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Full text: Alte und Moderne Kunst IX (1964 / Heft 74)

 
Joris van llztgen und XXillem Schellinlts, sie 
alle haben ihr Land erlebt, crtaßt und schaubar 
wiedergegeben. Das (iefühl für die optischen 
Werte von Licht und Farbe ertiißte auch das 
Atmosphärische ihrer Heimat, deren XYeite in 
allen ßildenp mag der Ausschnitt noch so 
eng genommen sein, erkennbar bleibt. Weist 
fehlt der Mensch in diesen Landschaften, und 
ist er vurhantlen, spielt er niemals eine do- 
minierende Rolle im (iesamtbild. XYio er aber 
bildbeherrschentl atltitritt, im Bildnis wie im 
Genre, ist er immer noch intim gesehen. 
Gibt llendrick (Iurnelisz. van Vliet in seinen 
Kirchenintcrieurs von 166i) nur eine fast 
statistisch prävise Ärchitcltttmnalerei, so belebt 
auf llmanuel de XYittes Bild" vom Ende des 
Jahrhunderts nicht der Nlensch den Raum, 
sondern wird selbst erst durch das Sonnew 
licht, das durch die hohen licnstcr eintirillt, 
verlebendigt. St) wurde auch das Ärchiteltture 
bild zum Stimmungsbild. 
Das geringe Geschehen auf den Bildern eines 
Pieter de l Im )Cl1, wie auf seiner "Holländischen 
Familief der mangelnde dramatische lnhalt_ 
lassen den Beschnuer an dem unbewußten 
Vitleben des Künstlers am Dargestellten teile 
haben7 und halten ieden LlfllUEfkllCh vorüber? 
Lcalismus, Rembrandt van Riin, ist in der 
ammlung mit dem Bildnis einer „Jungen 
rau im Sessel" vertreten, das e 1632 enr 
tanden 7 die intime Porträtkunst des jungen 
Iünstlers voll stiller (Stöße und Kraft allen- 
art. Den Großteil der Bestände der (ialerie 
ilden aber nicht jene bekannten Maler, deren 
Jamen in allen Kunstpublikaticmnen 
ommen, sondern vor allem natiunal-hol- 
indische Meister und besonders viele „ltaliae 
isteit", Holländer, die wie ihre Vorfahren 
ber die Alpen in den Süden gezogen sind 
nd denen das Licht der südlichen Sonne 
nd die Farbenpracht der Natur sowie die 
Iunstschätze und das Volksleben Italiens be- 
nndercn Anreiz für ihre eigenen Themen- 
tellungen gegeben haben. ln erxählender 
'0rm schildern sie ihre Erlebnisse und Ein- 
rücke und halten die alltäglichen römischen 
ebensgexivohnheiten in ihrer Buntheit und 
lngebundenheit fest. Sie schildern das Leben 
es Volkes im Freien, die Brigztnten und 
icttler, aber auch die Hirten mit ihren Herden 
nd das Treiben vor den Osterien und Grotten. 
)ie ganze Gattung dieser Genrebilder wurde 
ach Pieter van Laers Spitznamen „Bam- 
nccio" (d. i. das große Kind) Bambocciaden 
enannt. Diesem Haarlemer Maler, der 13 Jahre 
1 Rum weilte, schlossen sich alle von jenseits 
er Alpen nach dem Süden kommenden 
lünstler in ihren Themen an, und sie alle 
ind mit Hauptxverken in der Akademie- 
alerie vertreten: der Freund Rembrandts Jan 
isselyn, Jan Baptist Weenix, Karel Dujardin, 
ldam Piinacker oder Jan Dirksz. Buth. Das 
Entscheidende ihrer Werke ist die Freude, mit 
er sie die Natur in ihrer Vielfalt beobachteten. 
lber den Ausgang nahm ihre kunst doch 
1m der Heimat selbst, von den weiten Ebenen 
ind dem sich darüber wölbentlen Wolken- 
iimmel und dem Blick auf das silbrigglänzende 
Jeer. Pieter de Moliin und Jan van (Juyen, 
acob van Ruisdael und Simon de Vlieger, 
VOfe 
a: 
ANMERKUNGLN l: 7 
ß Das Bild "Intern-mir einer Amsterdamer Kirche", 1683 datiert, 
konnle als wertvolle krgönzilng m; Bilderbestaxides der 
Sammlung m54 urwurbcll werden. 
1 jacnb Burrkhnrdt "Über tut- niederländische (ienremalrruPI 
m: "Jacob lhitrkhanlr, Vnrträge 1x44 mm". hg. um lzmil 
Dürr, Hase] ivix. 
5 Pieter de Molijn (1595 1061) und ("cnnl {er liureh (1617 bis 
1681). Reiter vor Srhcxike. Öl! icienhnlz 411 58.5 cm. 
(Iemäldegnlerie der Akademie der bildemlcli Kumu: in 
XVien 
6 JAH Aswly" (W11) 11153). Komische Landschaft. ÖlfLud. 
1101 130cm. Liemäldvyzmlcriv der Akademie der bildenden 
Kumte m XVieu 
b 

	        

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