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Volltext: Alte und Moderne Kunst IX (1964 / Heft 74)

)adurch wurde der Kaiser auf ihn aufmerk- 
am und bestimmte ihn zum Leiter einer 
Expedition nach Westindien, die den Zweck 
atte, die kaiserlichen Sammlungen um lebende 
topische Pflanzen und Tiere sowie Muscheln, 
Korallen, Versteinerungen, Edelsteine und 
Äünzen zu bereichern. Bezüglich der Pflanzen 
nd Tiere galten folgende Einschränkungen: 
Laubtiere und Papageien waren nicht er- 
rünscht und von den Pflanzen nur solche 
1it genießbarer Frucht oder wohlriechenden 
shönen Blüten. Diese Forderung, als im 
Viderspruch zur Wissenschaft stehend, miß- 
chtete Jacquin und hielt sich auch was die 
'iere betraf nicht genau an seine Instruktion, 
ldem er einen zahmen „Löwentiger" (Puma) 
1it nach Wien brachte. 
n der Einleitung zu seinem Werk iiber 
chönbrunns seltene Pflanzen gibt jacquin 
ine kurze Schilderung seiner Reise, zu der 
r sich am 7. jänner 1755 in Livorno ein- 
zl-dffte. Während seines dreijährigen Auf- 
nthaltes in Übersee durchforschte Jacquin die 
nseln Martinique, Grenade, St. Vincent, 
Schots anvertraut hatte, war so reich an 
tropischen Bäumen und Sträuchern und kam 
so glücklich und unversehrt übers Meer, daß 
Jacquin meinte: „Schwerlich hat ein ähnlicher 
botanischer Transport je vorher statt gehabt, 
oder wird in Zukunft zustande kommen." 
Die Gesamtausbeute der Expedition war groß, 
ja geradezu aufsehenerregend, denn unter den 
mitgebrachten lebenden Pflanzen und Same- 
reien befanden sich ganz seltene, teils noch 
unbekannte Gewächse, die zum ersten Male 
nach Europa kamen. Von tropischen Nutz- 
gewachsen erhielt Schönbrunn die ersten 
lebenden Pflanzen von Zuckerrohr, Zimr-, 
Kakao- und Brotfruchtbäumen, Mangostanen 
usw.; von Zierpflanzen zahlreiche Zwiebel- 
gewächse, Bromeliazeen, Kakteen und flei- 
schige Euphorbien; außerdem viele Medizinal- 
und Giftpflanzen, darunter lebende Exemplare 
des auf den Antillen heimischen Mancinell- 
baumes (Hippomane Mancinella L.), dessen 
scharfer Milchsaft ein heftig wirkendes Gift 
darstellt. Diese Pflanzenschätze überließ Jac- 
quin der kundigen Pflege Stekhovens und van 
14. November (1759) erhalten und stand 
sprachlos vor der beispiellosen Fülle der neuen 
Gattungen. Oh, daß ich acht Tage bei Dir 
verbringen könnte, um Deine Reichtümer zu 
sehen." i „Anfangs hatte ich gedacht, einige 
Deiner Pflanzen zu kennen, nun sehe ich ein, 
daß ich keine einzige kenne." liine dieser neuen 
Pflanzengattungen der Tropcnzone benannte 
Linne nach ihrem Entdecker „jnrquinirWk 
Jacquin hatte während seines Studiums auch 
die k. k. Zeichenakademie in Wien besucht, 
ein Umstand, der ihm auf der VUestindienfahrt 
zugute kam. Nachdem sein mühevoll an- 
gelegtes Herbar der Zerstörung durch Ameisen 
zum Opfer gefallen war, konnte er die ihm 
neuen und merkwürdigen Pflanzen an Ort und 
Stelle selbst zeichnen. Er führte diese ein- 
fachen, aber charakteristischen Blätter künst- 
lerisch aus und schuf damit die Grundlage zu 
seinem Werk über die (süd)amerikanischen 
Pflanzen, „Xelerlarum rlirpiuru xdlilßfifüllrlflllll 
birtoria", das 1763 mit 183 Abbildungen er- 
schien und ihn mit einem Schlage zum Botani- 
ker von Weltruf machte. 
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t. Domingo, St. Eustach, St. hiartin, (iuade- 
mpe, St. Christoph, St. Bartholomae, Aruba, 
an-iaica und Curacao, dann die Provinz 
lenezuela und das Gebiet von Cartagena. „Von 
tugust 1757 bis in die Hälfte des jahres 1758 
onnte ich wenig leisten, weil ich vier Monate 
ehr an der Dysentcrie litt, von der ich erst in 
amaica genas. Auch wurde ich in dem Kriege, 
er zwischen England und Frankreich aus- 
ebrochen war, auf dem Meere gefangen, und 
iußte wider Willen die Inseln Monserrat, so 
wie das wüste Gonave besuchen." In der Zeit 
on August 1755 bis Jänner 1759 sandte 
acquin 7 große Pdanzentranstaorte, wovon 
r den letzten, zu dem auch gefangene Tiere 
ehörten, selbst begleitete, nach XYien. Der 
weite, den er der Obhut Richard van der 
 
I: 
der Schots, während er selbst sich mit der 
wissenschaftlichen Auswertung des umfang- 
reichen auf den Wcstindischen Inseln ge- 
sammelten Materials befaßte. Ausführliche, 
eigenhändig illustrierte Berichte darüber sandte 
er seinem verehrten Vorbild und Freund Karl 
ran Lirmä. Einige Sätze aus Antwortbriefen 
des schwedischen Gelehrten lassen erkennen, 
welchen Wert er Jacquins Leistungen in den 
amerikanischen Tropen beimaß und welch 
hohe Anerkennung er seinem jungen Kollegen 
zollte: „So viele der schönsten, vortrefflich 
gezeichneten PHanzen, so viele neue aus- 
gezeichnete Gattungen erfüllen mich mit 
höchster Bewunderung für Dich." e „An 
Jacquin, den hervorragendsten Naturforscher. 
Heute habe ich Deine Nachrichten vom 
 
In 
1763 wurde Jacquin zum Bergrat und Professor 
der Chemie und Mineralogie an der Akademie 
zu Schernnitz in Ungarn ernannt. Fünf Jahre 
später erhielt er die Professur der Botanik und 
Chemie an der Wiener Universität, welches 
Amt er bis 1797 4 ab 1791 mit Unterstützung 
seines Sohnes ]0replJ Franz jarquin (1766 bis 
1839) - versah. ln der ersten Zeit seiner 
Hochschultiitigkeit in Wien verwandte Jacquin 
besondere Sorgfalt auf die Hebung des bis 
dahin bedeutungslosen botanischen Schul- 
gartens am Rennweg, welchen er bald zu 
einem der vorzüglichsten in Europa zu machen 
verstand. Diesem ,.Horllr.r lmlaßziru: l'indu- 
bonmxir", dessen wertvolle Pilanzenbestände 
er in 3 Großfoliohänden mit 300 kolorierten 
Kupfertafeln beschrieb, widmete jacquin sein 
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