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Volltext: Alte und Moderne Kunst IX (1964 / Heft 75)

für die Geschlossenheit . . . und für die Schön- 
heit intimer Raumwirkung" drängt sich auf. 
In den gepflasterten „H0fjes" sind kleine, 
sorgsam gepflegte Blumengärtchen ausgespart, 
„winzige Bodenflächen, aber immer noch 
groß genug, um allerlei bunte Blumen darauf 
zu ziehen". 
Mehr als in der vorausgehenden Zeit be- 
herrschen am Ende des 17. und im ganzen 
18. jahrbundert die großen Parks das Bild der 
Gartengeschichte. Bereits um 1750 aber werden 
in den gleichzeitigen Gartenplänen für Ver- 
sailles abgesonderte Einzelgarten gefordert, 
und es entsteht der Eindruck der Unordnung 
und Zerstückelung. Das dominierende Motiv 
verschwindet hinter dem Spiel des Viel- 
fältigen; zerstückelte kleine Dessins dringen 
in die Parterres ein. Der „bizarre" Garten, 
als letzte Entwicklung des Spatbarocks, ver- 
langt Bosketts und Beete „extremement petits et 
multiplies a liinßni". Sanssouci, als glanzvoller 
Ausklang des Barockgartens, vereinigt fürst- 
liche Würde und Intimität. Dem Zeitgeschmack 
entsprechend, zieht man in Schwetzingen 
(1753-1770) die l-Ieimeligkeit und den Schat- 
ten den oHenen Prachtgärten vor und sucht 
durch Schließung der Boskettbäume zu einer 
Decke innerhalb des Parks gesonderte Raume 
zu gewinnen. Aus dem Wunsche zunächst 
nach Varietät, dann auch nach Intimität ent- 
stehen in allen großen Gärten des 18. jahr- 
hunderts die chinesischen Pavillons als kleine 
intime Gebäude. 
Für den englixrhen Park ist die Natur die 
höchste Künstlerin. Alles, was sie schafft, ist 
zugleich vollkommen und schön; ihr, als 
höchster Instanz, werden allein Vernunft und 
Fähigkeit zur Schönheit zugetraut. Man lobt 
die verwilderten Haine und die Unordnung 
der Natur - wie sie sei der Park heroisch, 
unwegsam und wild. Alle anthropomorphen 
Elemente sind aus diesem Bereich ausgestoßen. 
Nicht der formende und züchtende Mensch, 
der Gärtner und Architekt - er zu allerletzt 4 
vermögen ihn zu gestalten, sondern der Maler 
ist zugleich Gartenkünstler. Die Landschafts- 
gälrtnerei soll der Landschaftsmalerei gleich 
sein. 
Man wendet sich gegen den Aktivismus im 
französischen Gartenstil und den holländischen 
Kultus der Einzelpdanze. In völliger Um- 
kehrung der bis zur Gartenrevolution herr- 
schenden Parkgestaltung werden alle Gestal- 
tungsmittel und gärtnerischen Ergebnisse ver- 
dammt und die Auffassung vom Park in das 
direkte Gegenteil gekehrt. 
Der Landschaftsgarten entnimmt seine Vor- 
bilder der Landschaftsmalerei und ihren Vedu- 
ten. Das Bild bietet das Ideal, das der Land- 
schaftsgirtner ins Räumliche transportiert. So 
sind viele Landschaftsgärtner selbst Maler und 
es besteht allgemein die Forderung, ein Land- 
schaftsgestalter müsse auch Maler sein. Neben 
eigenen und zeitgenössischen Malereien sind 
vor allem die Niederländer Lorrain und 
6 Jaschky-Postl, Ansicht des Schlossa Bruck. Koloricner Stich. 
Graf Harratlfschc Gemäldegalerie. Wien 
7 Theodor vgn Hbrlnann (Imst. 184071895 Graz), In den 
Tuilerien. OllLcinwznd, 3B x55 cm. Österreichische Galerie, 
Wien 
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Poussin Vorbild für die Schöpfungen im 
klassischen englischen Stil. 
Zeitgenossen sehen in der engen Anlehnung 
an die Malerei einen Grund für den Nieder- 
gang der Lnndsehziftsgartenkunst, und Schiller 
sagt 1795: "Der neue Gartengeschixuack schei- 
terte, weil er aus seinen Grenzen trat und die 
Gartenkunst in die Malerei hinüberführte." 
Auch werden die Bilder allmählich so kum- 
pnniert 7 indem nur Details gegeben wer- 
den 7, daß sie nicht mehr Vorbild für die 
Anlage englischer lxandschaftsgiirtcn sein köne 
nen. In der nun unpathetisch lagernden Lande 
Schaft finden wir Teile besonders akzentuiert 
und gartenähnlich aus der Langebung aus- 
geschnitten, mit kultivierter Vegetation auf 
die Hand des Menschen weisend. 
liin Verlangen nach Intimität und Idylle 
macht sich in der Landschaftsmalerei bemerk- 
bar; man sucht „Grenzen, liebt das Umhegte" 
und „rückt den Horizont so hoch als möglich, 
den Augptinkt also tief, was xx ie in der Garten- 
kunst zum l-ainrlrtick des fmhcgten führt" 
(Koch). Die heimatliche Landschaft wird in 
ihrer Stille und Abgeschiedenheit dargestellt.
	        

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