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Volltext: Alte und Moderne Kunst VIII (1963 / Heft 71)

gefunden haben, sei es uns gestattet. als pars pro toto nur einige wenige Dinge 
herauszugreifen. Unser Wissen um das Stilleben des deutschen Barock wird 
bereichert durch das signierte Bild des wenig bekannten Malers Georg Gsell aus 
dem Kunstmuseum in St. Gallen. eine Allegorie auf die Vergänglichkeit der 
Künste wie durch das voll signierte und 1716 datierte Küchenstück mit Geflügel 
a la Snyders, teilweise in der Art eines Trompe-Foeil gemalt, von Johann Georg 
Roth (Kat. Nr. 47. u. 108 m. Abb. 5 u. 14). lkonographisch höchst ungewöhnlich 
und als ein bisher unbekannter im 18. Jahrhundert entstandener Nachzügler der 
Kunst- und Wunderkammerstücke des Manierismus erscheint ein querformatiges 
aufklappbares Doppelbild von Johann Conrad Wengner (172B?1806). Auf der 
oberen Leinwand ist eine italienische Landschaft mit rostendem Volk gemalt. 
dem darunter -- durch Scharniere verbunden w ein zweites forrnat- und rahmen- 
gleiches Bild enlspricht. das eine veristisch aufgefaßte anatomische Studie in Gestalt 
eines bereits zur Hälfte sezierten menschlichen Kopfes zeigt - ein Memento mori 
von außerordentlich abstoßender Realität. Das zeitstilistisch Merkwürdige besteht 
darin. daß es laut der vollen Signatur des Künstlers im Jahre 1769 in Florenz ent- 
stand (Kat. Nr. 158). Eine großartige Neuentdeckung für die Malerei des deutschen 
17. Jahrhunderts verdanken wir einer Neuuntersuchung der für den Statthalter 
der Markgrafschaft Burgau Johann von Grenzing in Feldkirch gemalten Memento- 
morieDarstellung, die sich als ein von Johann Heinrich Schönfeld stammendes und 
von ihm voll signiertes Werk von sehr hoher Qualität entpuppte. Sie ist eine 
Skizze für ein nicht ausgeführtes Epitaph (Kat. Nr. 119 m. Farbtafel lll). 
Das bleibende wissenschaftliche Ergebnis dieser Barockrnalereiausstellung in 
Bregenz bildet jedoch ein Faktum besonderer Art. lhr ist es nämlich gelungen, 
den konkreten stilistischen Beweis dafür zu erbringen, daß Franz Joseph Spiegler 
(169171756) neben P. Troger einen unmittelbaren und genau zu verfolgenden 
Einfluß auf F. A. Maulbertsch ausübte. Dies zeigte die auf den ersten Blick über- 
zeugende Gegenüberstellung von einem Werk des ersteren. einer Beweinung 
Christi (nicht Kreuzabnahme). 1747 für Altheim (Landkreis Riedlingen) gemalt. und 
von einer Skizze des letzteren für das 1757158 ausgeführte Altarfresko der Pfarr- 
kirche Sümeg in Ungarn (Kat. Nr. 131 m. Farbtafel IV u. Nr. 94). Für die überaus 
enge Verflechtung der oberschwübischen Malerei mit der mit ihr gleichzeitigen 
österreichischen Schweslerkunst spricht die bisher unbeobachtete Tatsache, daß 
das erwähnte Bild F. J. Spieglers nicht ohne die genaueste Kenntnis der in die 
zwanziger Jahre des 18. Jahrhunderts zu datierenden eigenhündigen Radierung 
P. Trogers "Der Leichnam Christi im Schoße Mariö" entstand. die diese Kom- 
position im Gegensinn zeigt. Diese Radierung ist wiederum die unmittelbare Vor- 
aussetzung für ein' äpiegelbildlich nach P. Troger avsgeführtes Schabkunstblatt 
von J. G. Haid (171031776), das mit dem Spieglefschen Altargemölde fast typen- 
gleich ist (P.-Troger-Ausstellung. AltenburglNÖ. 1963, Kat. Nr. 202 u. 216). Troger 
benützte dabei ein seit dem Manierismus bekanntes Kompositionsscherna. zu dem 
ein Domenico Tintaretto zuzuschreibendes Bild. eine Beweinung Christi, in der g, 
ich. Dianu und Kallis1 
a! Papier; 21 x 29.7 cv 
nn. Mührisches Museu 

	        

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