Volks 
zeitung" entnehmen wir, daß die in Wien lebende Groß 
nichte Franz Schuberts, Fräulein Marie Schubert drei 
Kompositionen in dessen Handschrift, u. zw. „Menuette" „Das 
Lied an die Abwesende“ und den „12. Psalm", sowie zahlreiche 
Schubert-Dokumente besitzt. Unter den letzteren sind das De 
kret, mit dem Schuberts Vater als Lehrer angestellt wurde, 
ein gemeinsamer Brief Franz Schuberts und Schobers an 
Spaun, datiert 2. November 1821, sowie die rührenden Auf 
zeichnungen Ferdinand Schuberts über die Ausgaben, die 
Franzens letzte Krankheit und sein Begräbnis verursachten. 
(Das Lessing-Jubiläum.) Wie uns aus Braunschweig ge 
meldet wird, hat der Landtag beschlossen, die altberühmte 
Bibliothek in Wolfepbüttel „Lessing-Bibliothek” zu be 
nennen. Lessing, dessen 200. Geburtstag wir in Kürze begehen,Kein Volltext zu diesem Bild verfügbar.
	        
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