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Volltext: Alte und Moderne Kunst VIII (1963 / Heft 70)

Ausgezeichnet kann man auf der Prager Burg auch das Schaffen des 
Holländers Paula Fiarurzlirggo kennenlernen, der in Venedig ansässig und 
eingebürgert war, in der Werkstatt Tintorettos arbeitete und durch 
die landschaftliche Auffassung seiner Gemälde auf die weitere Ent- 
wicklung Einfiuß nahm. Aus glaubwürdigen Nachrichten wissen wir, 
daß Fiammingu mit Veronese zu den venezianischen Malern gehörte, 
die auf Bestellung für Rudolf II. malten. Die erhaltene Bilderfolge auf 
der Prager Burg, deren Herkunft inzwischen noch nicht geklärt ist, 
gesellt sich zu zwei Landschaften des Meisters, die der Verfasser dieses 
Artikels seinerzeit im Schloß Sternberg in Mähren zu finden und zu 
bestimmen Gelegenheit hatte. 
An die venezianische Malerei des 16. Jahrhunderts knüpft das Werk 
Dommiro Fettir (oder Fetis) an, der uns wegen seiner Bedeutung für 
die XViedergeburt der venezianischen Kunst des 17. Jahrhunderts und 
ebenso auf Grund seines Einflusses auf Karel Skreta interessiert. Der 
letztere hatte nämlich in Italien das neuartig Anregende seines Schaffens 
erfaßt. Auf der Burg wurden drei Bilder von der Hand Fettis gefunden, 
zu denen sich noch ein viertes Werk gesellt, dessen Beziehung zu Fetti 
noch nicht ganz geklärt ist. Die größte Aufmerksamkeit verdient ohne 
Zweifel das Gleirbni: vom Xämann (aus der Zeit um 1620), das den Weg 
zur Entdeckung der Prager Bilder aufzeigte. Dieses Bild kann uns 
gleichzeitig in gewissem Maß die Art der mit den neuaufgefundenen 
Werken zusammenhängenden Frage andeuten. Es gehört nämlich zu 
jenen Werken, die aus der Sammlung des Herzogs von Buckingham 
auf die Prager Burg gelangten und im Inventar aus dem Jahre 1685 
dokumentiert sind. Der Umstand, daß das Bild Fettis aus der englischen 
Sammlung in die Galerie der Prager Burg iiberging, ist aus der eng- 
lischen Fachliteratur bekannt. Da das Schicksal des Prager Werkes 
jedoch später unbekannt blieb, entstand die unrichtige Annahme, daß 
die gleiche Komposition, die sich gegenwärtig in der Sammlung des 
Grafen A. Seilern in London beiindet (angekauft im Jahre 1948), mit 
jenem Bild Fettis identischist, das im 18. Jahrhundert im Inventar der 
Prager Burg dokumentiert wird. Die Entdeckung unseres Werkes 
widerlegt dies, und sein Vergleich mit dem Londoner Exemplar, das 
bisher als bedeutendste Version dieser oft wiederholten Komposition 
galt, spricht für unser Bild, das unmittelbarer, in frischerer Weise mit 
unbeschwerten, temperamentvollen Pinselstrichen gemalt ist, und dem 
daher W- ebenso wie anderen Dresdner (einst Prager) Bildern des 
Zyklus der Gleichnisse 7 der Vorzug vor anderen bekannten Repliken 
gebührt. Mit seiner Farb-Licht-Auffassung und feinfühligen Pinsel- 
fiihrung zeigt unser Werk die Bedeutung Fettis für die Zukunft der 
venezianischen Malerei des 18. Jahrhunderts und ergänzt gleichzeitig 
auf willkommene Art die Dresdner Reihe, die beim Studium des 
Werkes Fettis in den letzten Jahren berechtigterweise eine immer 
größere Aufmerksamkeit auf sich zieht. Dem Gleichnis vom Sämann 
steht ein weiteres Bild der Prager Burg koloristisch nahe, das im alten 
Inventar als Weirragung der Xihjlle bezeichnet wird und in der Haupt? 
rigur das Motiv des berühmten antiken Werkes der Aldobrandinischen
	        

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