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Volltext: Alte und Moderne Kunst VIII (1963 / Heft 69)

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DIS VOGEL 
'BiIdhauer Karl Prantl 
ner Zeit. in der jede Musikbox in Gold und Silber erstrahlt und funkelt. wo jede Hausbar wie ein sakraler Schrein ausgestattet ist. wo es selbstverständlich ist. über 
Iistenbrett eine Edelholz vortüuschende Kunststoffolie zu kleben. in dieser Zeit ist es notwendig. daB jene. die sich in jeder Epoche dazu berufen gefühlt haben. ihre 
enschen zu den echten und eigentlichen Werten zu führen: die Künstler. bewußt allen Glanz und Effekt zurücknehmen und sich zur großen Einfachheit. ja. zur großen 
vt bekennen. 
hat schon gesagt: ..Armut ist ein großer Glanz von innen". und die von ihm gemeinte Armut ist in Wahrheit ein Reichtum. aber nicht ein Reichtum dieser Welt. Es 
erselbe Reichtum. den ein Franz von Assisi besessen hat. 
Aensch. der wie Karl Prantl daran glaubt. daß der Reichtum des immateriellen viel wichtiger ist als jener. nach dem die meisten Menschen streben. und der dabei 
Bildhauer sein will und als solcher daher gerade mit und aus der Materie zu schaffen hat. wird sich zuerst vor eine schwierige Aufgabe gestellt sehen. Doch der 
che Steinblock. der Eisenklotz oder der Lehrnklumpen hat von Natur aus jene ursprüngliche Armut in sich, die bereits wieder Reichtum ist. 
Künstler. der das erkannt hat. ist es jetzt gegeben, so viel wie möglich von dieser Substanz zu lassen und dabei den Beschauer doch so anzusprechen. daß er den 
en Glanz spürt. Prantl - der 1923 in Pötsching im Burgenland geboren wurde und seine Ausbildung auf der Wiener Akademie erfuhr k versuchte in einigen 
wden Arbeiten aus Holz und Stein wie viele seiner Zeitgenossen den natürlichen Formen nachzugehen und sie zu klüren -. nicht erklären! Doch bald Gndet er 
er ihm eigenen Formung. 
an die ersten Arbeiten aus Holz. ein den organischen Elementen der verschiedenen Wurzelstöcke nachgehendes Befreien von überflüssigen. zufälligen Zutaten. sehen 
schon bald. 1952. in einem noch im Burgenland entstandenen Werk eine bewußt eigenwillige Formung. 
Iinf Wundmale nennt der Bildhauer diese Plastik. und sie stellt einen gewissen Wende? oder Besinnungspunkl im Schaffen Prantls dar. was uns veranlaßt. näher 
.ie einzugehen. 
in dieser Arbeit sehen wir vor allem das Nachspüren der Gegebenheiten des Materials, Ein etwa mannshoher, der Länge nach halbierter Baumstamm von zirka 
ig Zentimeter Durchmesser wurde von dem Bildhauer mit verschiedenen Einkerbungen und Durchbrechungen versehen. wobei die ursprüngliche Form des halb- 
en Holzes in seiner ganzen Klobigkeit erhalten blieb. Ein Stück unterhalb des schräg abgeschnittenen oberen Endes ist in der Mitte ein Kreuz mit gleichlangen 
tzbaiken durch das Holz gebrochen, und links und rechts davon in einem gewissen Abstand befinden sich kreisrunde Löcher. Unter dieser Gruppe sind zwei 
hartige. symetrisch angeordnete. spitzbogenöhnliche Ausnehmungen. an die sich eine nach rechts in ganz schwacher Unregelmäßigkeit gezahnte kammartige Durch- 
hung anschließt. Auf der linken Seite des Halbrunds, also den Zahnlappen gegenüber. ist ein etwas größeres drittes kreisrundes Loch. Der Kammrücken setzt sich 
nem leiterförmigen Stück fart. das in eine schmale Rinne endet. Dort wo es sich verengt ist wieder links von der Ausnehrnung ein rundes Mal und am Ende des 
alen Schlitzes eines rechts. Die Oberfläche ist zwar bearbeitet. es wurde jedoch die Wölbung des Baumstammß beibehalten. Entlang dem Rande wurden links etwas 
halb der Mitte. sich nach unten verbreiternd. und rechts etwas schmülere Streifen weggenommen. so daß die an und für sich gewölbte Mitte nach etwas mehr 
ht erscheint. Das ergibt nun ein korpusühnliches Aussehen. wozu der kammartige Teil. der an die Rippen eines Brustkorbes erinnert. viel beiträgt. Es sind überall 
Anklänge, und der Beschauer kann selbst weiterbauen. Es ist auch durchaus möglich. daß der Künstler nicht so gesehen hat. sondern nur einen gewissen Rhythmus 
eine gewisse Symbolik beabsichtigte. eine Umformung von Begriffen in Materie. die ihm auch gelungen ist. 
fünf Löcher sind die fünf Wundmale Christis. und die leiter- und karnmartigen Ausnehmungen sind Stufen zu den Toren. die zum Kreuz führen. 
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