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Volltext: Alte und Moderne Kunst VIII (1963 / Heft 69)

 
 
 
ROM: PORTRÄT-STENOGRAMME VON ANTON WATZL 
Das Österreichische Kulturinstitut in Rom beherbergte. als der Linzer Maler Anton Watzl seine Porträtzeichnungen ausstellte. 
36 prominente Gäste des kulturellen Österreich. deren Gegenwart der graphischen Virtuosität dieses Künstlers zu danken 
war. 
Für die spontane und sichere Art der Darstellung kann zu Recht der Begriff eines "Porträt-Stenogramms" angewendet werden. 
was vor allem durch jene von Georg Saiko. Dr. Hanns Kreczi. Burgschauspieler Günther H. L. Haenel. Dr. Walter Koschatzky. 
Dr. Wilhelm Mrazek, Dr. Viktor Matejka. Friedrich Welz. Dr. Bruno Grimschitz. Dr. Siegfried Freiberg. Dr. Adele Kaindl 
und Prof. Herbert Lange. der auch das Vorwort zum Katalog verfaßt hatte, bestätigt wird. In diesem Vorwort tindet sich die 
wesentliche Feststellung. daß Anton Watzls Porträtzeichnungen ..als Zeugnisse freier schöpferischer Kunstousübung zu werten 
und nicht vom Verewigungstrieb der Angebildeten beeinflußt sind" (Abb. 3. 4). 
Die Ausstellung fand gebührende Anerkennung bei dem sich immer mehr ausweitenden Kreis der Freunde österreichischer 
Kunst in Rom. wovon auch das Echo in der italienischen Presse Zeugnis ablegte. So schreibt Claudia Refice in der angesehenen 
kulturellen Wochenschrift "La Fiera Letteraria". daß sich Watzl an die besten künstlerischen Traditionen österreichischer 
Graphik anschließt und ebenso durch die Unmittelbarkeit seiner Interpretation überrascht wie durch seine präzise und 
elegante Darstellung. 
Der Kunstkritiker des "Giarnale d'Italia". Bruno Morini. weist vor allem auf den originellen Einfall hin. ausschließlich die 
Kulturschaffenden seines Landes zu porträtieren. ..Das geschieht auch oft durch das Einbeziehen der Hände. die um nichts 
weniger als das Antlitz eines Menschen imstande sind. seinen Charaker festzuhalten." Morini hebt auch die kräftige Zeichnung 
hervor, „die sich in wissender Synthese mit einer eindringenden psychologischen Erfassung des Darzustellenden vereinigt". 
Zettl 
"WIENER SECESSlON" UND „GALERIE IM GRIECHENBEISL" IN ROM 
Das gesteigerte Interesse Italiens an österreichischer Kunst hält nach wie vor an. Beim ..Maggio Musicale" in Florenz erregt 
Kokoschkas Bühnenbild derzeit höchstes Aufsehen. ln Rorn zeigt die ..Galleria Numero" im Austausch mit der Wiener ..Galerie 
im Griechenbeisl" eine Ausstellung, die anschließend auch nach Mailand gehen wird. Johann Fruhmann ist dabei mit einer 
Serie strukturdhnlichen. aber chromatisch differenzierten Gemälden vertreten. Jede Aggression ist aus ihnen ausgemerzt. An 
ihrem lyrischen Reiz hat sich unter anderem selbst der Futurist Antonio Marasco überaus begeistert. Christa Hauer setzt durch 
kräftigen Farbauftrag und in der Farbgebung die Reihe barocker vitaler österreichischer Malerei fort. Mario Declevas Gemälde 
sind von getragener Feierlichkeit und führen in sakrale Bereiche abstrakter Kunst. 
Zu gleicher Zeit und ebenfalls in Rom stellt die ,.Galleria Penelope" Zeichnungen der Wiener Secession zur Schau. die bei 
Kritikern. Sammlern und Künstlern viel Beachtung ündet. Der italienische Rundfunk brachte bereits drei Sendungen darüber. 
und auch im Fernsehen gab es einen ausführlichen Bericht. Im ..Osservatore Romano". dem Organ des Vatikan. würdigte aus 
diesem Anlaß der bedeutende Kunstkritiker Professor Andrea Lazzarini den Beitrag der Wiener Secession zur modernen 
Kunst und hob vor allem auch die erlesene Auswahl der graphischen Blätter hervor. unter denen ebenso Werke von Klimt. 
Schiele. Kubin. Jungnickel. Kokoschka. Boeckl. Meissner und Wotruba zu sehen sind wie solche von Eckert, Eisler. Hrdlicka. 
Klima. Kreuzberger. Matulla, Moldovan, Staudacher. Szeni. Tahedl und Yppen. 
Durch die zahlreichen Kontakte. die der gegenwärtige Präsident der Wiener Secession in Rom anlüßlich seiner Anwesenheit 
knüpfen kannte. ist diese Ausstellung. die anschließend auch in Turin gezeigt werden wird. gleichsam der Auftakt zu größeren 
Manifestationen. welche teils in Italien. teils auf dem Boden der in Bölde wieder instand gesetzten Wiener Secession erfolgen 
werden. Zettl 
Beni Ferenczy 
Müdchenknpi 
Beni Ferenczy 
Engelsfiguren 
Jknvon W011i, 
Professor Franz Theodor Csokor. 
Zeichnung,196?. 
Anlon W091]. 
Frau Seklionsrul Dr, Adele Kuändl. 
Federzeichnung. 1962 
Franz Regler, 
Winterwuld. 1953 
Franz Regler, 
Gemalte Skulpluren. 1962 
I5 
l 6 
ERNST H. BUSCHBECK 
ZUM GEDENKEN 
Ein tragischer Unglücksfall. der umgeben 
war von beinahe romantischen Begleitum- 
sidnden. riß am 13.Mai diese: Jahres den 
ehemaligen Direktor des Kunsthistorischen 
Museums aus dem Leben e In ienern lande. 
dem von den Anfängen seiner Wissenschaft 
lichen Betätigung an seine Liebe gehört 
hatte. in Portugal. 
Buschbeck. der im 75. Lebensiahr stand. war 
flüth Absolvierung seiner Studien an der 
Universität Wien von 1921 bis 1924 am 
Bundesministerium für Unterricht 'in "einer 
Abteilung tätig. die sich mit der Reorganisa- 
tion des österreichischen Musealwesens be- 
faßte. 1924 kam er ans Kunsthistorische 
Museum. an dem er f abgesehen von der 
durch die freiwillige Emigration 1938 1945 
bedingten Unterbrechung bis zu seiner 
Emeritierung tätig war. seit Kriegsende dis 
Leiter dß Instituts. In seiner Eigenschaft 
als Museumsmann verfaßte Buschbeck unter 
anderem einen ausführlichen Führer durch 
die Sammlungen. Nach dem Kriege or- 
ganisierte er die Ausstellung "Kunstschätze 
aus Wien". die in aller Welt gezeigt wurde 
und neben karitativen Aufgaben auch den 
Zweck hatte. Österreich nach den Jdiiren 
der Nazibarbarei wieder in die Kulturwelt 
einzuführen. Die Wiederaufstellung des den 
romanischen Schulen gewidmeten Galerie- 
teiles ist sein Werk. 
Mit dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst 
war Buschbecks Tätigkeit als Museumsmann 
jedoch noch längst nicht abgeschlossen. Seit 
1955 war er mit der Zusammenstellung und 
Aufstellung der Salzburger Residenz alerie 
betaßt. Daß die Privatsammlungen zernin 
und Schönborn-Buchheim große Teile ihrer 
Bestände diesem Institut als Dauerleihgabe 
zur Verfügung stellten. ist in vieler Hinsicht 
dem Wirken Buschbecks zu verdanken. Die 
derzeitige " gung der Residenzgalerie 
geht zur Ganze auf ihn zurück. Darüber 
hinaus leitete er zwei Ausstellungen der 
Residenzgalerie. die der Malerei der Ro- 
mantik urid der Darstellung der Alpen in 
der bildenden Kunst gewidmet waren. Auch 
volksbildrierisch trat Buschbeck gerade in 
Salzburg hervor. Noch im April diess 
Jahrs hatte er im Rahmen der kunslwissen- 
schaftlichen Veranstaltungsreihe der Salz- 
burger Volkshochschule einen Vortrag ge- 
halten. bei dem er 7 abgesehen von dem 
sachlichen Gehalt e durch das Feuer und 
den Schwung seiner Diktion zu verblüffen 
vermochte. 
Ernst H. Buschbeck war der Typ ds Kavar 
liers altösterreichischer Schule vom Scheitel 
bis zur Sohle. Charme. jugendlicher Elan 
und unbegrenzte BegeisterungsVhigkeit kenn- 
zeichneten seine Persönlichkeit, wohl eine 
der liebeniwertesten unter der Kuhsthistori- 
kerschaft Österreichs 
K. 
AUSSTELLUNGEN IN ALLER WELT: 
Hannover: Die Kestner-Gesellschaft zeigte 
ab 25. April rund 30 Gemälde und 40 Aqua- 
relle des amerikanischen Malers Sam 
Francis. Dr. Wieland Schmied. der öster- 
reichische Leiter der Gesellschaft. hat die 
Arbeiten aus Privat- und Galeriebesitz in 
Deutschland. aber auch aus Paris. London. 
Mailand. Genf. Zürich. Bern und Basel 
zusammengetragen. Sam Francis. einer der 
Hauptmeister des "Action painting". ist seit 
195D in Paris ansassig. hat aber auch in 
New York, Kalifornien. Tokio und Bern 
Ateliers. Der heute Vierzigiührige wird 
gerne in einem Atemzug mit Jacksan Pollock 
oder Riaoelle genannt. 
Essen, Villa Hügel: Am 3. Mai wurde die 
wichtige Ausstellung "Kopiische Kunst 7 
Christentum am Nil" eröffnet. Sie urnfaßt 
zahlreiche bedeutende Kunstwerke und 
Denkmäler des christlichen kulturellen 
Lebens ebs nachantiker Zeit in Agypten. 
Nubien und Äthiopien. 
oitenbdeti, Klingxpor-Mllseum: Vom 15. Mdi 
bis Z3. Juni fand eine große Gedächtnis- 
Ausstellung für den unlängst verstorbenen 
genialen Maler und Zeichner Josef Hegen- 
barth statt. 
Florlnz: Im Palauo Stroxzi wurde vom 
23. Mdrz bis Z9. April die "Mostra Mercato 
Nazionale d'Arte cantemporanea" abge- 
halten. eine vom einschlägigen Handel 
aufgezogene Veranstaltung. die nicht riur 
alle bedeutenden lienischen Künstler 
unserer Zeit (de Chirico. Casorati. Burri, 
Morandi. Guidi. Guttuso. Capogrossi. de 
Pisis. AfrO. cdrnpigii u. d. m.). sondern auch 
Ausländer aus aller Welt in Hauptwerken 
herausbrachle. Die Zeitschrift "Arte figura- 
iivd" brdeiite in ihrer MärzlApril-Nummer 
ein nahezu vollständiges Freisverzeichnis der 
angebotenen Werke. Die niedrigsten Werte 
lagen um Lire 15.000,-. das teuerste Bild 
war ein Z20x129cm großes unbetiteltes 
Gemälde des Amerikaners Kline. für das 
Lire 23.OO0.000.4 verlangt wurden. 
Im Anschluß an diese Veranstaltung war im 
Palazzo Strozzi die Ausstellung "Premio del 
Fiorino. pittura contemporanea" (bts14. Mai) 
zu sehen. 
Turin: Im Palano Belle Arti wurde die 
1. Biennale d'arte e delfarredamento vom 
B.-Z6. April abgehalten. 
Kopenhagen: Hier fand vom 7.-15. April 
eine Ausstellung von Gemälden. Skulpturen 
und Graphiken zeitgenössischer dänischer 
Künstler statt. 
Euen: Das Falkwang-Musaum zeigte im 
April Werke ostcßiatischer Kunst aus Berliner 
Museen. Es handelt sich um Restbestände 
eines Gesamtkomplexes. der nach NWDR 
vom 18. 4. 1963 den Krieg im Berliner 
Bergungsbunker zwar heil überstanden 
hatte. dann aber nach der Sowjetunion 
verbracht worden war. wo er sich noch immer 
befinden soll. 
  
München: Im Haus der Kunst wurde Mitte 
April eine Ausstellung "Französische Malerei 
der Gegenwart" er ffnet. Absicht war. in 
enger Zusammenarbei "mit tdsi allen Pariser 
Frivatgalerien einen Uberblick über das 
Schaffen der "Ecole de Paris" in den letzten 
20 idnren zu geben. Neben den großen. 
altert Namen und anscheinend sehr viel 
Unbedeutendem dominiert die gegenständ- 
liche Malerei. vor allem vertreten durch 
das "Paradepferd" Bernard Buffet. Brianchon. 
Fontana Rosa. Yves Brayer u. a. m. Die ab- 
strakten Maler kommen zahlenmäßig 
schlecht davon. am bedeutendsten war 
Hartung mit Arbeiten aus der Zeit van 
1951 bis 1957 vertreten. Nach Ansicht von 
Erhard Göpel ("Frankfurter Allgemeine 
Zeitung". 17.4.19 ) bestimmen die Maler 
des "Salon du Ma die Situation in Paris. 
..in deren Bildern die aus der Natur gezo- 
genen Anregungen durch abstrakte Form- 
voistellungen hindurchwachsen". 
Dresden: Rainer Berndt berichtete in "Die 
Zeit" über die "Fünfte Deutsche Kunstaus- 
stellutig". die im Albertinum. im Jahanneum 
und in der Stadthalle abgehalten wurde. 
Ihr Tenor war hundertprozentig sozialistisch- 
realistisch: sozialkritische Tendenzen mischten 
sich mit aktivistischen Bemühungen. Eine 
Auswahl von Bildtiteln kann ohne weiteres 
als Illustration des Gebatenen dienen: "Noch 
kein Bart und schon Vater". "Schweine- 
müsterei Pionier". ..Hier darfste dich mal 
ausarbeiten. Franzl" m Geiste Lumum as 
r- Vorwärts Afrikal". ..Die preisgek 
Kuh". "Lehrling in der Schweineaufzucht 
Köln: Die Galerie Zwirner zeigte Mitte 
April einen Abend lang Malereien von 
Affen. lnsgßamt 32 Tiere waren von dem 
Tierpsychologen Destriond Morris für sein 
Buch . ' logie der Kunst" getestet worden. 
Das Faz Affen kennen zwar weder "Ding" 
noch ..Abbild". sind aber in der Lage. "eine 
Welt auf sich zuzuordnen". sie können sogar 
Erfahrungen und gestalterische Routine 
sammeln. ClUf die gegebenen Kompositians- 
flachen achten und 7 man höre und slaune - 
zum richtigen Zeitpunkt aufhören zu malen. 
dann nämlich. wenn des Affen Meinung 
nach eine "gewisse Balance des Strich- 
gefüges" erreicht ist. Außerdem laßen sich 
malende Affen während ihrer Arbeit um 
keinen Preis der Welt. nicht einmal durch 
Vorhaltung delikater Leckerbissen. von ihrem 
Tun ablenken. 
Arbeiten eines der Hauplmeister unter den 
malenden Affen namens Congo wurden 
sogar von Julian Huxley. Herbert Read und 
Pablo Picasso angekauft. (Nach: Frankfurter 
Allgemeine Zeitung. 18. 4.1963.) 
Berlin: Bis Mitte Juli ist im Qferstichkabinertt 
eine Ausstellung "Antwerpener Zeichner um 
Rubens" zu sehen. 
  
  
 
  
Käller 
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