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Volltext: Alte und Moderne Kunst IX (1964 / Heft 75)

zstaltige Vegetation und die Akzentuie- 
gestalteter Bereiche innerhalb der weiten 
zchaft. 
al gesehen ist der Garten in der Malerei 
rdeutendes kompositionelles Mittel. Zu- 
t ist er raumschaEend, und im Gegensatz 
nendlichen Räumlichkeit der Landschaft 
er einen Bereich, der im Sinne echter 
e durch gebaute Grenzen nach seinen 
l und durch traillierte und gewachsene 
zen auch nach oben abgeschlossen sein 
Der Garten ist ein Raum, an dem wir 
an agierenden Menschen, der Vegetation 
den Tieren bekannt gemacht werden. 
ch wie in der Dichtung hat er dann in 
omposition eine hinfiihrende Funktion, 
l er dem Betrachter als Bildeinleitung 
und zu weiteren Inhalten und zum 
lChCH bringt. Oft wird ein Gartenteil 
unteren Bildrand überschnitten oder 
aupt nur ein Gartenwinkel gegeben, 
dessen Umzäunung oder über die 
:rade einer Terrasse hinweg die Land- 
oder andere weite Bereiche sichtbar 
n. Die Funktion des Gartens ist hier 
h wie die eines Wasserstreifens oder 
I5 im Vordergrund eines Bildes, von 
man den Sprung in eine unendliche 
tut. Dieser vordere Einleitungsteil ist 
präzise gegeben und vermag auch so 
ngegliederten Weite die Illusion räum- 
Tiefe zu erhöhen. Zugleich wird dieser 
re Teil durch detailliertere Zeichnung 
und Lage in die Nähe des Betrachterraumes 
gerückt: der Betrachter bleibt gleichsam mit 
in der vorderen Zone des Bildes, von wo er 
sich mit den dort befindlichen Personen der 
weiten Landschaft zuwendet. 
Reiche und bunte Vegetationsfülle und blu- 
menbewachsene Rasenstücke bestimmen im 
Mittelalter das Bild des Gartens. Blumenliebe 
und Blumenpflege spielen hier eine große 
Rolle. 
1559 werden im Garten eines Augsburger 
Ratsherrn die ersten Tulpen im Abendland 
zum Blühen gebracht, und Kaiser Maximilian 
regt die Patrizier zu besonderen Leistungen 
an. Von 1638 ist die Beschreibung und Ab- 
bildung eines Gärtchens des Ulmer Patriziers 
und Architekten joseph Furtlmharh überliefert. 
Es ist ein kleiner Garten „allso abgeteilt 
worden, daß man darinnen für eine gemeine 
Privatperson die erwünschten Delizien haben 
kann". Furttenbach legt seinen Garten nach 
einer Reise nach Italien an, wo es schon im 
Quattrocento Hofgärtchen gibt, sehr klein, 
hoch ummauert, „eindrucksvoll durch die 
Unwahrscheinlichkeit ihrer Existenz". In der 
Hypnerotomachia Polil-ili finden wir solche 
Gärten mit Statuen, einem Brunnen in der 
Mitte und zahlreichen Blumen, deren Viel- 
Farbigkeit besonders gerühmt wird. „Die Farbe 
war schöner als die des Krystalls, wenn er die 
Sonnenstrahlen bricht, die alle die benache 
barten Töne sich gegenseitig zurückwarfen 
und auf denyolierten Platen mischten," 
Diese Lustgarten bieten einen zweiten Wc 
raum im Freien, der neben seiner gesi 
heitlichen Bedeutung standesgemäßes Zeit 
und Inbegriff der Lebenslust des Renaissa 
menschen mit seiner Freude an Farbenrai 
und Düften ist. Die venezianischen Gä 
sind wegen ihrer seltenen PHanzen und i 
farbigen Blumen aus allen Weltgegenden 
sonders berühmt. 
Der niederländixzhe Garten ist kleinteilig 
zeichnet sich aus durch das Vielerlei und 
grotesken Baumverschnitt. Hier finden 
auch innerhalb der Symmetrie seltsame Gar 
zutaten, wie bunte Scherben, Glaskora 
usw., die noch von Johanna Schopenhz 
bewundert werden. Die Beete sind mit 
deren Buchshecken eingefaßt oder du. 
halbhohe Holzzäune umschlossen, die W 
meist gepHastert. 
Die klare Gliederung der Innenräume iil 
trägt sich auf die Hausgärten. Hier vollz 
sich das Leben wie in Innenräumen. Eingee 
zwischen den schmalbrüstigen Dreifens 
häusern liegen die Gärtchen und gehören 
heute zum Bild der niederländischen St. 
Pieter de I-Iooch, zu dessen besonderer 
Findung Bilder riickwärtiger Höfe und Gäi 
Delfter l-läuser gehören, vermittelt uns int 
Kenntnis niederländischen Bürgerlebens 
17. Jahrhunderts. 
„Über niedrige Zäune sieht man in blühe 
Ziergarten mit einer Fülle bunter Blumen 1 
sauberen" Wegen. Ein „ausgeprägtes Get
	        

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