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Volltext: Alte und Moderne Kunst IX (1964 / Heft 75)

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Der große holländische Historiker Jan llui- 
zinga hat die Geschichte als jene Form be- 
zeichnet, in der sich eine Kultur Rechen- 
schaft über ihre Vergangenheit gibt. Aufgabe 
des Historikers ist es daher, die historischen 
Geschehen vergangener Epochen zu erfor? 
schen und die geschichtliche Entwicklung 
eines Staates im Bewußtsein seiner Bürger zu 
erhalten. Der Historiker hat dafür zu sorgen, 
daß die Glanz- und Notzeiten, daß das llelden? 
Zeitalter eines Volkes dessen lebendiger Besitz 
bleiben. Diesem Ziele will die kulturhistorische 
Ausstellung „Graz als Residenz 7 lnner- 
österreich 1564 bis 1619" dienen, die am 
6. Mai in den Reprasentationsräumen der 
Grazer Burg festlich eröffnet worden ist. lis 
liegt ihr die ldee zugrunde, die 400. Wieder? 
kehr der Errichtung eines eigenen llofes zu 
Graz und einer Zentralregierung für die 
innerösterreichischen Herzogtümer zum Anlaß 
zu nehmen, das Heldenzeitalter der steirischen 
Geschichte an kulturhistorischen Gegenstän- 
den zu verlebendigen. Die Steiermark hat 
damals ihre Eigenberechtigung erhärtet, aber 
auch jenes (iepräge erhalten, das noch heute 
für dieses Land bestimmend ist. 
Kaiser Karl V. und Ferdinand l., sein für 
die Geschichte Österreichs so bedeutungs? 
voller Bruder und Nachfolger am kaiserlichen 
Throne, hatten am 28. April 1521 zu Worms 
und Ende jänner 1522 zu Brüssel den ge- 
waltigen habsburgischen Besitz geteilt und 
damit eine spanische und österreichische Linie 
des Erzhauses begründet. Ferdinand, in Spa? 
nien aufgewachsen und erzogen, hat die 
österreichisch-erbländische Behördenurgatiisa? 
tion seines Großvaters, Kaiser Maximilians L, 
weitergeführt und als 'l'räger einer öster? 
reichischen (iesamtstaatsidee einen zentralen 
Verwaltungsapparat ins Leben gerufen, ohne 
dabei so starrer Ahsolutist wie sein linkel 
Kaiser Ferdinand ll. zu sein. Er hat jedoch 
selbst die von ihm eingeleitete lintwicklung 
unterbrochen, als er sich in seinen verschiede- 
nen Testamenten, llausordnungen und Nach? 
tiolgebestimmungen entschloß, seinen Länder? 
besitz unter seine drei Söhne zu teilen. ln 
räumlicher llinsicht boten sich die Länder? 
gruppierungen von selbst an. Die Stamm- 
lande Ober? und Niederösterreich erhielt der 
älteste Sohn, Iwlaximilian ll., als Oberhaupt 
des Hauses, dem auch die neuerworhenen 
Königreiche Böhmen und Ungarn zukamen. 
Ferdinand, bekannt durch seine so bedeutsame 
Ambraser Sammlung und seine Ehe mit der 
schönen Patriziertochter Philippine Xkielser, 
übernahm das räumlich abgesonderte Tirol 
und die österreichischen Vorlancle mit dem 
Breisgau, und Karl, der jüngste, die inner? 
österreichische Ländergruppe Steiermark, 
Kärnten, Krain, die Grafschaft Giärz und
	        

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