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Volltext: Alte und Moderne Kunst VIII (1963 / Heft 69)

Antonio Pordenonc, 
Auferweckung des Laznrus durch Christus 
Antonio Pordenone, 
Auferwcckuug des Lazarus durch Christus, Dcmi 
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scheinbar unauffällige Tatsachen, die im Laufe der kunsthistorischen 
Arbeiten festgestellt wurden. Wichtig war z. B. die Erkenntnis, daß 
bedeutende Vertreter der tschechischen Malerei des 18. Jahrhunderts, 
die keine Möglichkeit hatten, im Ausland zu studieren, mit der Ente 
wicklung der europäischen Kunst gerade deshalb Schritt halten konnten, 
weil sie noch die Gelegenheit hatten, die großen Werke der Welt? 
malerei direkt in Böhmen kennenzulernen. Peter Brandl hatte als 
Schüler K. Schröders, eines Malers, der sonst unbedeutend, am Aus 
gang des I7, Jahrhunderts jedoch Inspektor der Bildergaletie auf der 
Prager Burg war, Gelegenheit, von Jugend auf die großen Werke von 
Weltruf kennenzulernen, die sich auf der Burg befanden. Die Kenntnis 
dieser Werke kann man bis heute an seinen Bildern erkennen. Das 
regte zu Überlegungen und Llntersuchtingen an. 
Eine der wesentlichsten Anregungen für die gegenwärtigen Forschungs, 
arbeiten war das Studium der alten lnventare der Burggalerie. Diese 
Verzeichnisse, deren Glaubwürdigkeit an hervorragenden Werken 
überprüft wurde. die heute im Wiener Kunsthistorischen Museum 
und in der Dresdner Gemäldegalerie verwahrt werden, richteten die 
Aufmerksamkeit auf eine wichtige, bisher aber übersehene Tatsache: 
auf der Prager Burg gab es im 18. Jahrhundert viele Bilder. die heute 
weder in Wien noch in Dresden feststellbar sind und deren Schicksal 
bisher unbekannt geblieben ist. Dasselbe ging aus dem unmittelbaren 
Studium einiger Bilderfolgen hervor, die aus Prag nach Wien und 
Dresden gelangten und gegenwärtig im Vergleich mit den Prager 
Verzeichnissen des 18. Jahrhunderts tmvollstiindig sind. Der Unter 
zeichnete bemerkte schon vor einiger Zeit, daß aus dem Zyklus von 
10 Veronese-Bildern, die verschiedene Themen aus dem Neuen und 
Alten Testament darstellen und im Jahre 1718 auf der Prager Burg 
registriert wurden, nur 8 Werke nach Wien gelangten, von denen 
eines später in den Besitz der Nationalgalerie in Washington überging. 
Die übrigen zwei Bilder wurden als verloren bzw. verschollen betracha 
tet. lis drängte sich daher die Vermutung auf, daß sie unbeachtet an 
ihrem ursprünglichen Platz auf der Prager Burg geblieben sein könnten. 
Die in diesem Jahr durchgeführte Untersuchung bestätigte eine solche 
Annahme. Nicht weniger beeindruckt war der Verfasser dieses Bei 
trags schon vor Jahren von dem bmstand, daß in einer Bilderfolge 
von Domenico Fetti, die die einzelnen Gleichnisse behandelt und im 
18. Jahrhundert aus Prag nach Dresden verkauft wurde, das im alten 
Inventar der Burg angeführte Gleichnis vom Sämann fehlt: auch dieses 
Bild wurde gemeinsam mit den übrigen Werken Fettis vom Verfasser 
dieses Beitrags im Laufe seiner Forschungsarbeiten wiederentdeckt. 
Ebenso anregend wirkte die Tatsache. daß der einstmals in Prag be- 
tindlichc Monatszvklus Leandro Bassanos in der Wiener Galerie un- 
vollständig ist. Schließlich wurden lärxxägungen über die Tatsache 
angestellt, daß in den alten [nventaren große Werke bedeutender 
Meister genannt sind, von denen sich in keiner der Galerien der Welt 
die geringste Spur Findet. Solche und andere ähnliche Umstände be- 
rechtigten zur Annahme, daß die Bilder, die sich bis heute auf der 
Prager Burg befinden, einen anderen Charakter und Wert haben als 
bisher angenommen, sie begründeten die dringende Notwendigkeit, 
eine allseitige kunsthistorische Untersuchung durchzuführen, die der 
Verfasser dieses Berichts vor einiger Zeit vorschlug und mit der er 
in diesem Jahr beauftragt wurde. 
Diese Arbeit belindet sich erst in den Anfangsstadien und läuft ein- 
schließlich der Wiederaufiindung der Bilder erst einige Monate. Den- 
noch können wir schon heute auf besonders bedeutende Werke auf- 
merksam machen, deren Authentizität und Wert bereits nachgewiesen 
sind. Die hervorragendsten Arbeiten in der Reihe der venezianischen 
Malerei, die besonders reich vertreten ist, sind von Veronese und 
Tintorctto. Von Veranere, diesem Meister des frischen und freudigen 
Kolorits, blieben auf der Burg zwei große (lenxältle mit dem Sujet der 
lüiffuvirrlzruiq und der Anhebung zlrr Hirlrw erhalten. Sie gehörten einst 
zu dem oben erwähnten Zyklus von 10 Bildern, der ohne Zweifel 
unter Beteiligung der Werkstatt des Künstlers so entstanden ist, wie 
es in den achtziger Jahren des 16, Jahrhunderts bei Veronese ziemlich 
üblich war. Diese Gemälde wurden als Bestandteil des ganzen Zyklus 
im Jahre 1648 in Antwerpen bei einer Versteigerung der Silrnnilung 
(ieorge of Buckingham angekauft. Besonders fesselt das Kolorit der 
I'I{Ä'II'IIIIIJIKII_Q, die auch in ihrer Kontpositirmit sehr interessant ist. Es 
ist gelungen, zu diesem Bild auch die erste eigenhändige Skizze Veror 
neses zu finden, die sich vor dem Krieg in Berliner Privatbesitz bei 
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