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Volltext: Alte und Moderne Kunst IX (1964 / Heft 74)

gung", der mit ihnen ihre 
vichtigsten Persönlichkeiten ver- 
gen. Klimt und sein Anhang 
l sich alsbald in der Galerie 
ein. Carl Moll entfaltete dort 
Dorotheergasse rege Aktivität. 
ngen Gauguins. Van Goghs und 
aren seiner Initiative zu danken. 
dachte Schuchs und Romakos 
te neue Arbeiten Klimts vor. - 
i weitesten Rahmen. der Kunst- 
und angewandte Graphik 
iloß, gab die Kunstschau des 
908, was die Wiener Moderne 
i hatte. Auf dieser zusammen- 
1 Repräsentation der wirken- 
zifte war 7 zusammen mit 
Bildern der letzten Jahre e 
iemälde „Der Kuß" erstmals 
lt, der abschließende Schritt 
äoldgrund-Welt dieser so sehr 
lnden Zwang geratenen Phase 
alerei. Der wichtige Einschnitt, 
nach diesem Bild durch das 
limts verläuft, wird oft über- 
Iwar blieben das Geordnete, 
olle und Gleichgewichtige; 
n Neues, ein Befreiendes, 
tamals mächtig ein. Die auch 
Aalerei wiederaufgenommene 
ach der Natur erschlof] sich 
e Weise den lebendigen Reiz 
ndigen Form. Eine vergleichs- 
imittelbarkeit beschränkte das 
itale im Bildnis zunächst auf 
Vorliebe japanisierenden Hin- 
und den Verlauf der noch 
lleßend-formenden Konturen. 
Die Darstellung wurde einer zeich- 
nenden Pinselführung übertragen. Un- 
getrübte, manchmal geradezu frene- 
tische Farbenklänge herrschen vor. 
Die Befreiung aus dem ornamenten- 
starrenden Pomp des Malmosaiks ließ 
auch die ldeen- und Allegarienmalerei 
Gustav Klimts zu einem freizügigeren 
Spiel der Muster und Formen kommen. 
Gerade diese Bildkompositionen be- 
stärkten namentlich Schiele sehr auf 
seinem Weg. Da wie dort ist es das 
Übertriebene in Anlage und Gebärde. 
sind es ungewöhnliche Drehungen und 
Verrenktheiten. die zu verschärttem 
Ausdruck genützt worden sind. 
Aber auch die trotzdem gegebene Ver- 
schiedenheit ist aufschlußreich: die er- 
klärte ldealitüt dieser Bildentwürfe 
Klimts wurde ein Durchdringen und 
Deuten morbider Scheinbarkeit. Dem 
positiven. ja souveränen Lebensgefühl 
Klimts steht die bekundete Aus- 
drucksnot seiner Nachfolge entgegen; 
dem angeregten. kontaktesicheren, aus 
sich heraus schönen Ausführen der 
leidvolle Drang nach Selbstverwirk- 
lichung, ein intuitives Erspüren und 
Herausstellen innerster Antriebe. Oder 
wie es Gütersloh gesagt hat: .,Die 
Künstler begannen, apakolyptisch zu 
reden." 
Kokoschkas „Traumtragende" waren 
die vielbelachte Sensation der Kunst- 
schau von 1908. Diese Entwürfe und 
die Bebilderung der „Träumenden 
Knaben" (Buchausgabe 1908) erstellten 
aus wenigen mitteilsamen Hinweisen 
einen seltsam-besonderen Erlebensraum. 
Schon diese ersten Versuche meinten 
ein Geistiges: einen wirkenden Zu- 
sammenhang. der sich in Sinnbildern 
aussagt. 
Die Menschendarstellungen der Jahre 
bis 1910 unternahmen einen anderen, 
nächsten Vorstoß ins Ausdruckhafte. 
Kokoschkas Bildnerei dieser ersten 
Zeit. ungewöhnliches Beispiel medialer 
Einfühlung, ist im Sinn des Wortes 
,.Erguß der Seele in die Gesichte". 
Dieses Porträtieren, Aus-sich-Heraus- 
stellen und abwehrendes Bannen zu- 
gleich, war ein „Strömenlassen und 
Gesichtesein", ein seismographisches 
Ausführen, das es erwirkte, daB sich 
die Dinge in ihrer aufregenden Ein- 
maligkeit „von selber eingestehen". 
Kokoschkas Entwicklung in diesen Jah- 
ren war lebhaft. Nach und nach er- 
probte er die Möglichkeit seiner reichen 
Anlage. Den so pointierten Bildnissen 
der Jahre 1909110 folgte schließlich, am 
Ende seiner Wiener Jahre, das barock- 
lebhafte Kraftstück der "Windsbraut", 
dieses so sehr persönliche und doch 
überhöhte Dokument der Begegnung 
mit Alma Mahler. Von der Malerei 
seiner Anfänge hat sich Kokoschka 
damals, 1914, schon beträchtlich ent- 
fernt. 
Löngerals Kokoschka blieb Egon Schiele 
dem Vorbild Klimts verhaftet. Noch 
1909 war Schieles Malerei durchaus im 
spät-secessionistischen Geschmack ge- 
halten, um erst 1910 ihre scharfe Ent- 
schiedenheit zu finden: ein Ausführen, 
das die Darstellung penetrant und 
bedrohlich aussetzt, die Farbe denatu- 
riert, die Konturen auszacken läßt und 
in Ausdruck und Pose eine äußerste 
Intensität aufsucht. Bildnisse entstanden. 
die nach den Worten Güterslohs 
,.Stellungen einer ihnen eigentümlichen 
Willkür einnehmen", weil ..ihr Inneres 
anfängt, nach außen zu steigen". 
Die Wandlungen, die Schiele durch- 
gemacht hat, sind zuvor an den Zeich- 
nungen und Aquarellen zu ersehen. 
Emotionelles bestimmt auch die male- 
rischen, vergleichsweise verfließenden 
Blätter der Jahre 1911l1Z. Aus diesen - 
nach den zuvor grellen Zusammen- 
klängen 7 eher fahlen Farbstimmun- 
gen erstand allmählich die linear bin- 
dende. elastische Spannungen schaffende 
Beschreibung, die um 1914 ein Mali 
an Konstruktion erreichte, die sie in 
die Nachbarschaft zu ähnlichen Lösun- 
gen aus dem frühen Kubismus rückt. 
Das stupende Schneiden, Verspreizen 
und Umklammern mit kühn geübten 
Strichen, erpicht auf die Möglichkeiten 
solchen umkreisenden. tastenden. Kon- 
traste schaffenden Vollbringens, verblieb 
aber bei noch so formalem Bestimmen 
auf Schieles bezeichnende Gebärden- 
sprache und Motiverfahrung ange- 
wandl. 
Lag die bildnerische Tat Richard Gerstls 
darin, daB er die emotionellen Werte 
der Farbe und der malerischen Form 
bis zum Äußersten ausführte, bis an 
die Grenze zum Abstraktiven hin. 
 
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