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Volltext: Alte und Moderne Kunst VIII (1963 / Heft 70)

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schaftigen wollen, sehen wir ihr spezinsches Charakteristlkum dann, (si:_',j:f,_"g',:fä)";fs'S(am?ugäfxfihufätfffjgsäl 
daß dic Gesmlnm ihre Ob g" h d" 't ' 1 ' h R 1A f 12 Detail vom Clemens-August-Fayenceofen 
g r er 2c 3' m m1 m "d" er abenem am (siehe Abb. e). Jnhsnn Baptist Srraub. Allegorischc Figur. 
aufgetragenen und aus Ton geformten Ornamenten überzogen ist, wie Br-ihl. Sdlluß Aulzlmusburiz 
. . . . . . , . 13 Dr-railallsicllt di-i Clemens-Augilst-Fayclicvofcils 
auch ihre einheitliche weiß und goldene Farbigkeit weitestgehend von mit dcrßilstätics Kurfürsten Clemens August (1741) 
- . . .. .. venjohsiili aprin Straub. 
einer bestimmten Gruppe von Welchholzmobeln des süddeutschen isrblsl, Schlnß Aiigrlsrusburg 
Rokoko abhängig ist. Ihr künstlerischer Vorort im 18. Jahrhundert 
war, wie Feulner feststellte, München. Diese weiß und golden gefaßten 
Möbel, deren Oberfläche mit in „Stuck" (eigentlich eine Art von 
Pastiglia, Gesso) aufgetragenen, geschnittenen und gravierten Orna- 
menten versehen ist, bezeichnet man heute allgemein als Cuvillies- 
Möbel, weil sie unverkennbar nach dessen Entwürfen hergestellt 
wurden. Dies zeigt sich am deutlichsten in dem Vergleich der Brühler 
Öfen mit einem wahrscheinlich von Joachim Dietrich geschaffenen 
Stück, einer weiß und golden gefaßten Kommode, die sich einst im 
Besitz der Grafen Lerchenfeld-Köfering vermutlich in ihrem Münchener 
Stadtpalais befand. Heute gehört dieses hervorragende Werk Münchener 
Hofkunst dem Metropolitan Museum in New York 14). Diese Kommode 
ist mit vier Satyrhermen geschmückt, die an den vorderen und rück- 
wärtigen Ecken aus Rocaillevoluten erwachsen H ein ausgesprochen 
französisches Regencemotiv, das zuerst in Spätwerken von Boulle 
auftaucht und dann später von Cressent verwendet wurde. Von ihm 
hat es Cuvillies direkt übernommen. Die bizarren weiblichen Flanken- 
hermen am Brühler Chronosofen zeigen das Motiv in einer sehr geist- 
reichen Abwandlung, der gegenüber die Satyrköpfe an der New Yorker 
Kommode vergleichsweise noch flächenbetonter erscheinen. Diese 
ungewöhnliche Form der weiblichen Phantasiegeschöpfe mit ihren 
überlangen S-artig gebogenen Hälsen kommt - zusammen mit den 
Satyrköpfen f im Werk Frangois Cuvillies, d. Ä. schon erheblich 
früher vor als bei den von uns bisher genannten Beispielen. Sie 
gab es als sitzende geflügelte Phantasiegestalten in gegenständiger 
Anordnung, mit Tierklauen und Drachenschwänzen ausgestattet, an 
einem (im letzten Kriege zerstörten) um 1730 ausgeführten Panneau 
über einem Kamin im Preysing-Palais in Münchenm). Da die Or- 
namentfelder der Abseiten dieser Cuvillies-Kommode im Gegensatz 
zu den Brühler Fayenceöfen noch Gittermotive zeigen, dürfte sie 
sicherlich schon einige Jahre früher, das heißt um 173571740, auss 
geführt sein. Daß die Entwicklung so, wie wir sie dargelegt haben, 
verläuft und nicht etwa umgekehrt, beweist die mit dem Jahr 1741 
fixierte Datierung der Brühler Öfen, an der nicht zu rütteln ist. Als 
Ergebnis unserer Untersuchung dürfen wir also das eigentümliche 
Phänomen konstatieren, daß die Gruppe der sogenannten Cuvillies- 
Weichholzmöbel auch auf andere nicht aus Holz hergestellte Einrich- 
tungsgegenstände wie die Faycnceöfen in bezug auf die Gestaltung 
der Oberfläche stilbildend eingewirkt hat, die ihrem Werkstoff nach 
an sich gänzlich anderen Formgesetzen unterworfen sind. 
Die Entstehung dieser drei Fayenceöfen ist augenscheinlich nicht 
einheitlich. Für sie muß man sicher drei auch zeitlich voneinander 
getrennte Entwürfe von Cuvillies annehmen, die mit ihrem Auftrag- 
geber Clemens August wahrscheinlich genauestens vorher abgesprochen 
wurden. Aus stilistischen Gründen ist unserer Meinung nach der im 
Vorzimmer des Sommerappartements stehende Ofen lnit der ihn be- 
krönenden Chronostigurli) -s als der Verkörperung der Zeit i als 
das früheste Werk anzusehen. Der im Audienzzimmet des grünen 
Appartements aufgestellte Ofen mit dem Waffenarrangement, mit dem 
in der Mitte erscheinenden im Profil wiedergegebenen Marskopf und 
mit der sitzenden geharnischten Bellona 16) als Bekrönungsi-igur - 
als der Allegorie des Krieges - dürfte anschließend ausgeführt sein. 
Dieser im letzten Krieg durch Luftdruck leicht beschädigte Ofen 
ANMERKUNGEN (10720) 
w) E. Renard. Clcnlcils August Kurfürst von Köln (Monographien zur Weltgeschichte Nr. 33). Bielefeld n. Leipzig 1-l27, s. 4a m. Abb. 54. . 
lirnlil. Berlin 1934. s. a7 n. ioi m. Abb. so. 40. 97 n. es. 7 e. knllnnnn. Porzellan und Fayelicc am HOfClCtnum Augusts, intKal. der A sst. Knrrnrsr Clemens August 1961. s. 321ml 
Gtotg 1:. Schwnrzbnulrr. up. zit. (vgl. unsere Ammrrkung 1). _ 
u) Walter Bade-r. Sdiloß Augustusburg zu Bnihl nnd Falkenlust in: Ans Sfllloß Augusttßhurg zu Brühl nnd Falkclllusi. lrrsg. v. w. Bader. Koln o. 1. (: 1961). . In} bes. .. 2-1. V 
u) c. H. dc Junge. Holländischer Kachelschltiurk in den Schlössern Bruhl nnd Falkenlust. n. i. 0.. s. 169472: u. Farbt. n: gegen. s. 246. Hier wilrdc dr-r Nat n-rir rrbrsrln. daß dißc 
Kacheln in der Roltcrdalncr Kachelbrenlierci um Bloempnt" von Jan Acllnis sen. n. jun. ln-rrrtsrr-lli wurden. 
U) (i. F. Schwarzbaucr. m. a. 0.. 5.15. 
u) A. Feulner, Eine Kunlmodc nach Entwurf von Cllvillies. in: Festschrift e. w. Braun. Troppuu. Augsburg 1931 s. 167-169 in. Abb. ls-S. s Dcrs.: Kunslgcsrliichi- des Mrsbeli. Der 
s. 504er. m. Abb. 4517453. 7 Eine in gleicher Technik ausgefuhrtc Kumnlode aus Fichtenholz niir Weiß-gelber Mzrmurplatte (82x130x58.Scli1) ist wie dir Mö nn Ch Spcisezln 
Kurtürsrenzinilner der Residenz vermutlich ebenfalls dem Münchener Kisrler und Schnitzer Johann Michael Schmill zuzuschreiben. der derartige Möbel rndi Cuvillics Entwürfen um 171 
hergestellt hal. Vgl. Wcinntiller, München, Aukt. 34 v. 5.16. 12. m2. Kat. a2, Nr. 979 nl. Abb. Taf. a9 (hier irrtümlich EtTncr ll l zugeschrieben und 17264729 [!] datiert). 
Im) o. Auflegcr - K. Trnntmann, Munchcncr Architektur des xvlll. Jahrhunderts, M"nc -n 1x92. Tal". 54 (als llltcricllr Blatt IV). 
u) Benjamin Hedcriclis (Jrundlichcs Lexikon Myrl-lologicum. Leipzig 1741. Sp. 1734 (Saturn): Er wurde vbrgrsri-llr-r. sli (in alter Mann mit rrnrn Haaren und großem Harte . . . zcrillircn ltll 
Klel . . . wodcnn bedeuteten sein Alter die Länge der Zeit. die zcrißncn Kleider sein Alter. das bloße Haupt dir: llcdllchkei! der Zci ' 
l") Hcd v a. a. (7.. Sp. 4435". 
17) Sie ist II1 der Auffassung verwandt einer Bustr gleicher Darstellung, die von Bartholomäus uscph Lllcrix stammt und nach dem Tode des Kilrlilrstcti im Treppenhaus von Schloß Brilhl a 
wurde (1763164). Vgl. Rcnard, a. 2. 0., s. 64. 7 Kat. der Clemens August-Ausst. Ab . 131. _ _ _ _ b 
w) E. Renard. n. a. 0.. s. 90. Dieses Stuck hatte der Uhrmacher Knmust in Darmstadt lrr-rgt-srt-lii. Nnrli dem Tode des Kurfürsten wurde es nn Fruhjahr 1764 vcrstcl rr. Stllhtr isr 1:3 vcr 
w) w. Holzhzusctl. clr-rnt-ns August nnd die Malerei. in: SChlDß Atlgustusburg zu ßrnlrl und Fzllkcnlust. op. 111.. s. 57m, bes. s. 80181 m. Fnrbtnf. 33139 gegrn. s. 150 n. 2 n. Farbraf. so gegen 
w) i). Frcy. Der Rralititscliuraktcr des Kunstwcrkes, in: Kunstwisscnsrhaftlichc Grundfragen. l-rnlt-gninr-rni zu ClrlC! Kunstphilosophie. Wien 194a. s. 131 m. Taf. Vlll (über den Hochalur dr-r 
kapclle in Brühl). 
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54. er E. Rcliard s F. Graf WnllT Metternich 
s 
 
  
   
  
  
  

	        

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