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Volltext: Alte und Moderne Kunst IX (1964 / Heft 75)

 
BRUNO THOMAS 
Ergbergog Karl II. von Xieierlßzark als ilflägezz der Wuffenxrlazzziedekuvzst 
 
Waffen anzufertigen, die Kunstwerke sind, ist 
in Europas Mittelalter und Neuzeit das Vor- 
recht begnadeter Meister, die vom Handwerk 
zur Künstlerschaft aufsteigen. 
Waffen zu bestellen und zu besitzen, die man 
als Werke der Kunstfertigkeit, als Äußerungen 
freier Schöpferkraft bezeichnen kann, ist 
das Vorrecht von feinfühlig veranlagten Ken- 
nern aus den höchsten Kreisen, deren Mittel 
es ihnen erlauben, zu Mäzenen der Waffen- 
schrniedekunst zu werden. 
Harnische wurden von Plattnern geschlagen, 
die kunstgewerbliche Spezialisten aller Art 
zur Verzierung ihrer Stahlplastiken um sich 
Scharten: Maler, Ätzer, (iraveure, Gießer, 
Vergoldet, Tauschierer, Treibarbeiter, Gold- 
schmiede. Schwerter und Dolche, Degen und 
Säbel, Hirschfänger und Jagdmesser beschäf- 
tigten Klingenschmiede, Schwertfeger, Eisen- 
schneider, Giirtler und wiederum Kunst- 
handwerker aller Richtungen. Festliche Stan- 
genwaffen, das sind Spieße und Kusen, Helm- 
barten und Partisanen, wurden kunstvoll ge- 
schmiedet und geätzt. Armbrust und zu- 
gehörige Winde gaben dem Armbruster und 
dem Werkzeugschmied Arbeit. Die Hand- 
feuerwaffe, d. h. Gewehr und Pistole, ist das 
höchst komplizierte Gemeinschaftswerk von 
Laufschrnied, Schloßschmied und Schäfter. 
Nur ganz selten werden alle nötigen Schaffens- 
vorgänge von einer einzigen Persönlichkeit 
ausgeführt. Meist sind drei, vier, fünf, sechs 
Meister an einer FeuerwaHe beteiligt. Ihre 
Eisenteile sind kunstvoll im Relief geschnitten, 
ziscliert, platiert und graviert, gebläut, ver- 
goldet. Das llolz ist geheizt, geschnitzt, ein- 
gelegt mit Silber und Elfenbein, mit Bein 
und Perlmutter. 
S0 geht der Herrscher und Feldherr nicht nur 
ins Feld und ins Gefecht. So präsentiert sich 
der Fürst, umgeben von seinen Angehörigen, 
seinen Würdenträgern und Gästen, seinen 
Knappen und (iarden vor den Damen auf 
dem Balkon und vor dem Volk, das er be- 
eindrucken will - so zeigt er sich im Turnier, 
auf dem Schießstand, so reitet und jagt er. 
So erscheint er zur Hochzeit, zum Reichstag, 
zum politischen Treffen, zur Parade, zum 
festlichen Einzug, der „jnyeuse entree", wobei 
sein Pferd genau so aufwendig geschmückt 
und angetan war wie er selbst. 
Die Fachliteratur kennt und nennt die großen 
Elegants ihrer Zeit, die Vorbilder im Tragen 
der erlesensten Harnische, die großen Reiter 
und Fechter, Turnierritter und Jäger und 
Schützen. Van weiß sehr wohl, daß Kaiser 
Maximilian J., genannt der Letzte Ritter, 
einen unerhörten Reichtum schöner Waffen 
aller Art von deutscher und italienischer 
Herkunft, von gotischem wie von Renaissance- 
Stilcharakter hinterlassen hat. Niemand wett- 
eiferte so sehr, es ihm gleichzutun, wie sein 
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