MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst IX (1964 / Heft 74)

erleben: kleinformatige Seelandschaf- 
ten und die damals entstandenen 
Figurendarstellungen. Vor allem in der 
Schönberg-Gruppe ist die Bildfläche 
mit pastos aufgequetschter. zügig auf- 
getragener Farbe bedeckt; dem Malakt 
ist ein Möglichstes an lntensitüt der An- 
schauung und Mitbeteiligung abver- 
langt. Hinter dem scheinbar Entwurf- 
haften dieser Bildform steht jedoch die 
entschlossene Absicht ihres Urhebers. 
sich tl'l eben dieser Weise auszusagen. 
steht das dringliche Verlangen, sich zu 
vehemenler Selbstverwirklichung in ein 
solches Diktat des lebendigen Lebens 
zu begeben. 
Gerstl, der den Umgang mit Malern 
mied. erteilte Arnold Schönberg Mal- 
unterricht. Der Maler Schönberg traf 
vor allem mit seinen "Visionen". diesen 
imaginären Konterfeien absonderlicher 
Eingebung, etwa in die Richtung Gerstls. 
Beide Male ist es die ähnliche, eine 
animistische, erlebte und erlittene Far- 
bigkeit, von der aus sich das Gemeint- 
sein der Bilder aufschließt. Doch gibt 
es entscheidende Merkmale. die die 
Malerei Gerstls vom so halluzinativen 
Expressionismus Schönbergs unterschei- 
den. Gerstl hat bis in sein letztes impe- 
tuoses Ausführen hinein Lichtphöno- 
mene bildnerisch wahrgenommen. 
Gerstls lntensivmalerei ist keine eigent- 
liche Seelenschilderung in der Weise 
der aufkommenden Ausdruckskunst: 
sondern eine bestürzende. eine in- 
brünstige Lichtmalerei, die - sehr im 
Sinn des Impressionismus das Litera- 
risch-lnhaltliche unterlassen hat. das 
dann der Expressionismus so begierig 
und ausdrücklich beanspruchte. 
Aus alledem wird der Gegensatz Gerstl- 
Klimt verständlicher. Gerstls malerische 
Malerei behauptete das Gegenteil der 
aneinanderfügenden Addition kleiner 
Stückformen im Malmosaik: ein auf- 
regend-zügiges, aktualisiertes Bilden 
stand einem statuarischen. formalisier- 
ten entgegen. das Ungestüme dem 
Gleichgewichtigen und in sich Maßgeb- 
lichen. 
Wie Klimt seine Malerei nach 1911 in 
bedeutsamer Weise veränderte und 
mehr und mehr die improvisatorischen. 
Gerstl-ähnlichen Zeichnungen als der 
mutmaßlich betrüchtlichere Teil im 
Gesamtwerk anerkannt werden. scheint 
es. als hätte Gerstl mit dem Zeichner 
gegen den Maler Klimt recht behalten. 
1905 hatten sich die Spannungen inner- 
halb der Secession in einem Maß ver- 
schärft, daß die schließliche Aufspaltung 
nicht zu vermeiden war. Während das 
eine Lager unter Josef Engelhart an 
einer etwa impressionistischen Malweise 
festhielt, hatte sich die Klimt-Gruppe in 
stilistischer Neuerung von ihren An- 
fängen des Jahres 1897 weit und weiter 
entfernt. Die von Hermann Bahr schon 
1899 vorausgesagte Secession der ersten. 
echten, wahren Secession aus der in 
Mode gekommenen, uneigentlichen. 
war Tatsache geworden. 
Mit Gustav Klimt verließen Hoffmann. 
Moll, Moser. Roller und Wagner die 
Richard Gen 
Gmunden. on 
Egon Schiele. 
nung. In Priv. 
Egon Schiele. 
Aqunrel}. Alb 
Egon Schjeln 
OllLwd. (m: 
m bei 
Leopold 
v. Zeich- 
lch links. 

	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.