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Volltext: Alte und Moderne Kunst IX (1964 / Heft 75)

mehr weithin verströmend, sondern in 
ieinen und ausschnitthaften Grenzen ge- 
, lagert die Landschaft ruhig und breit- 
:kt. Dabei erhält die Natur durch 
1 Landschaftsformen, Fluchtlinien halb- 
18116! Felder, Umzäunungen und Wege 
marakter einer „natürlichen" Ordnung. 
oßer Detailtreue und „pedantischef 
ik schildert diese Zeit, die zuerst von 
nn für die Malerei als Biedermeier be- 
et wurde, die kleinen Dinge der Natur. 
,zeichnerischer Bestimmtheit und klar 
lierenden Lokalfarben" wird eine neue 
. Anschaulichkeit ausgebildet. Das 
ige Auge bürgerlicher Anschauung flüch- 
las kleine Format und die dichtumgrenzte 
' (Schmidt). 
lüte biedermeierlichen Gartenlebens geht 
"iften Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts zu 
Das Gartenbild der kommenden Zeit 
bestimmt von äßüentlirlzen Gärten, für die 
mehr der Privatmann, sondern die 
nune Auftraggeber ist. 
ystcm der geschlossenen Industriestadt, 
er die Felder und Gärten weitgehend 
verdrängt sind, wird jetzt voll ausgebildet. 
Der in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts an- 
klingende Gedanke des Volksparks entwickelt 
sich nun zur bestimmenden Gartenform. 
Wohl gibt es schon vorher Gärten mit öffent- 
lichem Charakter - so die „Gastgärten" des 
Mittelalters und die dem Publikum geöffneten 
Parks der Aristokraten im 18. Jahrhundert -, 
aber die Art des von der Kommune errichteten 
„Volksparks" ist neu und findet vornehmlich 
nach Schleifung der städtischen Befestigungen 
ihren Raum. 
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts liefert uns 
Spitzweg Gartenbeispiele, die das Bild des 
Gartens des Biedermeier verdeutlichen helfen, 
wenngleich vielleicht hier schon eine Parodie 
auf die Gartenlust der vorausgehenden Zeit 
aufgezeichnet wird. Ähnlich wie bei Seidel 
(im Unterschied zu Flauberts „Bouvard und 
Pecuchet") ist aber doch bei Spitzweg zu 
vermuten, daß ein echtes Gefühl und eine 
Sehnsucht nach diesen Gärten mitschwingt. 
Zugleich ist Spitzweg ein Beispiel dafür, wie 
der schöne und reiche Garten vom Steinmeer 
der Städte bedrängt wird und nur noch auf 
kleinstem Raum die stille Erholung „lm 
Hausgärtchen" erlaubt. Die Vegetation 
wuchert wild, und wir finden nicht mehr die 
Ordnung und das Gegliedertsein, das vorher 
auf die schaffende Hand des Menschen wies. 
In Menzels „Palaisgarten des Prinzen Albrecht" 
sind Erdhügel aufgehäuft, Schiebkarren stehen 
herum, und die Arbeiter liegen im Schatten 
der Bäume und schlafen. Es ist eine Geistes- 
haltung, die sich nicht mehr „an jenen in- 
timen, idyllischen Gärtchen, deren gemütvnlle 
Heimeligkeit gerade kurz vorher die Bieder- 
meier Malerei zu entdecken begonnen hatte" 
ersättigen kann. 
Es fällt auf, daß die Gartendarstellungen um 
die Mitte des 19. Jahrhunderts häufiger als 
die vorausgehenden Gartenbilder eindeutig 
topographischen Charakter tragen. Der Maler 
porträtiert hier einen bestimmten Ort, während 
das Bild des bunten und reichen Gartens 
früherer Zeit der allgemeinen Vision eines 
angenehmen Bereiches nahekommt und somit 
eine allgemeingültigere Qualität und Aus- 
sagekraft erreicht, die über die Darstellung 
eines bestimmten Ortes hinausgeht.
	        

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