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Volltext: Alte und Moderne Kunst IX (1964 / Heft 74)

Bilder scheinen nur der ästhetischen 
: zu dienen, aber wie die Auster ihr 
verliert, wenn sie vom Felsen losgelöst 
so sind die Bilder nur Nichtigkeit, wenn 
18 ihre Anwendung dargestellt werden." 
t eine der wichtigsten zeitgenössischen 
zllungen und von größter Bedeutung 
s Verständnis der holländischen Malerei 
7. Jahrhunderts, vor allem für den 
h des Genres und Stillebens. Das Zitat 
nmt dem durch zahlreiche Auflagen 
sonders wichtig gekennzeichneten Em- 
ibuch von Johannes de Brunes, das 
.n Amsterdam erschien. Die Tendenz 
ichon im Titel klar ausgedrückt (über- 
„Emblemata oder Sinnbilder, darge- 
lurch Bilder, Gedichte, umfassende Er- 
gen zur Verbesserung verschiedener 
unseres Jahrhunderts." Die Illustra- 
aber sind, völlig im Gegensatz zu den 
fischen Personifikationen klassischer 
iischer) Emblemenbücher, Szenen aus 
Xlltag des holländischen Bürgers. Zwi- 
den Illustrationen dieses Emblemen- 
a und den Tafelbildern der sogenannten 
dischen Kleinmeister gibt es praktisch 
Unterschied. Da Enden wir die Mutter 
Stube, wie sie ihr Kind trockenlegt. 
iäusliche Szene, und dann lesen wir den 
„Was ist der Leib anders als Gestank 
Dreck." Der Liebhaber wird aufgeklärt, 
ich seine junge schöne Geliebte nichts 
s ist, Aristoteles und die Bibel werden 
it, um die Eitelkeit unkeuscher Liebe 
ie übertriebene Anbetung der Frau zu 
nmen, und schließlich endet alles in dem 
Gedanken der Vergänglichkeit des Fleisches 
von der Stunde der Geburt an. So ist das Bild 
nur Vorwand, um die dahinterliegende Be- 
deutung, die „Wahtheit", zu exemplifizieren. 
Der Sinn aber ist immer der gleiche, ein 
moralisch didaktischer, der stets in der ldee 
der Vergänglichkeit, der Vanitas, gipfelt. So 
spiegelt sich bei einem Volk, dessen religiöse 
Grundtendenz sich an der im Mittelpunkt 
kalvinistischer Lehre stehenden Predigt orien- 
tiert, deren Hauptinhalt sittliche und mora- 
lische Belehrung im Hinblick auf die Eitelkeit 
alles lrdischen ist, diese ethische Grund- 
haltung auch in der Auffassung von den Auf- 
gaben der bildenden Kunst wider. Es ist das 
unermüdliche Bestreben, aus allen Dingen eine 
Lehre zu ziehen, das ewige Suchen nach der 
moralischen Nutzanwendung. Das Ziel ist 
ein praktisch soziales, die Besserung der Sitten 
und die Hebung der Moral des einzelnen in 
der Gemeinschaft. 
Die Allegorie steigt herab in die XVelt der 
Realität, in die Welt des Betrachters. Im 
Genre sieht er sich selbst und seine eigenen 
Erfahrungen moralisch gedeutet. Er ist in 
der Lage, den „Sinn" des Bildes zu erkennen, 
der 7 auch das eine Forderung der Zeit - 
„durch eine angenehme Dunkelheit besonders 
gefällig erscheinen soll, in dem die Dinge 
dem Scheine nach etwas anderes als in Wirk- 
lichkeit bedeuten, damit man nach langem 
Suchen unter dichten Blättern schließlich herr- 
liche Trauben" entdeckt. Fiir den heutigen 
Betrachter aber, der nicht mehr gewohnt und 
noch weniger bereit ist, hinter die Dinge zu 
schauen, und dem vor allem der dazu erforder- 
liche „Xl('ortschatz" fehlt, ist das Problem 
durch diese Forderung nach Verschleierung 
noch komplizierter geworden. 
S0 ist es auch innerhalb der holländischen 
Kunstgeschichte eine nach wie vor umstrittene 
Frage, ob alle oder welche holländischen 
Genre- und Stillebendarstellungen als Sinn- 
bilder zu deuten sind. Selbst die mit zahl- 
reichen zeitgenössischen Quellen zu belegende 
Auffassung, nach der welke Blätter, Insekten 
usw. Blumenstilleben eindeutig zur Vanitas 
stempeln, wird gerne als Überinterpretation 
angesehen. Und dennoch sind Blumen, auch 
wenn sie in ihrer schönsten Pracht dargestellt 
werden, neben den verschiedensten Bedeu- 
tungen, die ihnen anhaften, letzten Endes 
immct Sinnbild für alles Vergängliche. Das 
Gedicht des Ausonius auf die Rose gilt für 
alle Blumen: Una dies aperit, coniicit una 
dies. Solche Gedanken waren den großen 
Blumenmalern gegenwärtig. 
interessant ist, daß in weiten Kreisen der 
holländischen Bevölkerung, zumal in den 
protestantischen Provinzen, wo auch heute 
noch zahlreiche kleine und kleinste religiöse 
Gemeinden blühen, eine vom Kalvinismus ge- 
prägte Geisteshaltung weiterlebt, die sich 
kaum von den Ansichten des 17. Jahrhunderts 
unterscheidet. Hier Enden wir in den Woh- 
nungen die Reproduktionen der Bilder Steens, 
Ostades, Brouwers usw. Auch heute erklärt 
die Mutter den Kindern diese Bilder, und mit 
Staunen hören wir, daß sich diese Erklärun- 
gen in nichts von den spitztindigen Aus- 
legungen der gelehrten Vorfahren unterschei- 
den. Diese unwissenschaftliche Quelle fort-
	        

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