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Volltext: Alte und Moderne Kunst VIII (1963 / Heft 70)

wurde aus unbekannten Gründen niemals vergoldet, so daß sein figür- 
licher Schmuck in der Naturfarbe des gebrannten Tones belassen blieb. 
Das zuletzt ausgeführte Werk ist, wie wir glauben, der Ofen im zweiten 
Zimmer des Sommerappartements im Erdgeschoß des Siidflügels. 
lm Vergleich zu den beiden anderen Stücken ist dieser Clemens-August- 
Ofen, wenn wir ihn einmal so benennen dürfen, der „primus intcr 
pares". Vom inhaltlichen her gesehen übernimmt er gewissermaßen 
die Funktion eines privaten Denkmales, wozu es unseres Wissens keine 
Analogie in dieser Art aus dieser Zeit gibt. Die für die Gloritikation des 
Kurfürsten bestimmten Motive steigern sich, wenn man sie in ihrer Ab- 
folge von unten nach oben betrachtet. Zuunterst erscheint in der Form 
einer Kartusche, heraldisch leicht stilisiert, ein Löwenkopf als Abbrevia- 
tur des bayrischen Wappentieres. lhm folgt in der geschvreiften Mittel- 
kartusche, deren Rahmen die Kurvatur des Feuerkörpers wiederholt, 
ein Relief, das spielende Putten darstellt. Sie sind im Begriff, die lnsignien 
der geistlichen und weltlichen Macht: Kurfürstenhut, Fürstenkrone 
und Zepter, mit einem Kranz zu schmücken. Für die nun folgende 
Gruppe: ein wie im Gespräch sich zuwendendes iugendfrischcs Paar 
ist es relativ schwer, sich ihre adäquate inhaltliche Funktion vorzue 
stellen. Vom Ganzen aus beurteilt geht man aber sicher nicht fehl, 
wenn man annimmt, daß in Gestalt dieses jungen sitzenden Paares die 
weltlichen Untertanen des geistlichen Fürsten als Landeskinder sym- 
bolisch dargestellt werden sollten. Dafür spricht auch die lnschrift der 
schildförmigen Kartusche, die die mädchenhafte Frau in ihrer Linken 
hält. Das darin enthaltene Pseudochronostichon rnit der Zahl 72 hat 
offensichtlich nur spielerischen Charakter. Die im Sinne einer fürst- 
lichen Devise abgefaßte Inschrift: „Elector securus ubique spirat" 
lautet: „Der Kurfürst lebt überall sorglos." Sie ist vermutlich von ihm 
selbst erdacht, wie jene andere, die später auf den von ihm gestifteten 
jagdorden „von der Gütigkeit" übertragen wurde. Sie lautet: „Aussi 
Clement 4 qu'Augustel" : S0 gütig - wie hoheitsvoll! 
Auffallend ist die starke Betonung der Mittelachse, die der in vier 
Zonen sich gliedernden, auf ausgesprochene Symmetrie angelegten 
Komposition dieses Ofens eine geradezu klassische Ausgewogenheit 
verleiht. Offensichtlich soll sie die Aufmerksamkeit des Betrachters in 
erster Linie auf die Porträtbüste Clemens Augusts konzentrieren, die 
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zugleich die Bekrönung des Ofens darstellt. lhr ist formal und inhaltlich 
alles untergeordnet. Gleichsam denkmalhaft ist hier die etwas starre 
vergoldete Porträtbüste 17) des Kurfürsten aufgestellt, der mit strengem 
Gesicht und mit weit geöffneten Augen in die Ferne blickt. Unter ihr 
spielen zwei lebhaft bewegte Putten, von denen einer zu Clemens 
August hinaufschaut und in seiner Rechten den Schlangenring hält: 
es ist das Symbol der Unendlichkeit, die hier den ewigen Ruhm des 
kunstverständigen geistlichen Fürsten allegorisieren soll. Eine sehr 
ähnliche, vermutlich auf den Auftraggeber selbst zurückgehende Kon- 
zeption, wie sie dieser „denkmalhafte" Ofen aufweist, muß auch jener 
Prunkuhr zugrunde gelegen haben, die sich einst in Schloß Brühl im 
Besitz von Clemens August befand. Es war dies eine vier Fuß hohe 
Standuhr, die „sein von allegorischen Figuren gehaltenes Bildnis" 
trug 13). Wie die Schlösser Augustusburg (wie schon der Name sagt!) 
und Falkenlust im ganzen als Apotheose Clemens Augusts zu betrachten 
sind, so war diese Bestimmung offensichtlich dem Ofen und der (nicht 
erhaltenen) Uhr als einzelnem Einrichtungsgegenstand zugedacht. ln 
den gleichen Gedankengängen bewegen sich auch die von Carlo 
Carlone gemalten und 1752 vollendeten Deckenfresken in Schloß Brühl. 
So wird im Treppenhaus die Apotheose des „Durchlauchtigsten 
Namens" mit dem CA-Monogramm dargestellt, wobei die Schönen 
Künste Clemens August huldigen, während Mars schläft. lm Garten- 
saal läßt der Maler das in Ocker gemalte Bildnisoval des Kurfürsten 
von dem in Grisaille wiedergegebenen Mars präsentieren, wobei es 
unter den vier lirdteilen erscheintw). Diese selbst im 18. Jahrhundert 
ungewöhnliche Selbstverherrlichung Clemens Augusts ist geistesge- 
schichtlich deshalb so interessant, weil sie bei seinem jüngeren Zeit- 
genossen Friedrich II. König von Preußen in seinen Bauten und ihrem 
wer. u .;-.n:.. cum. 11:- n." "M. nnrvnlwßrf prnv 
 
 
	        

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