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Volltext: Alte und Moderne Kunst VIII (1963 / Heft 69)

Derzeit sind Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten an den Fundstücken im Gange. 
Auch eine Großpublikation des Fundes durch Professor Dr. Rudolf Laur-Belort, den Betreuer 
des Augster Römermuseums. ist in Vorbereitung. 
Im Zusammenhang mit Straßenbauarbeiten wurden weitere Sondierungen und Grabungen 
nach Überresten der einstigen Colonia Augusta Rduried vorgenommen, die u.a. zur Fest- 
stellung eines keltischen Viereckstempels mit Umfassungsmauer führten. - Die Stiftung Pro 
Augusta Raurica hat unter Leitung von Professor Dr. LaursBelart die Curia (Rathaus) im 
Grundriß restaurieren lassen. 
Erstfeld: Hier wurde im Herbst 1961 bei Bauarbeiten 9 rn unter dem Bodenniveau ein Depot- 
fund gehoben. Es handelt sich um sieben goldene keltische Ringe. die wohl im 4. Jh. v. Chr. 
von einem Händler vor unvermittelter Gefahr verborgen worden waren. Der Direktor des 
Schweizer Landesmuseums in . h. dem nunmehrigen Aufstellungsort der Ringe. legte 
Ende März Bericht ab über die wissenschaftlichen Bemühungen um die Einordnung des Fundes. 
Die Schmuckstücke hatten sicherlich religiöse Bedeutung; vom Formaten her bezeugen sie die 
rege Auseinandersetzung der keltischen Künstler mit der mittelmeerlschen Btldwelt. 
Luzern: Der Maria-End-Altar in der Luzerner Hofkirche wurde in letzter Zeit grundlich 
restauriert und von Ubermalungen des 19. Jahrhunderts befreit. Nur die Vergoldung der 
Gewandpartien aus den Jahren 1859-1862 mußte belassen werden. da die entsprechende 
Originalfassung der vor einem Jahrhundert erfolgten Restaurierung zum Opfer gefallen war. 
Das lnkarnat der figurenreichen Darstellung erwies sich nach Abnahme der Restaurierungs- 
schicht jedoch als vollständig erhalten. 
Der Schöpfer des Maria-End-(Marientod-) Altares ist aller Wahrscheinlichkeit nach Jörg Wild, 
der vielleicht aus Konstanz stammt, 148MB? in Baden im Aargau aktenmößig faftbar und 1501 
in Luzern bezeugt ist. 1520 wurde dem ob seines ungestümen Lebenswandel; betangten Meister 
bei einem Streit von einem Gesellen die Hand abgehauen. 
Die Restaurierung des Altarwerkes war insoferne von großer kunsthistorischer Bedeutung. 
als durch sie die Annahme entkräftet wurde. es handele sich hier um eine gotisierende Arbeit 
des 17. Jahrhunderts. 
Neue Funde im Raum von Rom. In der Nähe des Olympischen Dorfes stieß ein 13jdhriger Knabe 
auf ein Römergrab des 1. Jh. n. Chr.. das mit Sluckreliefs reicht verziert war. die im Laufe 
der Zeit jedoch schwer gelitten hatten, dürfte das Grab doch als Unterschlupf für Vagabunden 
gedient haben. Die Darstellungen zeigen Szenen und Persönlichkeiten aus der römischen 
Mythologie. darunter auch die "Schutzheiligen" der Urbs, Castor und Pollux. 
In Marino in den Albanerbergen stieß man bei Bauarbeiten für einen unterirdischen Wein- 
keller auf ein römisches Mithrüum. das mit wohlerhattenen Fresken gschmiickt ist. die Mithras 
bei der rituellen Tötung des Stieres. aber auch Sonne und Mond. den Raben als Sonnenboten 
und die Tiere des Guten und Bösen (Jagdhund und Schlange) zeigen. Unterhalb der Symbole 
von Sonne und Mond sind in slreifentörmiger Anordnung je vier Szenen aus der Mithras- 
Legende dargestellt. 
Ägypten: Die Sammlung der UNESCO für die Rettung der Tempel von Abu Simbel. die in 
dem bereits in Ausführung begriffenen Stausee van Assuan versinken sollen, erbrachte statt 
der benötigten 30.5 Millionen Dollar nur 7.5 Millionen ein. Damit muß das von italienischen 
Ingenieuren ausgearbeitete Projekt zur Erhaltung der Tempel zunächst als gescheitert 
betrachtet werden. Anfang April gab die UNESCO jedoch bekannt, daß sie trotzdem nichts 
unversucht lassen wolle. die Tempel vor dem buchstäblichen Untergang zu bewahren. 
Wichtiger Plastikfund. Mitte April wurden Frsemeldungen zufolge auf dem Dachboden eines 
vor zwei Jahrhunderten aufgelassenen Klosters in Schönbach im Waldviertet zwei Skulpturen 
gefunden. ein Christus am Kreuz und eine Darstellung Christi nach der Kreuzabnahme. Die 
holzgeschnitzten Arbeiten entstammen der Zeit um 1420: die Haarpartien sind nicht 
geschnitzt. sondern werden im Sinne des spütmittelalterlichen Realismus aus echtem Menschen- 
haar gebildet. Ebenso besteht die Dornenkrone aus echten Dornranken. Die Skulpturen sollen 
nach erfolgter Restaurierung wieder in der Kirche aufgestellt werden. für die sie bestimmt 
waren. Die Kirche von Schönbach beherbergt heute noch, trotz aller Barockisierung. drei 
gotische Flügelaltäre und eine jener selten gewordenen gotischen Dreifaltigkeitsdarsteliurigen, 
bei denen auch der HI. Geist in menschlicher Farm wiedergegeben ist. Dieser Darstellungs- 
typ wurde durch das Tridentiner Konzil verboten. 
Die Kirche VON Schönbach selbst, ein spötgotischer Bau. wurde im Zuge einer General- 
restovrierung in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt. 
Moskau: Mitte April fand während dreier Tage ein Kunstlerkongreß statt. der es sich zur 
Aufgabe gesetzt hatte, einen Rückblick auf das künstlerische Schaffen in den seit der Abhaltung 
des letzten Kongresses vergangenen sechs Jahren zu geben. Leanid lljitschow, der neue Chef- 
ideologe der KPdSU. verlas ein Begrüßungsschreiben des ZK. das von den sowjetischen 
Künstlern Werke mit ldeengeholt und starker Kraft forderte, "welche die moderne Wende 
in ihrer farbigen Mannigfaltigkeit wahrheitsgetreu widerspiegeln und durch ihren Humanismus 
Respekt vor dem Menschen erwecken" sollten. Die Bildhauerin Jekaterina Belaschowa 
bezeichnete in einerr dreistündigen Referat den sozialistischen Realismus als ..Waffe im Kampf 
für den Kommunismus". Sie sieht in der modernen realistischen Kunst des Westens eine Ver- 
bündete im Kampf gegen die "reaktionäre bürgerliche Kultur": ferner bestritt sie. daß in 
Kreisen sowi ischer Künstler so etwas wie ein Kampfder Generationen herrsche. .. n unserem 
Verband marschieren beide. die Jungen wie die Alten. dem gemeinsamen Ziel entgegen. 
dem Aufbau der kommunistischen Gesellschaft." Köller 
 
 
KUNSTGEGENSTÄNDE ALS WERTANLI 
(Abbildw 
und Komm: 
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VORSCHAU" 
ÖSTERREICHISCHER MUSEEN 
UND GALERIEN 
Das Niederösterreichixche Landesmuseum 
im Z. Halbichr1963 
Nach der Sommerpnuse nimmt das N.-Ö. 
Landesmuseum in Wien seine Ausstellungs- 
Iätigkeit cm 13. Seplember wieder auf: An 
diesem Tag wird die traditionelle Schwam- 
merlausslellung "Pilze sammeln leicht ge- 
macht" eröffnet. Sie dciuerl bis zum 4. No- 
vember und wird ab 8. November von 
einer Ausstellung ..Neuerwerbungen e 
Gemälde. Aquarelle. Zeichnungen" abgelöst. 
die bis zum 1. Delernber zu sehen sein wird. 
Die letzte Ausstellungsverdnslciltung ward 
"Weihnachten im Vordlpenldnd" sein 
(6.12. 1963?6.1.1964). 
Sulxburg: Das Sommerprogramm der 
Galerie Welz 
In den Gulerierüumen. Sigmund-Hufiner- 
Gasse 16, findet vom 27. 7. bis 15.9. eine 
Ausstellung von Aquarellen, Pastellen und 
Hundzeichnungen von Ernst Ludwig Kirchner, 
einem der Hciuptmeisier des deutschen 
Expressionismus und der Künstlergruppe 
"Die Brücke". statt. 
Im Souterrain der Galerie lSi zur gleichen 
Zeit eine Kollektion ITIINElGHEFIiChEF Plcislik 
Zu sehen. 
In der Austellungshalle im Zwerglgurten 
wird eine Kollektion von Steinskulpluren, 
Gemälden und Radierungen von Alfred 
Hrdlicku gezeigt. Hrdlickc isI dieses Jahr 
Leiter der Klasse Mr Bildhauerei an der 
lnlernciticnclen Sommerckademie für bil- 
dende Kunst auf der Fstung Hohensalz- 
burg. 
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Klagenfurt: Herbstprogrumm der 
Galer Wullengasse 
Augus . Hermcm de Vries. Holland. Bilder 
 
und Skulpturen; erste Einzelausslellung in 
Österreich. 
September: Hans Stuudcicher. Kärnten, 
Bilder und Graphiken. 
Petronell: Ein neues Kunstgewerbemuseum. 
In Schloß Petronell. das bereits ein Donau- 
museum und eine kleine Kollektion von 
Ausgrabungen aus Ccirnunlum beherbergt, 
wird demnächst ein Kunslgewerbernuseum 
eröffnet. dem ein Flügel des Gebäudes mit 
neun größeren und kleineren Räumen sowie 
ein langer Gang zur Verfügung steht. Die 
Exponate sind Besitz des Oslerreichischen 
Museums für angewandte Kunst, das mil 
chronischem Ruummcingel zu kämpfen hat 
und nunmehr die Gelegenheit wuhrncihm, 
kostbare. bisher noch nicht gezeigte Gegen- 
stände der Öffentlichkeit ständig zugänglich 
zu machen. Im Mittelpunkt der Schuustellung 
slehen Beispiele des Kunslhcindwerks aus 
verschiedenen europäischen Ländern. vor- 
nehmlich aus dem 18. Jahrhundert. Es 
handelt sich um MODIIIGV. Gläser. Keramiken, 
Figural- und Hohlporzellun. Kostümen 
sonstige Textilien sowie Silber- und Gold- 
schmiedeurbeiien und Gegenstände aus 
Zinn. Bronze und Elfenbein. Auch Meister- 
werke der Kunslschlosserel und andere 
erlesene Erleugnisse des Schmiedehandwerks 
fehlen nicht. 
Das Kunslgewerbemuseum in Petronell ist 
insoferne ein Novum. als das Schloß selbst 
Privcilbesilz isI. während die Exponate einer 
stuullichen Sammlung entstammen. 
Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt. duß um 
2. Juni in Schloß Pillnitz bei Dresden eine 
wichtige Ausstellung "Kunsthandwerk des 
18. Jahrhunderts" eröffnet wurde. K. 
 

	        

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