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Volltext: Alte und Moderne Kunst IX (1964 / Heft 74)

 
7 Gvsluv Kliml, Paar, 1906IO7. Rolslill 
zcichnung. Im Beiilz Dr. R. Leopold, Wie: 
iner Malerei der Jahre bis191O 
weitaus von der kraftvollen 
chkeit Gustav Klimts geprägt. 
to Wagner war auch Klimt in 
ierkömmlichen Kunstausübung 
um schließlich zum Zeichen- 
les Neuartigen zu werden. Die 
lung verlief klar von einem zum 
i. Die Lichtromantik des ..Schu- 
m 1899 führte die ldeenmalerei 
versitütsbilder herauf. Das Jahr 
ir die Schwelle in die neue Art. 
och stimmungsvoll verhangenen 
aften der ersten Jahre des Jahr- 
s wurden die meisten Mittel 
chfolgenden Malerei vorweg 
ert: das richtungslose Quadrat- 
der prätentiöse Ausschnitt, das 
Gegenüber. die große ornamen- 
irdnung. 
10m Impressionismus merklich 
inde Art schuf sich eine andere 
1ls die natürliche. Das Unwill- 
i des Eindrucks wird ins Be- 
und Absichtige gelenkt. das 
erichtet und verformt: Das Bild 
Gefüge bestimmtester Relationen 
"II die nervöse, spätzeitliche 
ilichkeit äußert sich ins dekora- 
1ZiP. Vorerst war es eine nicht 
iigentlich atmosphärische. ver- 
'e Farbigkeit, in die die Bilder 
i. Die parallelen Schraffen der 
ien Zeichnungen entsprechen 
nlich gemeinten Strähnen und 
urigen der Malerei. 
ikandalisierte Universitätsbilder 
ein Verändern deutlich. das in 
:iter und weiter fortschreitende 
gung und Hierarchisierung 
Für die "Philosophie" von 1900 
wach ein Stimmurigsraum nebel- 
Ballungen und Bildungen vor- 
1. Das letzte Bild der Reihe. die 
udenz" (1903), nahm in der 
en. genau ründernden Aus- 
führung den gegenständlichen Hin- 
weisen das zuvor Diffuse. Dieses ganz 
und gar andere Durchbilden läßt er- 
messen, was Klimt dem Jugendstil im 
allgemeinen und dem secessianistischen 
Ornament im besonderen verdankte. 
Der kühn erfundene Umrif}. eine solche 
Linienkalligraphie. das Spiel gebunde- 
ner Gebärden und eine versinnbild- 
lichende Farbgebung sind im Beethoven- 
Fries des Jahres 1902 anzutreffen wie 
in den Entwürfen für das Wandmosaik 
im Speisesaal des Stoclet-Palais. Das 
..Malmosaik". diese so zutreffende Be- 
zeichnung Ludwig Hevesis für Klimts 
Bildnerei dieser Zeit. war geschaffen; 
das divisionistische Gesträhne und Ge- 
sprengel hatte der musivischen Setzung 
Platz gemacht. Der nämliche, bindende 
und arnamentale Grundsatz bestimmte 
auch das allegorische Tafelbild dieser 
Zeit. Zu einem Extrem im Statuarisch- 
Endgültigen. Formalisierten, war aber 
die Bildnis-Malerei gediehen. Zumal 
das in der ornamentalen Verbrämung 
erstarrte erste Bildnis Bloch-Bauer ent- 
rückt das Abbild zum Inbegriff, zur 
Porträt-Ikone. die sich der überreichen 
Vergaldung und des Kontrastes reali- 
stisch und dekorativ durchgeführter 
Teile zu besonderer Spannung und 
Würze bedient. 
Damals, 1907, war Klimts Malerei in 
eine Phase gekommen. in der sie sich 
vollends erfüllte: „komplizierte Kunst 
einer komplizierten Zeit" (Hevesi), ganz 
sinnlich (in einem epikureischen. aus- 
kastenden, die ,.Elemente des Augen- 
schönen" schmeckenden Sinn). und 
ganz geistig zugleich (luzide, enthusia- 
stisch. sauverän). Klimt, dieser Kultur- 
maler. den die Überkultur der Zeit 
nicht denaturierte, ist auch bei der 
Methode des Malmosaiks nicht ge- 
blieben. 
Dem Maler Klimt steht der Zeichner 
Klimt mindestens ebenbürtig zur Seite. 
Anders als in den so endgültigen Bildern 
dieser Zeit bewahrte sich die Zeich- 
nung erstaunliche Unmittelbarkeit. Das 
Riesenwerk von Tausenden solcher 
Studien, Vorausentwürfe und flüchti- 
ger Notierungen ist Klimts persänlichste 
Handschrift, dem das Rafhnement im Bei- 
läufigen durchaus erhalten ist. Zugleich 
aber war dieses Zeichnen. in dem alles 
seine frische Plätzlichkeit hat. ein 
spielerisches Erfassen dessen. was ist. 
angeregter Realismus auch im Suiet: 
wirklichkeitsbedachte, in der Vielfalt 
des Möglichen schwärmende Beschrei- 
bung des Weiblichen; war dieses Zeich- 
nen bildnerischer Behelf und Erfüllung 
in einem, gemeisterte Kunst „des weni- 
gen, das viel ist" und Brücke ins Größere 
und Größte hinaus. 
1902 ist das Selbstbildnis Richard Gerstls 
entstanden, die früheste unter den zahl- 
reichen erhaltenen Selbsldarstellungen 
dieses Malers, der 1908, fünfundzwanzig 
Jahre alt, in den Freitod ging. Das Bild 
ist die Arbeit eines Neunzehnjührigen. 
Der magere Knabenkörper, halbnackt 
und in direktem En-face, ist vor einen 
sonderbar blauen Hintergrund gestellt 
und in verhalten strahlender Helle 
mitgeteilt. Das Bild beweist es. wie 
gründlich Gerstl schon damals mit dem 
zeitgenössischen Akademismus gebra- 
chen hatte. als er sich noch seiner Mal- 
technik bediente. Nachdem Gerstl da 
und dort entsprechendere Anregung 
gesucht hat, ist er sehr bald zum Eigent- 
lichen seiner Malerei vorangekommen. 
noch früh genug, um in hastigem Voll- 
bringen sein Persönlichstes auszuführen 
und zu hinterlassen: nach einigen Ver- 
suchen in pointillistischerFleckenmalerei 
gelangte Gerstl zuletzt zu einem frei- 
zügigen Vollbringen. das in der Malerei 
dieser Zeit kaum seinesgleichen hat. 
Wie kein anderer Wiener Maler seiner 
Zeit wurde Gerstl mißverstanden: man 
hat ihn nacheinander als Van Gogh- 
Nachfolger, als Chaotiker und als ge- 
scheitertes Talent ausgegeben. Wie hart- 
nückig sich sein Werk im Gespräch 
hält und wie sehr seine Bilder gerade 
in letzter Zeit beachtet werden, be- 
stätigt. daß dieser bildnerische Einsatz 
mehr war als die wenigen Kostproben 
einer exaltierten Begabung, die am 
eigenen Unmaß zerbrochen ist. 
Biographische Umstände und die Kennt- 
nis des bruchstückhaft überkommenen 
Werkes bekunden, wie bewußt Gerstl 
an der Arbeit gewesen ist. Er gehörte 
zu den wenigen. die damals die Be- 
deutung Munchs erkannten. Gerstl war 
aber auch mit Arnold Schönberg und 
Alexander van Zernlinsky befreundet. 
als deren Musik nach allgemein ab- 
gelehnt und angefeindet wurde. Die 
Möglichkeit. seine Malereien zugleich 
mit Arbeiten Klimts auszustellen, schlug 
er aus. Ist diese trotzige Opposition 
aus dem Unbedingten dieses radikalen 
Maler-Temperaments zu verstehen. so 
war aber doch auch das Wesen seiner 
riskanten. instinktgeleiteten Malweise 
ein zu schroffes Gegenteil der gegore- 
nen. ausgewogenen und bedachten 
Bildnerei, der Klimt in diesen Jahren 
anhing. 
Die von Gerstl in den letzten beiden 
Jahren seines so kurzen Lebens ge- 
schaffenen Bilder waren spontane Mal- 
ereignisse. in beabsichtigter Skizzen- 
haftigkeit bewerkstelligt: in einem frei- 
zügigen Ausführen, das die Einzelheiten 
außer acht läßt und sich im Treffen 
der wesentlichen Farbenzusammen- 
hänge erfüllt. Wie sich Gerstl an seine 
Malerei verausgabt hat und dabei bis 
an die Grenzen des gerade noch 
Gegenständlichen vorgesloßen ist. 
lassen die Bilder aus dem Sommer 1908 
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