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Volltext: Alte und Moderne Kunst VIII (1963 / Heft 69)

 
Phuc eines zweizen 
Mehrzwccktischchcns. du i 
mit Abb. 4 übcrcinslimm! 
Der Xekrelär (Abb. 1, 2, 7) 
Abgesehen von der betonten Schlichtheit, die sich in der kubischen 
Strenge und Glätte sowie in der sehr spärlichen Anbringung von 
vergoldeten Metallmontierungen äußert, zeigt dieses Möbel bezüglich 
der Furniere und der Marketerie alle für die Neuwieder Werkstatt 
charakteristischen Eigenschaften. Bei den intarsierten Flächen der 
Front und der beiden Häupter (Seitenwände) wurde für die Einfassungen 
Rosenholz, für die Grundilache graues Riegelahorn und für die Marke- 
terie helles bis dunkel gefärbtes Ahornholz verwendet. Riegelahorn 
war in Neuwied wegen seines seidigen Glanzes und der moirierten 
Zeichnung als Fond für die eingelegten Dekorationen besonders 
beliebt. Die Marketerie der Schreibplatte Findet sich an gleicher Stelle 
auf einem Sekretär von 1780190 im Victoria 8c Albert Museum in 
London (Huth, Tafel 34) wieder und ist bis auf kleine Unterschiede 
in der Führung und Verästelung der Ranken und in der Anbringung 
der Blätter nahezu damit identisch. Für die Blurnengehänge der beiden 
Türen gibt es unter den bei Huth abgebildeten Möbeln kein Vergleichs- 
beispiel. Das Durchziehen der Ringe durch Ösen in der Rosenholz- 
einfassung kommt auch auf einem Schreibschrank von l770f75 vor, 
der bei Huth, Tafel 31, abgebildet ist (damals im Berliner Schloßmuseum, 
derZeitP), doch sind dort Bänder durch die Ösen gezogen. Ein spieleri- 
sches Detail, das den Versuch darstellt, die Rahmungen nach Trompe- 
l'oeil-Art in die Intarsienkomposition miteinzubeziehen. Die Schlagleiste 
ist mit grauem Riegelahornholz furniert und von einer feinen Bordüre 
(Strich-Punkt-Strich) eingefaßt, die ein vielfach verwendetes Motiv 
darstellt; so z. B. am Tisch (Abb. 5) oder in der Kassette des Spiel- 
tisches im Österreichischen Museum für angewandte Kunst, Wien. 
Von der Marketerie der Häupter kommt das Motiv der Rosenzweige 
mit dem Gartenmesser auch auf dem Rollschreibtisch von 1773 im 
Münchner Residenzmuseurn an den Seitenwänden vor (Huth, Tafel 78). 
Die Farbigkeit der intarsierten Wände war ursprünglich bedeutend 
stärker und kontrastreicher. Sie hat durch die langwährende Licht- 
einwirkung viel von ihrer Intensität verloren. W Das in die Schreib- 
platte eingestemmte Schloß mit vier vierkantigen Zapfen (sehr be- 
zeichnend für Neuwieder Möbel) sperrt nicht nur in der Mitte, sondern 
auch links und rechts und außerdem die darüber gelegenen zwei Laden 
in der Frieszone. Diese sind nur zugänglich nach Öffnung der Schreib- 
platte und Betätigung von zwei Hebeln (im obersten Fach des Sekretärs), 
wodurch Sperren gelöst und die Laden durch zwei an der Rückwand 
angebrachte Doppelfedern herausgeschnellt werden. Das Furnier der 
Frieszone besteht durchwegs aus braunem Wurzelahornholz, nur die 
Laden sind durch Einfassungen aus griin gefärbten Ahornadern ge- 
kennzeichnet. Die Holzarten der horizontalen Gliederungen sind beim 
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