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Volltext: Alte und Moderne Kunst VIII (1963 / Heft 70)

Kurt Ammann ist gewift einer unserer 
ehrlichsten jungen Künstler. ln eiserner 
Selbstzucht ringt er um Probleme der 
Form. Dabei hat er sich einer be- 
stimmten Technik verschrieben. Seine 
Blätter, alle vom gleichen Format, sind 
Monotypien und in vielen Schichten 
farbig lasiert. Es gibt in ihnen keine 
Effekthascherei und keinen Bluff. man 
spürt nur die immer wieder neue Aus- 
einandersetzung mit bestimmten For- 
men. Dem entspricht auch die absolute 
Redlichkeit im Technischen. Es ist der 
Ehrgeiz des Künstlers, dem Werk nicht 
ansehen zu lassen, ,.wie es gemacht 
wurde". Die feine Oberfläche jedes 
Blattes verrät nichts vorn Werdegang, 
es gibt da nichts lmprovisiertes oder 
Unvollendetes. Wie bei den alten 
Meistern tritt Technik und Material 
hinter die künstlerische Aussage zurück. 
Die Unikatgraphiken Kurt Ammanns 
zeigen meist menschliche, mitunter auch 
kristallinische Formen, die in wohl- 
tuenden Proportionen die Bildfläche 
füllen. Trotz ihres nicht besonders 
großen Formates wirken sie monu- 
mental und einige zeigen überraschend 
plastische Wirkung. Den besonderen 
Reiz der Blätter macht ihre Farbigkeit 
aus. Jedes Blatt hat nur zwei Farben, 
die sorgfältig aufeinander abgestimmt 
sind. Sie erscheinen aber in unglaub- 
lich vielen und reizvollen Tönungen, 
da bis zu sieben Lasurschichten über- 
einanderliegen und jede der beiden 
Farben in alle nur möglichen, diffu- 
zilen Schattierungen abwandeln. 
Das Besondere der Ammannschen Gra- 
phiken besteht darin. daß der monu- 
mentalen Form ein ebenso schlichter 
Farbenzweiklang entspricht. der durch 
seine subtilen Nuancen den Bildern eine 
zusätzliche. höchst lebendige Spannung 
verleiht. in unseren Schwarz-Weiß- 
Abbildungen geht von diesem Reiz 
allerdings sehr viel verloren. 
Ammann will seine Werke selbst spre- 
chen lassen und sie bedürfen keiner 
Erklärung. Das ist um sa höher anzu- 
schlagen, als Ammann auch Dichter 
ist. Als es ihm in seinem Quartier an 
Platz zum Malen gebrach, machte sich 
sein Schaffensdrang in Warten Luft. 
Er schrieb viele Gedichte, tief empfun- 
dene und fein gestaltete Lyrik. Das zeigt 
wieder die unbedingte Ehrlichkeit des 
jungen Mannes: beide Künste sind 
reinlich geschieden. Jede arbeitet nur 
mit ihren eigenen Mitteln, der Künstler 
gestattet sich keine billigen Anleihen 
beim.anderen Fach. Bild und Wort. 
beide sind gültige Aussageweisen, und 
er weiß mit beiden auf die ihnen 
gemäße Weise vieles zu sagen. 
Kurt Ammann wird sich gewiß noch 
weiter entwickeln, vielleicht auch wie- 
der einmal eine andere Technik. einen 
anderen Stil finden. Aber die gestal- 
tenden Prinzipien seiner Kunst werden 
immer die gleichen bleiben. Sie lassen 
uns noch viel von ihm erwarten. 
KURT AMMANN. geb. Z6. 9. 1931 in Eggenburg, NÖ., Seit 1935 in Wien. Studium 
an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Diplom: Akad. Graphiker und 
Maler. Arbeitsbereiche: Graphik (Radierung. Holzschnitt. Federzeichnung, Aquarell. 
Mischtechnik. Malerei (Öl, Tempera, Dispersion). 
Ausstellungen: Erste Kollektive im April1962 in der Kleinen Galerie in der Neu- 
deggergasse. Beteiligt an Ausstellungen des Künstlerhauses Wien und des Landes- 
verbandes niederösterreichischer Kunstvereine. Zweite Kollektive geplant für 
November 1963 im ..lnternationalen Künstler-Club" im Palais Palffy (Eröffnung 
am 5. November). 
Arbeiten im Besitze des Bundesministeriums für Unterricht. der graphischen Samm- 
lung Albertina. des niederösterreichischen Landesmuseums. des Kulturamtes der 
Stadt Wien. der Sammlung Prös. Mautner Markhof, des Stiftes Klosterneuburg, 
der Stadtgemeinde Klosterneuburg und Privater. 
 
Kurl Ammunn. Figuren. 1963. Mischiechnik, 37 x 50 cm
	        

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