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Volltext: Alte und Moderne Kunst IX (1964 / Heft 76)

 
tandenen, lebensgroßen Werk zu ver- 
chen, das einst in Würzburg beheimatet 
(jetzt Berlin, ehcm. Staatl. Museen)20. 
ses 1774 datierte Stück, eine aus rotem 
dstein gehauene und farbig gefaßte Gruppe 
b. 23), wird mit Recht  P.A. Wagner 
stisch zugeschrieben. Zur Beurteilung der 
ischen Verehrung des Heiligen in dieser 
' ist ihre lnschrift aufschlußreich: „St. Jo- 
nes von Nepomuck f Dieses Bild zum 
ilKl j wider Spott und Hohn f Dem heiligen 
'on f für diese Strasscn I hat errichten 
:n . . f". Nach der Formulierung einer 
nym erschienenen Heiligenlegende aus dem 
'e 1719 kommt sein Schutz „insonderheit. .. 
enjenigen zur Hülfe, welche sich einer 
atlichen Schande befürchten und sich 
men ihre Sünden zu beichten"ll. Bei der 
ichner Brunnenskulptur hat weniger die 
eas-Anchises-Gruppe Pate gestanden oder 
allgemeineren Sinne die Raptus?Darstel? 
g, wie man zunächst vermuten könnte, 
lern hinter ihr steht vielmehr im engeren 
ie der Typus der in der deutschen (wie 
ler italienischen) Malerei und Plastik seit 
späteren Mittelalter nachweisbaren Fi- 
rngruppe des hl. Christophorus. Wie dieser 
ihm in Kindsgestalt erscheinenden und 
später als Majestasfigur sich zu erkennen 
enden Christus auf seinen Schultern schwer 
fend durchs Wasser trägt, wobei er der 
fälligen Verbildlichung seines Namens alle 
e macht, so trägt der ebenfalls als alter, 
iger, unbekleideter Mann von herkulischen 
maßen charakterisierte Flußgott Moldau 
wie von einer Aura umstrahlte Gestalt des 
1 jugendlichen Märtyrers aus dem Wasser 
sichere Land. Wie sehr bei der Straub- 
ppe solche traditionsmäßig zu verfolgen? 
Vorstellungen tatsächlich eine Rolle 
len, beweist ihre über das rein Zufällige 
usgehende motivische Verwandtschaft mit 
r bereits sehr manieristisch aufgefaßten 
stellung des hl. Christophorus, die im 
:en Viertel des 16. Jahrhunderts von einem 
hfolgcr des Meisters von Meßkirch gemalt 
de (Basel, Öffentliche Kunstsammlung) Z1. 
:i charakteristische Motive des Straub'schen 
itenbrunnens - der Typus der großen 
ifiirmigen Laternen am Brunnenrand und 
 
J. ß. SlrJHlJ. 1-1 staut," des Flullgtiltcs Moldau. Kopf- 
detail von der .-JUliJHH-NL')'J1HHit-Gruppe. Miiuchril. 
Erzbischöfliches Ordinariat 
L. Bcrnini, Hl. Hieronymus (ä) Kopfi Entwurf an? 
gcblich für den gleirhnaitligcu Heiligen in der (Ühigi- 
Kapelle im Dom von Sieua, Hu 155 (In, Cambridge] 
USA, Fogg Mine-um of Art v? 'VIlr(l Univcrxity 
J. dann", HI. Elias, Kopfdr a1. Milncheu, nittvt-na-ht-t 
Natinnalmmeilm 
  
 
 
 
 
des zwischen ihnen angebrachten Ornament- 
xverkes 7 sind abgesehen von tler typus- 
mäßig verwandten (heute nicht mehr vor- 
handenen) Sockelverzierung der gleichnamigen 
Bronzel-igur W. H. Heroldts auf der Prager 
Karlsbrücke, sehr ähnlich der Brüstung 
des im Jahre 1736 fertiggestellten silbernen 
Grabmals des hl. Johann Nepomuk im 
Chorumgang des Prager SL-Veits-Domes, 
für das Joseph Emanuel Fischer von Erlach 
den Gesamtentwurf und der Wiener Bild- 
hauer Antonio Corradini die Holzmodelle 
geliefert hatte (Ausführung von dem Wiener 
Goldschmied   Xl('irth)13. Das direkte Vor- 
bild für die Gesamterscheinung der Straub"? 
sehen Brunnenrandverzierung ist in einem 
Asam-Motiv zu suchen, das hier ins Rokoko 
übersetzt wurde. Es ist dies der mit Sternen? 
und Strahlenkränzen geschmückte, freischwe- 
bende Kronreif, der in der Benediktinerkloster- 
kirche Weltenburg optisch die Zone der Hohl- 
kehle mit der der illusionistisch bemalten 
Flachdecke des l-lauptraumes verbindet (vor 
1721). Bei Asam wie bei Straub ist es das 
gleiche Prinzip, die Realitätsgrade und diver- 
gierende Formbereiche durch ein vermittelndes 
Glied ineinander übergehen zu lassen. Die zur 
Beleuchtung des Münchner Jesuitenbrunnens 
wie des bronzenen und silbernen Sn-Johann 
Nepornuk?Denkmales in Prag verwendeten 
sternförmigen fünf Laternen symbolisieren das 
auch im hlartvrologium Romanum aufge- 
zeichnete und in Caspar Erhards Großer 
Haus-Legend der Heiligen (173681) so an? 
schaulich geschilderte für den hl. Johann 
Nepomuk bezeugte Wunderl-i. Nach dieser 
Darstellung hatte „dann der Himmel ihm 
eine sehr stattliche und ansehnliche Leich- 
begängniß zu halten Anstalt gemacht, um auf 
solche Weise die Heiligkeit dessen offenbar 
zu machen, der also wohl die Heimligkeiten 
der sacramentalisehen Bcicht verborgen ge- 
halten hatte. Dann gleich nach vollbrachter 
so grausamer Mordthat (zu erg.: auf Ver- 
anlassung König Xlvenzels lV.), sind über 
dem Wasser her unza(e)hlbure hellscheinendc 
Lichter, als brennende Fackeln erschienen, 
welche um und um feurige Strahlen von sich 
geworfen, und den Leib des heiligen hlartvrs 
mit großer Ehrerbiethigkeit an ein anschau? 
 
liches Gestad getragen worden. Die 
Stadt (zu erg.: Prag) ist diesem S} 
zugelaufen, und über solchem Miral- 
staunet. .. Endlich hat man Morgens 
an dem Gestad (zu erg.: der Moldau 
ehrwürdigen Leichnam gefunden, mit 
eigenen Kleidern ganz ehrsam bedec 
welchem das Angesicht ganz lebhaft, 
selig, und eine aller Ehren werthe ange 
Gestalt vorstellte." Nach Art eines K 
grammes identifizierte die barocke Di 
diese als persönliches Attribut des H 
dienenden fünf Sterne häufig mit de: 
Buchstaben des Xlfortes TACUI, was 
dieses Vorganges ebenso für die beiden 
Vorbilder wie auch für die sternföi 
Laternen des Münchner Jesuitenbrr 
interpretationsmäßig in Anspruch geno 
werden darfZF. 
Daß man gerade den hl. Johann Neporr 
Brunnenheiligen für den Platz vor 
Münchner Jesuitenkloster bestimmte 
ikontigraphisch seinen Grund in erster 
darin, daß man ihn, den (Seneralvik: 
Domkapitels von St. Veit in Prag, als 
besonders von der Gegenreformation 
pagierten Märtyrer verehrte, der, wie 
bereits erwähnten anonym erschienenei 
ligenlegende von 1719 verzeichnet i 
einer Predigt dem ganzen Reich „dir 
nachgefolgte trübselige Hußiten-Zeitem 
phezeite. Der Orden, vor dessen Kirch 
Kloster der diesem Heiligen gewidmete 
nen stand, hatte den hl. Johann Nepomx 
1732 als „Patronus minor principalis 
erwählt. Noch im gleichen Jahre (1732) 
von dem Münchner Maler Joseph 
Schilling (170271777) ein diesen lleilige 
stellendes hochovales Bild, dessen Rahme 
plastische Zunge als Symbol für das wegi 
Beichtsigills erduldete Martyrium trägt, f 
Magdalenenkapelle der Münchner Jes 
kirche geschaffen. Zur Verehrung des H: 
in München kamen patriotische Gründe 
hl. Johann Nepomuk war der „geheim 
wissensrat" einer bayerischen Prinzessii 
Königin Johanna von Böhmen, und er w: 
sich standhaft, das von ihr anvertraute E 
geheimnis zu brechen, was er mit 
hlärtvrertod bezahlen mußte. Für di
	        

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