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Volltext: Alte und Moderne Kunst VIII (1963 / Heft 71)

 
 
Am 25.Juni 196} wurden im ehemaligen kaiserlichen Schloß zu Linz 
an die dreißig Räume eines Museums eröffnet; ein Markstein, ein 
Wendepunkt in der wechselvollen Geschichte des Linzer Schlosses 
und zugleich des Oberösterreichischen Landesmuseums. Wenngleich 
das Linzer Schloß seit Generationen nur noch als „Schloßkaserne" in 
Erscheinung getreten ist, so berichten doch die Archive von anderen 
Zeiten, die dieses Gebäude einst erlebt hat; sie erzählen nicht nur von 
einem bedeutsamen politischen Geschehen, sondern auch von einem 
reichen kulturellen Leben in diesem Haus, das im ausklingenden 
Mittelalter einsetzte und bis ins 17. Jahrhundert herein blühte. Linz 
war damals keineswegs nur Zuflucht des kaiserlichen Hofes, wenn 
von Osten Ungarn? und Türkengefahr oder die Pest drohte; Jahrzehnte 
hindurch residierten Herrscher und Mitglieder des Herrscherhauses 
in Linz; hönscher Glanz, höfische Kunst und Kultur strahlten damals 
aus vorn Schloß über die Stadt und das Land an der Donau. 
Kaiser Friedrich lll. war der erste, der Maler, Goldschmiede, Musiker, 
Dichter und Gelehrte von europäischem Rang an seinen Linzer Hof 
zog. Sein Sohn und Nachfolger Maximilian L, der „letzte Ritter", 
pllegte den Humanistenkreis, der im Linzer Schloß heimisch geworden 
war, weiter; Festspiele wurden veranstaltet, Dichterehrungen und 
Tagungen großer Gelehrter fanden statt. Die Hochzeit Ferdinands I. 
mit Anna von Ungarn bedeutete zweifellos einen Glanzpunkt des 
hölischen Lebens in der Linzer Burg, das sich später während der 
Anwesenheit des kunstliebenden Erzherzogs Matthias nochmals zu 
beachtlicher Höhe entwickelte. 
Rudolf ll., der große Kunstsammler auf dem Kaisetthton, ließ um 
die Wende zum 17. Jahrhundert den Friedrichsbau abtragen und einen 
vollständigen Neubau des Linzer Schlosses durchführen. Er beab- 
sichtigte, sich in diesem Gebäude einen Sitz zu schaffen, wo er später 
einmal ungestört seinen Sammlungen leben konnte. Die Erfüllung 
dieses Wunsches blieb ihm versagt; seinem Bruder hingegen war es 
beschieden, nach Erlangung der Kaiserwürde im Linzer Schloß den 
glanzvollen ersten allgemeinen österreichischen Reichstag zu veran- 
stalten. ln der Folgezeit indessen ging die Bedeutung dieses Baues 
unaufhaltsam zurück. 
Nach den Jahren höl-lschen Glanzes vernachlässigt und einem lang- 
samen Niedergang überantwortet, in den Franzosenkriegen durch 
einen verheerenden Brand fast vernichtet und sodann nur noch zum 
Teil wieder aufgebaut, viele Jahrzehnte hindurch zu verschiedenen 
„ärarischen" Verwendungen herangezogen und vielfach baulich ver- 
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2 Saal mit moderner Decke 
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