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Volltext: Alte und Moderne Kunst IX (1964 / Heft 75)

und durch seine magistrale (iliedcrungskunst 
in den alten Raumgrenzen ein vollkommen 
neues Raumgebilde eingespannt. Auch an 
der Stiftskirche von Altenburg wird Joseph 
Munggenasts überlegene Meisterschaft, durch 
geringe Veränderungen eines alten Bestandes 
völlig persönliche Raurngestaltcn und Raum- 
wirkungen zu formen, mit aller Eindringlich- 
keit olTenbar. Darin folgt er seinem Lehrer 
Prandtauer. 
Die Pläne Joseph Munggenasts für den Umbau 
der Stiftskirche von Herzogenburg sind wohl 
erst gegen das Ende der dreißiger Jahre des 
18. Jahrhunderts entstanden. Sie sind von dem 
Baumeister kaum in größeren Abständen ge- 
zeichnet worden, es sei denn, daß der vierte 
und fünfte Grundriß in ihrer zeitlichen Ent- 
stehung von den ersten drei Plänen etwas 
abrücken. Munggenast starb arn 3. Mai 1741 
in St. Pölten. Sein Sohn Franz übernahm die 
Aufgabe, den Stiftsbau mit der Errichtung 
einer neuen Kirche abzuschließen. 
Das Stiftsarchiv verwahrt auch von Franz 
Munggenast fünf Pläne für den Neubau der 
Stiftskirche. Zwei davon sind monogramrniert. 
Sie tragen am Rande die Buchstaben F. M. 
Auf allen fünf Zeichnungen (und nur auf 
ihnen) erscheint ein breiter Maßstab, der es 
erlaubt, auch kleine Maßeinheiten ablesen zu 
können. Von den Blättern Joseph Mung- 
genasts sind sie nicht durch die Zeichen- 
technik, sondern durch kräftigere und leuch- 
tendere Farben der Lavierung abgehoben. 
Drei Entwürfe sind von demselben Format 
wie die Pläne Joseph Munggenasts, etwa 
70:35 cm groß, die beiden anderen, ein Grund- 
riß und ein Querschnitt durch den Kuppel- 
raum, sind eineinhalb und einen Meter lang. 
Der wohl früheste Entwurf Franz Mung- 
genasts, der auch sein Monogramm trägt 
(Stiftsarchiv Nr. 20), hält noch an einer lang- 
hausanlage fest, ja er verstärkt die Langs- 
richtung durch die Fortführung der Langhatis- 
wände nach Osten, so daß das alte Qucrhaus 
völlig ausscheidet. hiunggenast rundet das 
Langhaus im Osten ab und führt es in den 
Mönchschor über, der neuerlich abgerundet 
in den Chorraum mit vier Säulen vor seiner 
Wand übergeht, so daß sich die Raumfolgp 
stufenförmig zum Altarchorabschluß verengt. 
Das Langhaus mit seiner dreiteiligen llaupt- 
raumgruppe erscheint vom Vorjoch, über das 
auf zwei Säulenpaaren die Orgelempore vor- 
gezogen ist, durch die tief in den Raum 
tretenden Pfeiler abgesondert. Der Mittelraum 
mit zwei großen Seitenaltären ist von einer 
Ovalkuppel, die seitlichen Räume sind von 
gestreckten Platzlgexivölben überdeckt. Über 
die Pläne seines Vaters hinaus schließt Franz 
Munggenast sein Raumgebilde einheitlicher 
und flüssiger zusammen. Die Raumkurve, 
vom Vorioch zur Mittelkuppel emporsteigend, 
klingt stufenweise fallend in dem Altarraum 
aus. 
Der zweite Entwurf, der wieder das Mono- 
gramm Franz Munggenasts trägt (Stifts- 
archiv Nr. 48), wendet sich entschieden von 
einer Langhausanlage ab und gibt eine kreuz- 
förmige Kuppelkirche. lhre Gestalt ist von 
der Stiftskirche in Altenburg abhängig und 
weist in ihrer Grundform über diese zurück 
auf die Wiener Peterskirche. Der tiefovale 
Hauptraum ist breiter, die Seitenarme sind 
mächtiger als in Alrenburg. Auch der Chor- 
raum, nicht beeintlußt von gotischen Grund- 
lagen, schließt sich enger an das räumliche 
Zentrum, auf das von Westen her der platzl- 
gewölbte Vorraum führt. Auch der Altar- 
raum erscheint von cinrtn Flztzlgewölb: 
eingedeckt. Vor den alten Term tret:n wuch- 
tige Pfeilervorlagen, mit Doprclsijulen, di: 
mit übereck gestellten Wandvorlagen eine 
bewegte, konkav geschwungene Fassade for- 
mieren. Es erscheint bedauerlich, daß uiit:r 
den Grundrissen sich keine Aufxisse für den 
geplanten Umbau finden. Der dritte Entwurf 
(Stiftsarchiv Nr. 50), der die Gestalt (intr 
kreuzförrnigen Kuppelkirche wieder aufnimmt, 
zeigt den Hauptraum mit einer Kr" kuppcl 
eingedeckt, die von zwei kleineren kreis- 
förmigen Kuppeln in der Längsachs: und 
von Tonnen in den Seitcnarmen gerahmt 
wird. Die Orgelempore des Vorjoches ruht 
auf vier Säulenpaaren, der Altarraum setzt 
sich VOm Nlfänchschor wie auf dem ersten 
Plan 7 stufenförmig ab. Die Mauern sind 
in den Ecken des Achsenkreuzes stark aus- 
gerundet, so daß der Außenumriß der Kirche 
zu einer fließenden Gesamtkurve zusammen- 
geschlossen erscheint, während im Innenraum 
in den Pfeilerstirnen die Ovalkurve des zweiten 
Entwurfes verlassen ist. Die schrägen Vor- 
lagen vor der Westwand des Turmes hat 
Munggenast zu kleinen rahmenden Pfeilern 
mit Doppelsäulen reduziert. Der vierte Plan 
Franz Munggenasts (Stiftsarchiv Nr. 4) gibt 
bereits den Grundriß des ausgeführten Baues. 
Die dreiteilige Hauptraumgruppe mit ganz 
seicht gewordenen Querarmen ist nach Westen 
gerückt, so daß sie nur ein Gang von dem 
Turm trennt. Nach außen sind die Wände 
nicht mehr rund verschlilfen, alle Baukuben 
sind klar betont. Die querovale Kuppel des 
Hauptraumes, die in den anschließenden Lang- 
hausabschnitten von Platzlgewiölben gerahmt 
wird, erscheint mit einer Laterne eingezeichnet. 
Sie, die auch ein Querschnitt zeigt, ist am 
 
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