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Volltext: Alte und Moderne Kunst IX (1964 / Heft 76)

Aus Münchner Privatbesitz sind kürzlich zwei 
Entwürfe für Deckenfresken aufgetaucht. Sie 
tragen auf der Rückseite einen handschrift- 
lichen Vermerk: Erworben 1939 aus den 
Sammlungen des Stiftes Sankt Florianl. 
Die nähere Untersuchung nach dem Stil und 
nach den vorhandenen archivalischen Quellen 
hat ergeben, daß wir tatsächlich Entwürfe 
für das oberösterreichische Augustinerchor- 
herrenstift vor uns haben. 
Die ältere der beiden Skizzen (Öl auf Papier, 
46X34 cm, Abb. 3) ist stilistisch etwa um 
1740 zu datieren. Sie zeigt in hochovaler 
Komposition eine Reihe allegorischer Figuren, 
die in der Mitte oben mit der Allegorie der 
Wissenschaft beginnen, der die geflügelte 
Gestalt des Glaubens mit der Lanze zu Hilfe 
eilt. Die Skizze ist anscheinend für einen 
kleineren Raum - wohl für den Nebenraurn 
einer Bibliothek oder für ein wissenschaft- 
liches Kabinett - bestimmt gewesen. Wir 
haben einen typischen Bozzetto vor uns, der 
in breiten Pinselstrichen ohne Rücksicht auf 
Einzelheiten das Konzept der Decke zeigt. 
Wir sehen die kraftvolle Hand eines Meisters, 
dem es auf die Verteilung der Figuren und 
auf den großen Farbeffekt ankommt. in der 
Reihenfolge des Werdens wird nach diesem 
Bozzetto noch ein ausgeführter Modello not- 
wendig gewesen sein. Dieser Modello könnte 
jedoch dann weggelassen werden, wenn neben 
dem Bozzetto, der die Farben zeigt, eine aus- 
gefeilte Zeichnung vorliegt, nach der die 
Figuren auf die Decke übertragen werden 
können. 
Die leuchtende Farbenskala, die Struktur der 
Malerei und die allegorischen Figuren sind 
ganz charakteristisch für die Hand des großen 
österreichischen Freskanten Daniel Gran. 
Wenn wir vergleichsweise Grans Entwurf für 
das Langhaus der Wallfahrtskirche am Sonn- 
tagberg betrachten (Abb. 2), dann erkennen 
wir sofort denselben breiten Pinselstrich, die- 
selben Farben, die gleichen Gestalten. Auch 
das Kompositionsschema und die Umrah- 
mung sind gleich. Der Vergleich mit anderen 
gesicherten Skizzen Grans, wie beispielsweise 
dem Entwurf für die Wiener Hofbibliothek im 
Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg 1, 
zeigt ebenfalls weitgehende Übereinstimmung 
in der Pinselführung, der Farbenskala und 
den Figurentypen. An der Autorschaft Grans 
ist somit nicht zu zweifeln. 
Daniel Gran hat für Sankt Florian keine Fres- 
ken ausgeführt. Wir wissen jedoch, daß Propst 
Georg II. mit dem Künstler korrespondiert 
hat, ihm seine geplanten Programme mit- 

	        

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