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Volltext: Alte und Moderne Kunst VIII (1963 / Heft 70)

Notizen aus dem Kunst- 
Ieben und Kunsthandel 
WELT DER FORMEN 
UND SYMBOLE 
Zur graphischen Kunst von 
Nereo Tedeschi 
Die Geschichte der Wechselwirkungen 
zwischen österreichischer und italieniv 
scher Kunst ist ebenso alt wie wohl- 
bekannt: die Klosterneuburger Tafeln 
von der Rückseite des Verduner Altares 
(um 1330) sind nicht nur die ersten 
Tafelbilder der Welt nördlich der Alpen 
überhaupt, sie sind ohne die durch 
Giotto geformten Voraussetzungen nicht 
denkbar! Und es hieße Eulen nach 
Athen tragen. wollte man an dieser 
Stelle über das italienische Element in 
der österreichischen Kunst des 17. und 
mit all seinem schrillen Naturalismus 
nach Wien verpflanzte und ihn mit 
eigenem metaphysisch-surrealem Ge- 
dankengut „unterwanderte". Aber das 
Schaffen der impressionistischen Gruppe 
der "Macchiaiuoli" blieb in Österreich 
praktisch ebenso ohne Wirkung wie 
im Z0. Jahrhundert die Kunst der 
Futuristen und eines de Chiricc. aber 
auch eines Morandi, de Pisis oder 
Rcsai: der Magnet Paris hatte dem 
bis daher stets eher nach dem Süden 
gerichteten Anker Wien eine radikale 
Drehung nach Westen verliehen. 
Von einem gegenständlichen Einfluß 
der italienischen bildenden Kunst kann 
erst wieder in der Yatlerunmitteiborsten 
Gegenwart die Rede sein: hier ist vor 
allem das Wirken der internationalen 
Sommerakademie für bildende Kunst 
hervorzuheben, die Bildhauer vom 
Range eines Manzü und Greca nach 
Kunstakademie von Verona als Pro- 
fessor tätig ist. hat niemals eine Aus- 
bildung an einem offiziellen Institut 
genossen. mehr noch, die Akademie 
von Verona hatte seinerzeit seine Auf- 
nahme als Schüler abgelehnt... 
Es war eine glückliche ldee, gerade 
Tedeschi nach Wien zu bringen, denn 
seine technisch meisterliche. in allen 
Finessen des Metiers wohlbewanderte 
Radierkunst hat dem hiesigen Genius 
loci viel zu geben. Zahlreich sind die 
surrealen Elemente in Tedeschis Kunst, 
hintergründig und melancholisch ist 
die Poesie seiner Blätter. 
..Die Serie der Akte erfassen das 
Geheimnis der körperlichen Schönheit. 
.Clown' und ,Trompeter' entschlüsseln 
die geistigen Bereiche. die hinter der 
natürlichen äußeren Gestalt liegen. und 
führen in die große Traurigkeit der 
Seele hinein. ebenso wie das Unheil- 
iiLit die der Realisierung Cil 
präzisen inneren Anschauur 
Und das, was wir an seinen 
so stark erleben. eben das T 
dierende, ist der Mehrheit seine 
leute (wie aus den vom Verfass 
Zeilen eingesehenen einheimisr 
tiken hervorgeht) gar nicht 
Daß ihm das "Surreale" St 
passiert. ist damit geradezu 
weis für die Echtheit und Spo 
seines poetischen Genius, der 
gebiert und nicht erfindet. D 
eine Gruppe von Kunstwerk 
mal so (nämlich rationalistisc 
naltitaliana") und dann wi 
diametral anderer Weise z 
interpretiert werden kann. bew 
daß echte kulturelle Wechselwi 
in vielen Füllen auf schöpterisct 
verstündnissen beruhen. die ( 
für alle Zukunft erhalten möge. 
 
18. Jahrhunderts sprechen. Antonio Ca- 
nova SChllßßllth, der letzte ltaltenlsche 
Künstler. der etnen Weltstil prägte, 
htnterlleß gerade lrl Wien Hauptwerke 
setnes Schaftens vor allern das 
Grabmal der Erzherzogm Maria Chrtr 
stlne ln der Augusttnerklrche . die 
strh heute noch angebrochener Popar 
laritat ertreuen. Im Laute des l9. Jahr- 
hunderts wurde der Exnfluß der llOllE- 
rutschen bildenden Kunst auf Österretch 
fühlbar lockerer, wenn man vorn 
Einzelfall des Malers Anton Romako 
absehen will, der den Lokalstll Roms 
vom dritten Viertel des 79. Jahrhunderts 
Oslerretclt brachte und lhnen Gelegen- 
helt gab, als Lehrer auf dlc langstc 
Generatlon elnheirnischer Künstler etnr 
zuwtrken. Ob dleser ncuc Kontakt 
anekclattsch bletben WlFCl oder nlchl. 
kann erst dte Zukunft crwclscn. Das 
gtlt nach von dem kurzen Ausslelluags 
oesunh, den der Radterer Nereo 
Teaeschl m1 Saatwlnter dtescs Jahres 
dank der Verrntttlang des ltaltentsclwen 
Kultartnstltates tn Wlen absolvlertc Es 
war dte erste Auslandsausstellung dteses 
tn Verona im Jahre 1923 geborenen, 
ln sctner Helmut hachangesehcncn 
Kunsllers, Tedescht. der heute an der 
volle, das über den ,Vögcln' liegt, zu 
neuen Tlelensdttchlen hlnler den Spie! 
gelblldern des Realen verstößt, bis 
wtr... tn bedrückend an? und uber- 
wtrkltchen Berelchen angelangtslnd..." 
(Wtener Zeltung. 20.2.1963). 
Was Tedeschl uns also zu bteten hat. 
deckt slch ll'l nelen Fallen mtt Ten- 
denzen der _,Wtener Schale" des 
Sarreallsrnus. Der Unterschied lst aber, 
dal! Tedescht das Surreale, Doppel? 
bddlge nicht wtll und nxcht anstrebt. 
Als echter Romane ist er ein Mann der 
lorrn, und seine Probleme auf der 
Ebene des Bewulilsetns stnd ausschliellv 
Ntrvun mw-sL-l, 
ott- Klavlnc 
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