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Volltext: Alte und Moderne Kunst IX (1964 / Heft 74)

Vergleich dazu wurde die so nützliche Pflanze 
bei uns verhältnismäßig spät bekannt, was 
jedoch weniger Clusius' Verwunderung er- 
regte als die Tatsache, daß der berühmte 
botanische Garten in Padua nicht ein Exemplar 
davon besaß, bevor nicht er i aus Frankfurt W 
Knollen dorthin sandte. 
Bald nach dem Tode Clusius' ließen der 
BOjährige Krieg und die Türkennot die kul- 
turellen Interessen in der Monarchie in den 
Ilintergrund treten. Während des ganzen 
17. Jahrhunderts gab es in Österreich keine 
wichtigen Iiireignisse oder Veröffentlichungen 
auf IJUIGHISCIICTD Gebiet. Hier blieb Holland 
allein maßgebend. Erst 1718 unternahm es 
Prinz Engen, der ein nach den XXVerIcen von 
(Ilusitts geordnetes und bestimmtes Ilerbar 
der österreichischen PHanzen besaß, die Bo- 
tanik auch in Wien wieder zu hohem Niveau 
zu erheben. 1m Park seines Sommerschlosses 
Bclvedere ließ er eine Sammlung „kostbarer 
und rarer Gewächse" anlegen, die zu jener 
Zeit an Reichhaltigkeit ihresgleichen suchte. 
Naturwissenschaftlichen Liebhabereien eben- 
 
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falls zugetan, beschloß Kairer Franz I. 1750 
die Errichtung eines botanischen Gartens in 
Schönbrunn. Die Ausführung dieses Planes 
überließ er dem auf Anraten des Leibarztes 
der Kaiserin, (Ierlmrd zum Äiilielen, nach Wien 
berufenen holländischen Ilortologen Adrian 
zum Xlekborezz (1705 1782) und dessen aus 
Delft stammenden Gehilfen Rirlmrd um der 
Krimi, die sich der ihnen gestellten Aufgabe 
zur allerhöchsten Zufriedenheit entledigten. 
1753 pflanzten sie in Schönbrunn als erste 
exotische Attraktion eine „Palme mit Ver- 
gangenheit". Prinz Wilhelm III. von Oranien, 
nachmaliger König von England, hatte sie 
1684 m damals auf 30 Jahre geschätzt aus 
Indien erhalten. 1702 war sie an König 
Friedrich I. von Preußen gekommen, und 
von dessen Nachfolger Friedrich Wilhelm 
hatte Stekhoven die sogenannte „Oranjepalnf 
1739 erworben, um sie schließlich nach Wien 
mitzubringen. Es handelte sich (nach jacquin) 
um eine Schirm- oder Talipotpalme (Cogpbtl 
lmzbranrlfera L.). Die (Ioryphaarten blühen 
reichlich, aber nur einmal. Gleich einem 
Riesenkandelabcr erhebt sich der Blütenstand 
über die Blätterkrone, doch das Blühen be- 
deutet ihren Tod. Als daher 1765 Stekhoveii 
die inzwischen über lüüiährige „Maria-There- 
sia-Palme" W unter diesem Namen ging sie 
in die Geschichte des Schönbrunner Gartens 
ein - zum Blühen brachte, nahm auch ihre 
Pracht ein Ende. 
ln Europa Tropengewächse zu kultivieren, 
gelang seit dem Ende des 17. ]ahrhunderts, 
doch nahmen die meisten dieser Art erst aus 
holländischen Muttcrgärten ihren Weg über 
den Kontinent, weshalb Richard van der Schot 
1754 zum Ankauf seltener Pflanzen in seine 
Heimat gesandt wurde. 
Seit dem Entstehen des „holländischen" Gar- 
tens verbrachte ein junger Medizinstudent 
seine ganze Freizeit in Schönbrunn: Nimlan: 
j. jarquirz, der 1752 einer Einladung van 
Swietens, den enge Freundschaft mit seiner 
Familie verband, zur Fortsetzung seiner in 
Leiden begonnenen Studien nach XVien gefolgt 
war. Jacquins schon damals große Kenntnisse 
in der Botanik, die ihm Theodor Gronovius, 
der erste Schüler Linnös, vermittelt hatte, 
befähigten ihn, den unbestimmten Gexvächsen 
dieses Gartens die richtigen Namen zu geben 
und ein Verzeichnis der Schönbrunner Pflanzen 
nach dem Linne"schen, damals in Österreich 
noch kaum bekannten System zu verfassen. 
., rrßllßvnfrlyvlli-l am".- 
t, NlfUlüllS J. Jnfqlllll. snt-it von jakolv Adam (1784) iiaclx 
ciliclii Gemälde voii ]oscf Kiciirziiigcr. Ilas aiifgesrlilagciie 
llilClI miin im Vordergiiilld at-titn Hlf Jticqlliiis Werk 
iiber die amerikanischer! (iUHÄCIHU iun. Die dargestellte 
Ptlaim- ist ulric jactluinia 
7 'l'lzelbl.itt zu den Abbildungen der I. Ausgabe der "Qelcc- 
tatutn kilrplulh Amen ntni linuitia" 
x Von lnqttitt selbst liuctt- lxnttt-llttttt; tlt-t auf Kuba 
Xurkuiitilliiltitli giftigen Ccrbvia TIILTUHJ (Srliellcnbaxuii). 
Tafel 34 der LAilszabe der "icleciariim srirpiilni Ameri- 
tzuiat-titti bisroria" 
0 IJCQHIXIIJ armillariv (armballilfririlllgt"). im mit" Curacao und 
hhrhmqur wachsende. elegante hohe l itnnheti utirde von 
den Eingeborenen „um {i bracclws" _ tnntn. Tafel so der 
2., Hllr h!!! gemalten Ablillilllillyrlllvrrxchrliltn Ausgabe der 
 Iecrartim srirpiilm Alrlcrithirhlrlllii Iiimiria" 
ill (aiiipanula gmuilntit-a. Dt-n samt-lt l11L"wL'l' (ilockcnbliime 
braillrt Ignar von Boni aus si t-int inkl der Tartarci nach 
Wien. Taft 2 aus dem fLljaiiiI du "Hhrilli botanicus 
Viiiiliibtiiicii . 
11 Laiitbchaft iif den WAIKUHdIVJllCH InxuIli mit Palmen. 
ÜHILIHCXIPHJHZC (links) und Drrkllülllidlllil (TCEIIIS). Kopf- 
ttgnt-ttr- aus der 1. Ausgabe" LICF "Srlectziriim siirpiiim 
Aincricaiiariiin hlsloria" 
 
 
  
 
 
 
 
ANMl-JÄKUNG 4 
4 Die jacquiiiia ist eine Holrpllaiizc lllll Icdcrarilgcii Blauem. 
flllifzfilillgeii IJliireii und ÄKIJHIIiIIIkIHCII. 19493 der Familie der 
inuiazt-t-it (Ordnung dtr rnnntiittt-ti) ntgt- rhnet. uiirde 
1901 nach Bcarbvliiliig dieser iliirlh 1'. Nlcz zii den 
'l IIPUPIHJSKIIZPCXI iiburstcllt. 
  

	        

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