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Full text: Alte und Moderne Kunst IX (1964 / Heft 76)

n Schmidt als Autor zu denken bei dieser 
ellfarhigen Skizze vor blauem Himmel, wenn 
1an dabei an seine im traditionellen Hell- 
unkel gehaltenen Altarbilder denkt. Aus dem 
luftrag des Deckenfreskos ergibt sich hier 
uch für Schmidt, der vorwiegend Altarblatt- 
aaler war, der Zwang zur lichten Palette. 
)as dargestellte Deckenfresko ist in Sankt 
ilorian nicht vorhanden, es hat aber nach- 
weislich existiert. Glücklicherweise können 
zir in diesem Falle genaue archivalische 
lnterlagen nachweisen. Albin Cerny5 hat aus 
en Rechnungsbüchern festgestellt, daß Propst 
flatthias II. anlalßlich der Neueinrichtung der 
itiftsapotheke im Gebäude des Meierhofes 
on Sankt Florian Johann Martin Schmidt 
mit der Freskierung der Decke beauftragt 
tat. Im Jahre 1770 erhält Schmidt 500 Gulden 
ür die Decke des Geschäftsraumes der 
Spotheke, deren zentrale Figur Äskulap war. 
m gleichen Jahr erhält der Meister 150 Gul- 
den für das Fresko der Decke in der Kräuter- 
kammer der Apotheke, als deren zentrale 
Figur Flora genannt wird. Für diese Decke 
ist somit die Skizze gefunden. Beide Fresken 
sind durch Umbauten im Gebäude des Meier- 
hofes verlorengegangen. Es ist also erwiesen, 
daß die neugefundene, aus Sankt Florian stam- 
mende Skizze, als deren Autor Schmidt fest- 
steht und als deren zentrale Figur die Dar- 
stellung der Flora vorhanden ist, im Jahre 1770 
für die Decke der Kräuterkammer der Apu- 
theke entworfen wurde. Damit ist das ver- 
schollene Fresko Schmidts, das in R. Feucht- 
müllers Werksverzeichnisö als nicht feststell- 
bar geführt wird, wenigstens durch den 
neugefundenen Modello wieder faßbar. 
Dieser gesicherte Entwurf Schmidts zeigt 
jedoch auch einen interessanten Zusammen- 
hang zu der vorher beschriebenen älteren 
Skizze Daniel Grans. Das Kompositions- 
Schema weist größte Verwandtschaft auf. 
liinzelne Figuren kehren bei Schmidt fast 
wörtlich wieder. Die fliegende Gestalt mit 
der Lanze bei Gran verwandelt sich bei 
Schmidt in einen blumenbringenden Genius, 
die sitzende männliche Allegorie mit Putto 
und Löwen in den hl. Damian mit Putto, die 
Diana mit dem Jagdhund in einen Genius, 
der dem hl. Kosmas Kräuter bringt. Auch 
die für Schmidt ausnehmend helle Palette ist 
durch die leuchtend helle Skizze Grans inspi- 
riert. S0 erweist sich Daniel Gran in seinen 
für Sankt Florian geschaffenen Bozzetti auch 
noch 30 Jahre später fruchtbar und einilußreich 
auf den jüngeren Johann Martin Schmidt, der 
sich im Fresko an den großen Vorgänger 
anlehnt. 
Beide Blätter sind interessante Dokumente zur 
Geschichte der österreichischen Malerei und 
geben Einblick in den aus so vielfältigen 
geistigen und künstlerischen Quellen gespeisten 
Werdegang des Barockfreskos. 
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