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Volltext: Alte und Moderne Kunst VIII (1963 / Heft 69)

 
kammcr" der Prager Burg nur ganz unbedeutende Reste der ehemaligen 
Sammlungen gefunden werden konnten. Die schwedische Käänigin 
(Ihristine, in deren lliinde ein großer Teil der Bilder gelangte, ver- 
schenkte einzelne Stücke und war später gezwungen, viele Vun ihnen 
im Jahre 1656 in Antwerpen zu verkaufen. Der Rest gelangte nach 
ihrem Tode in den Besitz des Herzogs von Orleans und wurde von 
dort nach einer Versteigerung im 19. Jahrhundert wieder über die 
ganze Welt verstreut. Die Bilder, die sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts 
auf der Prager Burg befanden, können deshalb heute verstreut in Wien, 
München, Dresden und Stockholm, aber auch in London, (Iamlwrirlge, 
Richmontl, New York, Leningrad und vielen anderen Stadten gefunden 
werden, Im 17. Jahrhundert wuchs jedoch schnell die Zahl der neuen 
Werke auf der Prager Burg und es entstand eine hervorragende (ialerie, 
von deren Äusmal} und Qualität die alten (schon verötlentlichten) lnven- 
rare aus den Jahren 1718 und 1737 ein beredtes Zeugnis ablegen. libenso 
spricht von ihnen das kunsthistorisch bisher noch nicht ausgewertete 
und tinverotlientlichte lnventar aus dem Jahre 1685, das im Archiv 
der Prager Burg aufbewahrt ist. Der wichtigste Teil dieser neuen (ialcrie 
entstand tingefiiltr in und nach der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, 
als viele hervorragende Werke aus den ehemaligen Sammlungen des 
englischen Kiänigs Karl l., und Georgs, Herzogs von Buckingham, 
erworben wurden. Bei der Versteigerung dieser Sammlungen kauften 
Kaiser Ferdinand lll. und Erzherzog Leopold Wilhelm in den Jahren 
1648 und 1649 in Antwerpen 54 Bilder hervorragender Qualität, die 
n "h dem Tode Leopold Wilhelms vollkommen in kaiserlichen Besitz 
übergingen. Der Archivar Woravek konnte im Jahre 1937 auf (Irund 
von Studien alter lnventare feststellen, daß der größte Teil dieser 
Ankäufe auf die Prager Burg gekommen war: 42 Bilder, die aus den 
schon crx ihnten englischen Sammlungen erstanden wurden, konnten 
nach den xkngabeiw des aus dem 17. Jahrhundert stammenden Inventars 
der Prager Burggalerie identifiziert werden. ln den späteren Jahr- 
zehnten kamen noch weitere Werke hinzu. Führt das Inventar aus 
dem Jahre 1685 S14 Bilder an, so sind in jenem von 1718 553 XYerke 
verzeichnet und in dem noch späteren aus dem Jahre 1737 schon 576 
Bilder und Kunstgegenstände beschrieben. Darunter gab es zahlreiche 
Bilder der groBten Meister der XYelt: es handelte sich ohne Zweifel 
um eine der bedeutendsten Sammlungen Hurop; 
ln) gleichen Älaß, wie Prag seine Stellung im politischen Leben Östen 
reichs einbiißte und sich gleichzeitig der Wiener Zentralismus festigte, 
  

	        

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