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Volltext: Alte und Moderne Kunst VIII (1963 / Heft 71)

Außer der bei den Brühler Öfen zutage tretenden künstlerischen 
Zusammenarbeit von Cuvillies d. Ä. und  B. Straub gibt es dafür 
noch einen bisher unbeachteten unanfechtbaren schriftlichen Beweis. 
Er findet sich in der llI. Serie in dem von Frangois Cuvillies d. J. 
herausgegebenen Stichwerk, das gewissermaßen das literarische Denk- 
mal der Münchener Hofkunst darstellt: „Ecolc de l'Architecture 
Bavaroise" (München 17705.). Als F. 7 gibt es ein von I. N. Magg 
stammendes und 1770 datiertes Blatt, auf dem Putten um eine Vase 
auf einem Postament spielen; mit der Bezeichnung: „Etude d'un piedroit 
dessine' d'apres un model du 8' Straub sculpteur de la Cour(e)." Ein 
anderes Blatt (F. 8) mit einer Vase trägt die Unterschrift: „Modelle 
par le 5' Straub sous la direction de M" de Cuvillies pere." Die offenbar 
engen künstlerischen Beziehungen zwischen Clemens August und  B. 
Straub sind dagegen schon länger bekannt. Entgegen den Konkurrenz- 
entxvürfen von Johann Michael Feuchtmayer (1751) und Ignaz Günther 
(1760) führte der Münchener Bildhauer den Hochaltar (1767{68) und 
alle Seitenaltäre (l743j44 und 1758[59) in der von Clemens August 
in seiner Eigenschaft als Generalpräfekt der St.-Michaels-Bruderschaft 
erbauten SL-Michaels-Hofkiche in München-Berg am Laim aus. Die 
Bauinspektion dieser Kirche hatte der Kurfürst am 2. Juli 1739 Francois 
Cuvillies d. Ä. übertragen, womit der Kreis der von uns aufgezeigten 
künstlerisch und persönlich eng miteinander verflochtenen Schicht 
von höfischem Auftraggeber und Hofkünstlern sich schließt41). 
Den Titel „Hofbildhauer in Cöllen" dürfte  B. Straub bald nach der 
im Jahre 1741 erfolgten Fertigstellung der Brühler Öfen von Clemens 
August verliehen bekommen haben. Sie werden aller Wahrscheinlichkeit 
nach sogar der direkte Anlaß dazu gewesen sein. 
Frangui: CmiilliäJ z]. ÄÄ, Johann Baptixl .l'tmub und jolmnn Gearg Härll 
sind, wie unsere Untersuchung gezeigt hat, die drei Meister der 
Zieröfen in Schloß Augustusburg. Mit den Chanovese- und den Dubut- 
Härtl-Öfen in der Münchener Residenz als ihren unmittelbaren Vor- 
gängern in engem Zusammenhang stehend, ist es in der Tat angebracht, 
für sie den kunsthistorisch bisher noch nicht gebräuchlichen Gattungs- 
begriE „Bildlmuerüferf einzuführen. XX"as die Brühler Fayenceöfen vor 
allen in jener Zeit entstandenen Werken dieser Art auszeichnet, ist, 
daß ihre Gesamtkonzeption jeweils einer einzigen auf Cuvillies zurück- 
zuführenden Idee entspringt. Durch die bis ins letzte durchdachte 
Koordination der Gesamtform mit der Ornamentik und mit den 
figürlichen Teilen entsteht eine wirklich vollkommene Synthese im 
Sinne des Gesarntkunstwerks. Die Brühler bayerischen Fayenceöfen 
gehören nicht nur zu den schönsten Werken der deutschen Groß- 
keramik des 18. Jahrhunderts, sondern auch zu den künstlerisch über- 
zeugendsten Zieröfen des gesamten europäischen Rokoko. Das ist 
zugleich ein beredtes Zeugnis für die hohe Qualität der Münchener 
l-lofkunst, deren „eigentlicher Hintergrund und die letzte geistige 
lnstanz"4l) eben Frangois Cuvillies d.  war. 
ANMERKUNGEN II (34443) 
H) Vermutlich wur dicnc Figur (Liudcnholz: H. 1.911111) m! in ihnlichur Aufstellung bis was 
iin Palais des Rclrhsgrafcn johann Caspar von l.n Rosöc ui München; jcxzt Bayerßchcs Nniinnnl- 
museum München (lnv. Nr. 1196). vgi. A. Schdubcrgcr, l. ciiruhcr, München 1954. s. 113134 
in. Abb. IM). wu dcr morivische Zusamme hang inir dieser unvrrdirnnrlichrcn Slraubfigur 
nnrh nicht erkannt ist. r Die gleiche m01 "hc Beziehung zwischen de: Brühlcr Bullonn 
Straubs zeigt sich interessanterweise nuch inir rinr-r im Gcgensinn komponierten sitzenden Pallas 
Aihcur (11. 311.5 crn), dic lgnaz Gunther für die Nymphcnburger Porzellan-Manufaktur gc- 
schaKeu hnr (cin unbemalles Ex. ini Bayerischen Nmtionalmuseum in Münchcn). Dir- Slrzub- 
und Günther-Figur gehen rnniivucli hcidc nur eine thcmcnglcichc Figur von F. cirnrdnn zu- 
rück. dic dieser ini Jahre 1619 Gir die Dacllbaluslradc dcs Nordflügels nni Ehrcnhof des 
Versailler Schlnses SChuf (vgl. u. Briäre. Le Chateau de Versaillcs. Bd. l, Paris o. J. 11911]. 
Tnn lll - (i. Woeckcl, Ignaz cünrhcr und die Nymphenburgcr Porzellan-Manufaktur. in: 
Du M slcr. 3.111, 1950 s. 2127213. 
1.5) c. (jiedion-Wclcker. J. B. traub, n. n. 0.. s. s. r Das Palais wurdr von dem Kurfürsten Karl 
Albrcchr für scinvn natürlichen Sohn, Franz Ludwig Graf von Hohnstein aus lanyrrn (1125 
bis 1120), erbaut, der 1156 s m: Kusine Mnrin Anun crnrin von Lüwenfeld (1- 1135), niuu 
natürliche Tochter des Kurfürsten Clemcns August. ehelichre, c-inr gefeierte Schönheit am 
Munchener Hof, dic von Gcorg Dcsmarics lll11 1155156 gemalt wurde (Münchcn, Städr. Galerie: 
Ncucrwcrbung 1963). Die durch J. ß. Srraub crfolgre plastische Ausstattung des Cuvilliäs- 
Pnlni: (später lngenheim - ir 1149 l-iisnignrrld 4 se-it 181a Erzhischöfliche Dicmrwoh- 
nung) wnr demnach Clemuns August aus eigener Anschauung bekannt. - Zu der winels- 
bzchischen vrrwnnduchnrr vgl. M. Braubach, Ani i-inrc des Kurrursicn clcnicnn Auguni, in: 
Aus Schloß Augustusburg und Falkenlusz, n . 111., s. 52, 
M) c. Giedion-Wclcker, 1.13. Straub, n. n. 0., s. 150 in. Abb. 104 u. 105, s. 11. 
v) s. F. Schwarzbauer. . .0 . Ahb. 12 u. 13. s, 12. 
H) c. Giedinn-Welcker. n. n. 0.. s. 12 Das schon 1141 entstandene Wcrk wurde erst nni 29. 4. 1143 
nur 81311. 29 kr. dnrrhin griicrr-rr. - w. Messern, Kinder uinnc Alter. Rcgensburg 1962, Abb 19. 
w) c. Gicdion-Welcker. n. n. 0.. Abb. 2 . - Münchener srnnrl. Graph. Slg. Inv. Nr. 30.495 (Halm- 
Maifci v, so). Fcdrr, hellgrau. blfiulichgtau und wpia lnvicri; 25.5 x37,2 cm. 
w) im. dcr clcuiciu-Augunr-Aunu. Nr. 441 u. 442; u. 56 u. 52 rrn. 
M) xnr. der Clcmcns-August-Aussl. Nr. 203 u. 204; zwei Putten (M "n als Kind mit Buch: Tobias 
mit dem Fisch), 9,5 x 11 u. 11 x 11 cn-i. München. Bayerisches Nationalmusemn, Inv. Nr. 4119120. 
7 Ausst. Eurnpäischcs Ikokoko, Munchrn 195a, Nr. 495.  c. Gicdion-Wclckn, n. n. 0., 
s. 45. 7 w. Messner, n. n. 0., Abb. 42 (: Abb. der AusfJ. 
42) N. Bnrrh, Die Michaelskirchcinliergam Laim. München o. J. (: 1931), s. 22 (g Cuvilliäs), 
s. 24,26, am sirnub). n Klcnninnnn, n. n. 0 an". 
v) S.4x5x;6ccl;cl. Am: Fr. Cuvilliüs d. A. u. d. 1., . Neue Deutschc Biographie. lll. ud, 1951, 
. _-4 4. 
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