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Volltext: Alte und Moderne Kunst VIII (1963 / Heft 70)

EIN HHARTES" MUSEUM 
Das Linzer Schloß zeigt sich dem Beschauer vom Norden (also vom Urfahrer 
Donauufer) her noch ziemlich unverändert in den Farmen der Erbauungszeit 
(Anfang 17, Jahrhundert). Der Stil dieser gewaltigen Moles hat etwas Kubisch- 
Knappes, Kristallinisches an sich: nur wenige Zierelemente beleben die Fassade. 
die ihre starke Wirkung gerade aus der Reinheit der Grundformen und der Klarheit 
der Proportionen bezieht. 
Diesen „harten" Stil hat man sich auch bei der Neugestaltung der Innenräume im 
Zuge des Ausbaues zu musealen Zwecken zu eigen gemacht, Man sieht sich ver- 
sucht, von einer ,.Romantik der Präzision" zu sprechen. Weiß ist die dominierende 
Farbe der Fassade, schlichtes Weiß beherrscht auch die Innenräume. Die Reno- 
vierung und Umgestaltung hat. wo immer es möglich war, die alten Gewatlbe mit 
ihren zum Teil hochinteressanten Stichkappenlösungen, Pfeilern und Säulen erhalten. 
aber alle Unregelmäßigkeiten der altert Bemörtelung beseitigt. so daß auch hier 
die I-lärte. geometrische Präzision und messerscharfe Klarheit der Kanten bestens 
zur Geltung kommen, Die Vitrinen. Gestelle, Konsolen, Kolen und Sitzmäbel 
schließen sich eng an skandinavische moderne Vorbilder an, womit auch von 
dieser Seite her angewandter Kubismus seinen Einzug in das Bauwerk gehalten 
hat, Schnörkel, t-leimatstil-Floskeln. pseudobarocke Reminiszenzen sind somit aus 
diesem Bauwerk des Lichtes und der Sauberkeit verbannt: Repräsentation und 
Präzision wurden in diesem Museum zu Synonymen. Es ist kein größerer Gegensatz 
denkbar als der zwischen dem zum Museum umgestalteten rudolfinischen Schlaf} 
und der 1895 errichteten Protzkiste. in der sämtliche provinziellen Minderwertig- 
keitskomplexe, die Linz noch vor wenigen Jahrzehnten den Ruf der Lächerlichkeit 
eintragen. ihren enthemmten Niederschlag fanden. 
Die Gestaltung des Schloßmuseums ist nicht retrospektiv, in ihr offenbart sich der 
nüchterne, sachliche Geist einer Industriestadt, deren einziger Stolz ihre Leistung 
ist . . . 
Rühmenswert ist die große Sorgfalt. mit der man die Details ausfütirte. Das gilt 
vom Fußbodenbelag 7 sorgfältig gefugte Klinkerziegel 7 ebenso wie von den 
schlichten Steinkonsolen. auf denen die Skulpturen stehen. den Lichtstrahlern und 
all den übrigen hunderterlei Accessoires, die nun einmal der musealen Präsentation 
dienen. Besonders gelungen sind die Deckenlösungen in den westlich des Stiegen- 
aufgangs gelegenen, innerhalb der alten Umfassungsmauern vollkommen neu 
errichteten Sälen; einer tragenden Eisenbetonkonstruktion sind in lamellenartiger 
Reihung balkenartige Elemente untergezogen, in deren Zwischenräumen sich 
die Beleuchtungskörper befinden. 
Bei allem Geist der Sachlichkeit ist das neue Schloßmuseum keinesfalls nüchtern 
oder stimmungslos. Die elementare Kraft der Raumproportionen - meterdicke 
Wände mit tiefen Fensternischen. tief herabreichende Gewälbeansätze usw. 
setzen natürliche Akzente. die die Aufslellungsorte der Exponate bestimmten. So 
hat ledes Stück seinen ihm gemäßen Lebensraum. es gibt weder drängende Fülle 
noch gähnende Leere. Die Lichtverhältnisse sind, da der Hauptflügel nach Norden 
orientiert ist, praktisch das Beste. das erzielt werden konnte. 
Ein Problem nur harrt der Lösung, das der Beschriftung nämlich. Die in kleinen 
Plastikgestellen steckenden Schriftkartons sind in den Vitrinen im allgemeinen zu 
plump und zu aufdringlich. An den Wänden angebracht und daher mit der Lese- 
seite schräg in der Luft hängend, haben sie etwas ungut Provisorisch-I.abiles an 
sich. Sind sie (bei frei im Raum stehenden Obiekten) unten auf den Sockel gestellt, 
erfüllen sie die Erfordernisse der Lesbarkeit nur unzulänglich. Beim derzeitigen 
Stand der Dinge "ist die Beschriftung als solche längst noch nicht komplett. 
Eine Anregung: Im VictoriaäiAlbert Museum (London) befindet sich teweils in 
der Nähe der Eingänge zu den Sälen eine unter Glas an die Wand montierte 
Tafel, die Hinweise auf den Inhalt des Saales und auf den Sinn der Schaustellung 
gibt. ln den Vitrinen selbst sind zumeist nur winzig kleine Nummerntäfelchen, die 
Beschreibungen befinden sich wiederum an geeigneter Stelle außerhalb der Schau- 
kästen. Auch bei frei- oder an der Wand stehenden Exponaten wird das System 
einer gemeinsamen Beschriftung für mehrere Oblekte überall dort angewandt. 
wo es möglich ist, Das Beispiel ,.Schrifttafeln" zeigt, so belanglos es an sich sein 
mag, daß auch kleinere Probleme der gleichen sorgfältigen Behandlung bedürfen 
wie die größten Fragen. 
Alles in allem ist die Linzer Lösung für Österreich von geradezu revolutionärer 
Bedeutung; Museumsleitung und Architekt können aus ganzem Herzen beglück- 
wünscht werden. Kölier 
JOHANN BAPTIST REITER - (1813-1890) 
 
Zur Ausstellung 
im O6. Landesmuseum, Linz 
In dieser wohl umfassendsten Ausstellung 
von Werken des bedeutendsten ober- 
ästerreichischen Malers des 19. Jahr- 
hunderts hat Frau Dr. Alice Strobl (AI. 
bertinal die Früchte einer viellährigen 
Arbeit an einem Oeuvrekatalog prak- 
tisch präsentiert. Zu den Leihgaben der 
Museen des ln- und Auslandes traten 
viele Arbeiten aus Privatbesilz; Zeich- 
nungen, Aquarelle und Dokumente er- 
gänzten das Bild. Technisch war der 
Ausstellung insoferne kein absoluter 
Erfolg beschieden, als bei vielen Ge- 
mälden der schlechte Erhaltungszusland 
(Überrnalungen. tslachdunkelungen. 
mechanische Schädenl Störend wirkte. 
Auch im Gesamteindruck kam der 
Künstler als solcher nicht durchwegs 
positiv davon. 
 
Er ist als typisches Kind seiner Zeit 
Genre- und Porträtmaler. der zum 
Teil in den Spuren Waldmüllers 
wandelt (Bildnis der Familie Schegar). 
Seine mehrfigurlgen Kompositionen wir- 
ken gelegentlich gestellt. gekünstelt, 
trocken. Seine Zeichnung zeigt nicht 
selten Unsicherheiten, seine Interpre- 
tation des Menschenbildes bleibt stets 
an der Oberfläche der Erscheinung 
hängen; in den positiven Fällen er- 
halten seine Porträts etwas Stilleben- 
haftes, im negativen Sinn malt Reiter 
Puppen iind Larven. Von besonderer 
Siifllichkeit sind seine bewußt auf 
.,herzig" gemachten Kinderbildnisse. 
Gegen die Mitte seines Lebens wird eine 
erotistische Tendenz in Reiters Werk 
immer stärker. Am Anfang steht hier 
die ..Schlummernde Frau" (1849, Österr. 
Galerie), eine in die biedermeierliche 
Betlatmosphäre übersetzte Version nach 
Michelangelo (I). Später entstehen dann 
neckische Schlafzimmerbilder, wie etwa 
der ,.Morgengruß", dessen malerische 
Qualitäten schon erheblich niedriger 
sind als die des vorgenannten Werkes. 
Die Bilder der spätesten Zeit zeigen 
ein geradezu tragisches Schwinden des 
Konnens. 
Reiter ist am besten dort, wo er ganz 
Maler sein kann. also in seinen Skizzen. 
die in ihrem Temperament und ihrer 
Gelostheit an französische und eng- 
lische zeitgenössische Beispiele denken 
lassen (.,Knabenbildnis mit Vogel", 
,.Junge Frau. aus dem Bett steigend". 
.,Der PensionatsausfIug"). Hier ist er 
frisch, spontan, frei vor sich selbst; der 
Routinebetrieb mit all seiner Massen- 
produktion hat ihn in späteren Jahren 
künstlerisch ruiniert. Köller 
5 Jaiiann Baptist Reilei, 
Bildnis einat- alii-n Dame 
(U! mit Leinwand. 47 x 38.5 cm, 
Sigh. und dat. 123i, 
Div Begabung des KIIHSIICVS 
lur die gewissenhafte Ertasiuiiii 
drr rcincn von Gatiiiiicn und 
Empiindurini-n nirlit betroffenen 
Ziisianaiiclikeii 
gerade alter Menschen 
erweist sich an diesem schonen Porirai 
s Johann ßßpllil RQHEF, 
HQYYQHDOVIVOL ÖlskizIe.1B40. 
lri Arbeiten dieser Art 
lSl RCI1CF1VEI iiiiri unbefangen 
iind kann iatn malerisches Talent 
voll ausleben 
GEBURTSTAGE 
22.Mai: DipL-Arch. Ing. Jasef HeinI Rollig 
wurde 70 Jahre all. Er führte mehrere Wahn- 
hausbaulen für die Gemeinde Wien, das 
Kriizendarfer Strandbad, ein Alpenhaiel am 
Graßglockner und auch Baulen in der CSR. 
Ungarn und Jugoslawien dus. 
Das Künsflerhaus ehrie den Jubilar durch 
Verleihung des ..Galdenen Larbeers". 
12. Juni: Akad. Bildhauer Prof. Franz Barwig 
wurde 60 Jahre all. Aus der großen Zahl 
seiner Werke seien Reliefs und Pulli in der 
Wiener Siuaisoper. inieressiznie Hciuszeichen. 
Rekansfrukiianen romanischer Kapiiöle im 
Slephansdom und eine überlebensgroße 
Hachaliciriigur in der Grazer Dominikaner- 
kirche, aber auch mehrere Profcinfigliren 
genunnl. 
29. iiinii lied-iidi Prdi. Remigius Geyling 
vollendeie dds ss. Lebensjahr. Der well- 
berühmie BührienbildnerJeiieie gemeinsam 
mii Alfred Raller den Ubergang von den 
irddiiidneilen Nleininger Praspekien zum 
zeitgenössischen Bühnenbild ein. Er isf der 
Erfinder der Bühnenpraiekiion, die 1922 bei 
einer Burglheaferaufführung von ..Peer 
Gynl" ersii-ndls recllisierf wurde. Als Mil- 
begründer und Miiarbeiler der safirischen 
österreichischen Zeitschrift „Muskeie" be- 
wöhrle er sich durh dui dem Gebiete der 
zeiikriiisehen Karikalur. Seine gesamrnelien 
Entwürfe für Theaier und Fesispiei (1920 bis 
1960) sind sesiiz der Theaiersammlimg der 
Osierr. Nalianalbibliafhek. 
15.Juli: Akad. Maler Prof. cdrlds iiieiei 
wurde so Jahre du. Er zdhii zu den promi- 
nenlesfen Blumenmalern der Gegenwari. 
schuf aber auch Buchilluslralionen. Fresken. 
Gahelinenlwürfe und Sgrciffiil. Riefel lsl 
Träger des 1. Preises der Gemeinde Wien 
beim Blumen-Gabelin-Weilbewerb und der 
Goldenen Medaille des Künsllerhauses. 
amiiw Akademieprafessar rrdnz Elsner 
wurde es Jahre all, Seil 1921 wür Elsner 
Miiglied des Sünderbundes Ösierreichische 
Kunslschau, dem GUCh Schiele. Kubin, 
Kalig, KOkOSthka und Josef i-idriindnn dn. 
gehörlen. Derzeii leilel der Jubilar eine 
Meisierklasse iur Malerei dn der Akademie 
der bildenden Kunsie in wien. 
MünchenzAm 21.Juni feierte Emil Preer 
iarlus, Prüsideni der Bayrischen Akademie 
der Künsie, seinen so. Geburlslag. Als Buch- 
 
illuslralor. Lehrer an der Münchner 
Akademie, ferner als Bühnenbildner und 
Sammler aslaslalischer Kunsl und Schrill- 
sleller erwarb sieh der geburilge Mainzer 
(ein gelernier Jurlsf) berechliglen weliruhrn. 
OBITUARIUM 
Am 14, Mdi verslarb in wien Prof. Wolfgang 
Schönihcil, ein angesehener Maler und Gra- 
phiker. irn 5a. Lebensjahr. Er wdr Träger 
des siddispreises für Graphik. der Goldenen 
Medaille und des Würdlgungspreises des 
Kiinsiieriiduses. 
Am 9.iuni verslarb in seinem Aielier in 
einem Pdriser Varorl der Maler und erd- 
phlker Jacques viiidn irn es. Lebensjahr. 
Er begann seine künsllerische Lduihdnn UlS 
Zeichner von Karlkalureri. 1911 slleß er zu 
den Kublsien, 1919 fing er dn, abslraki zu 
arbellen, blieb aber dui wellen Slrecken 
seines Oeuvres dem Flguraliven ireu, Sein 
lemer bedeuiender affenllicher Auflrag war 
eine Serie von Glasfensfern iiir die Kalhedrale 
VON Meiz. 1956 wurde er mii dern ordnen 
Preis der Bienncile von Venedig ausgezeichnet 
in seinem Alclier konsllluierle SICh die 
„Seizllan d'Or", eine Künsllergruppe. der 
Leger. aieizes und Meizinger angehörlen. 
Die Geschwisler Villons, der Maler Marccl 
Ducharnp. der bereils 1913 verslarberic 
Bildhauer Rüyrviond Duchamp-Villan und 
die cenrerndiei-in Svzanne Durlidinp, haben 
wie ihr berühmierer Bruder ebenfalls Be- 
deuiendes zur Kunst Frankreichs heigeirdgen. 
Am 17. Juni verstarb in Wien der Bildhauer 
Andreas Urleil nach langem, schwerem 
Leiden irn 31. Lebensjahr. Der Künsiler halle 
durch seine originellen. eigenwilligen Ldsun. 
gen. die heiniihi waren. neue Wege und 
Avsdrucksmdglichkeiien aufzuzeigen, be- 
rechligies lnieresse erregl. Mil ihm nimm! 
die Künsllerschafl Ösierreichs van einer 
ihrer slürkslen Hoffnungen Abschied. 
Am 12. iiiiii slarb in Brixlegg Reg.-Ral 
Haupimcinn a. D. Dr. Heinrich Leparini, 
weiland Direklar der Alberliria. Seine 
Fublikcilionen über das Sammeln von Hand- 
zeichnungen und Druckgraphik im Rahmen 
der Bibliolhek für Kunsfsammler sowie der 
van ihm zusammengesiellie reprüsenloiive 
Band ,.Die Slileniwicklurig der Handzeich- 
nung" rnachlen seinen Namen auch in 
breliererl Kreisen der Kiirisiiriieressierieri 
bekclnnl. 
Am 30. Juni sicirb in Wien der Maler lkke 
Ozlberger im 73. Lebensjahr. Sein Schaffen 
wdr seinerzeii rnlf einem Kunslpreis der 
Sididi Wien, Einem Siddiispreis und der Gol- 
denen Medaille des Künsilerhauses geehrl 
worden. 
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