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Volltext: Alte und Moderne Kunst VIII (1963 / Heft 71)

Friedrich Welz und Alfred Hrdlicku 
bei der Eröffnung der 
Sommeruusslellung des Küns'lers.1963 
Im Zwerglgurlenpavilion 
Aus einer Ausslellung In der Gulefe Welz 
die Tuschfederzelchnung. 
Rudolf Hrudil, "Kollegienkirche in Salzburg", 1963 
Das Geschüflslokul des Vulers 
von Friedrich Welz im icihre1910. 
Links im Bilde Vciler und Sohn 
Friedrich Welz und der 
deutsche Bundesprösidenl Theodor Heuß 
In der öslerreichischen Ableiiung 
der Franklurler Buchmesse. 1959160 
Giacomo Mdnzü, Das Modell Inge und Schüler, 
lnternulionale Sommerakudemie 
für bildende Kunsl. Sulzburg19S4 
Porlrül Friedrich Well 
von Renulo Gullusin. 
Federzeichnung. 1961 
 
vom Institut für Slädtebau an der Akademie der bildenden Künste in Wien, Leitung: 
Roland Rainer. 
Die bedeutendste Leistung. die Welz für Salzburg und Österreich vollbrachte, 
bestand in der Gründung der Internationalen Sommerakademie für bildende 
Kunst. Die Vorarbeiten reichen ins Jahr 1950 zurück. in dem Welz den großen. 
damals nach aufseine Heimat zürnenden Oskar Kokoschka bewegte. nach Salzburg 
zu kommen, um ein Bild dieser Stadt zu malen. das sich heute im Besitz der Bayrie 
schen Staatsgemäldesammlungen beündet. Im Gefolge dieser Arbeit veranlaßte 
Welz seinen Freund Kokoschka noch. eine Linzer Ansicht und eine Ansicht der 
Staatsoper in Wien zu malen; die Neue Galerie der Stadt Linz respektive die 
Österreichische Galerie in Wien besitzen diese beiden Gemälde. Mit der Sommer- 
akademie für bildende Kunst wurde 1953 begonnen. In vorerst mühselig improvi- 
sierten und adaptierten Räumen auf der Feste Hohensalzburg erwuchs seit damals 
ein heute blühendes wohleingerichtetes Institut, das alljährlich junge Maler, Bild- 
hauer. Architekten und Graphiker aus aller Welt nach Salzburg zieht. Es erlangte 
Weltruf im Laufe der folgenden Jahre. Neben Kokoschka. der mit seinen Assi- 
stenten die Malklassen unter dem Namen ..Schule des Sehens" leitete. wirkten 
die Bildhauer Uli Nimptsch. Giacomo Manzü, Ewald Matare, Emilio Greco. Giacomo 
Baragli und - heuer -- Alfred Hrdlicka. in der Architekturklasse Hans Hofmann('l'). 
Clemens Holzmeister, Konrad Wachsmann, Johannes ltten, Roland Rainer, Richard 
J. Neutra und Victor Gruen als Lehrer und Vortragende. Seit 8 Jahren besteht eine 
eigene Klasse für Lithographie unter der Leitung von Slavi Saucek. Erfolgver- 
sprechende Bemühungen sind dank der Initiative von Welz im Gange. aus der 
Sommerakademie ein ganzjährig wirkendes Kunsterziehungsinstitut zu machen. 
Werfen wir noch einen Blick auf die Tätigkeit der Galerie Welz im eben abge- 
laufenen Jahr 1963: im MürzlApril gab es eine Ausstellung von Originalzeich- 
nungen und Lithos von Alfred Kubin; wichtigstes Exponat waren die 1912113 
 
 
entstandenen Originale zum lllustrationszyklus ..Nachtstücke" von E. T. A. Hoffmann 
aus der ehemaligen Sammlung Stinnes. Köln. Dieser Ausstellung folgte eine Schau 
auf das Werk des jungen. vom .,Inf0rmel" zu einer Art von besänftigtem expressivem 
Kubismus bekehrten Malers und Bildhauers Oswald Oberhuber. Von Ende Mai 
bis Ende Juni brachte Welz Zeichnungen. Radierungen und Ölgemälde des hoch- 
begabten Salzburgers Rudolf Hradil heraus; ein in Kassettenform veröffentlichter 
Radierungszyklus .,Bric a Brac" von Hradil. der bei dieser Ausstellung vorgestellt 
wurde. ist eine publizistische Großtat im Dienste anspruchsvollster Sammlerwünsche. 
Der Juni war (Ausstellungspavillon Zwerglgarten) einer Exposition von Arbeiten 
des Postexprevssionisten Herwig Schubert gewidmet. im Juli kam in den Galerie- 
räumen der Kokaschka-Schülerund -Assistent RudolfKortokraks zum Zuge. während 
der Festspielzeit beherrschte 7 wiederum im Zwerglgarten - das Werk Alfred 
Hrdlickas (Skulpturen und Graphiken) das Feld. Dem unerschrockenen Vorgehen 
von Welz konnte Hrdlicka es danken. daß eines seiner Werke. ein monumentaler 
..Orpheus". im neuen Kleinen Festspielhaus ungezählten Widerständen zum Trotz 
aufgestellt wurde. Die Galerieräume waren in dieser Zeit einer absolut ,.albertina- 
reifen" Ausstellung von Aquarellen und Zeichnungen des Expressionisten E. L. 
Kirchner gewidmet - wiederum eine Pioniertat. die in ihrer Bedeutung wohl 
gerade in Salzburg nicht allzu stark wahrgenommen wurde. Im Herbst folgte als 
Abgesang eine Ausstellung von Werken des Wahlsalzburgers Max Peiffer-Watenphul. 
der zu den Grandseigneurs der österreichisch-deutschen Malerei der Gegenwart 
zählt. 
Mit Spannung können die Erfolge erwartet werden. die durch die Aktivität des 
..Kulturpolitischen Arbeitskreises" sich abzeichnen. Vor mehr als Jahresfrist hat 
Welz gemeinsam mit einigen Gleichgesinnten ein Gremium von Persönlichkeiten 
des kulturellen Lebens der Stadt Salzburg gegründet. das sich zum Ziel gesetzt 
hat. aus der lebendigen Verantwortung für die bedeutenden Kulturgüter des 
Landes und der Stadt Salzburg nicht nur eine positive Kulturkritik zu formulieren. 
sondern auch eine rationelle Kulturpolitik zu betreiben. die versuchen will. Eintluß 
auf die exekutiven Behörden zu erlangen. Damit soll der Versuch gemacht werden. 
den Verfall der salzburgischen Kulturlandschaft aufzuhalten und bauliche Eingriffe 
in das alte Stadtbild zu verhindern. ln konsequenter Verfolgung dieses Zieles 
wurde auch die Konzeption für die neue Universität in Salzburg einer kritischen 
Prüfung unterzogen. und Welz hat überdies die Architekturseminare der letzten 
beiden Jahre mit Aufgaben der Städteplanung und mit Studien für eine Universität 
im Raum Salzburgs unter der Leitung von Prof. Roland Rainer beauftragt. die 
gleichfalls dem Ziele dienen. die Öffentlichkeit auf die brennenden Probleme 
der Salzachstadt aufmerksam zu machen. Die Tragweite dieses Bemühens wird 
vielleicht erst später erkennbar werden. Man kann nur hoffen. dali diesem neuen 
Bemühen zum Segen dieser einzigartigen Stadt ein voller Erfolg beschieden wird. 
Erschöpft muIJ der Chronist bei seiner Aufzählung innehalten. selbst überwältigt 
von der Fülle und dem inneren Reichtum eines Werkes. das aller Ungunst der 
Zeiten zum Trotz in drei Jahrzehnten geleistet wurde; zieht man noch in Betracht. 
daß es Welz gelang. in diesen Jahren seine Galerie auch räumlich auszubauen 
und zu erweitern. denkt man schließlich und endlich daran, dali der Vater all 
dieser Dinge am furchtbarsten Leiden laboriert. das einen Kunstbeflissenen treffen 
kann, nämlich an einer äußerst schweren Augenerkrankung. bleibt wenig mehr 
zu tun übrig. als in Hochachtung zu verstummen. 
Friedrich Welz. ein Mitglied der vielgeschmähten Zunft der Kunsthändler, hat 
all das, was er getan hat, nur unter absoluter Zurücksetzung persönlicher und 
materieller Interessen leisten können, als echter Idealist, als einer. der von seiner 
Mission besessen ist. In seiner Kompromißlosigkeit und Zielstrebigkeit ist er sicher 
kein angenehmer Partner. denn wenn es ihm um Wesentliches geht, macht er 
weder Konzessionen, noch tritt er Rückzüge an. Er ist. wie unlängst ein Politiker 
der Spitzenklasse dem Chronisten gegenüber bemerkte. ein Hecht im Salzburger 
Karpfenteich, der Stagnationen nicht duldet. 
Hütten wir nur mehr Männer seines Schlages in unserem Lande. unser geistiges 
Leben wäre zwar weniger gemütlich, aber dafür echtes Kulturleben! 
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