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Volltext: Alte und Moderne Kunst IX (1964 / Heft 76)

Der Pariser Ebenist Adrien Faizelnt Delorme 12 
wurde im Jahre 1748 Meister. Trotz seiner 
vielseitigen Tätigkeit verwendet er nur selten 
die europäischen, nach japanischen Vorbildern 
ausgeführten Lackarbeiten, und wenn, so han- 
delt es sich dann um Möbel, die zu den frühe- 
sten in seinem Oeuvre gehören. Nur wenige 
signierte Delorme-Lackmöbel sind bekannt, 
dazu zählen vier Kommoden. Eine von diesen 
ist das hier abgebildete Stück. 
Wenn man die Tätigkeit Delurmcs und den 
reifen Louis-XV-Stil der Kommode in Be- 
tracht zieht, können die Jahre um 1750 als 
Herstellungszeit angenommen werden13. Wahr- 
scheinlich gelangte dieses prächtige Möbel- 
stück mit der Mitgift von Lady Mary Hamilton, 
der Gemahlin des Fürsten Taszilo Festetics, 
nach Ungarn, denn es gehörte zur Einrichtung 
des Festetics-Schlosses in Keszthely. Außer 
dieser Kommode fand auch eine andere, ihr 
ähnliche, den Weg hierher, doch stammt sie 
von der Hand eines anderen Meisters. Sie ist 
nicht signiert, dürfte aber unseren Forschun- 
gen nach ein Werk von „Joseph" (Baum- 
hauer) sein und wäre gleichfalls in die Jahre 
um 1750 zu datieren". Es handelt sich dabei 
um eine der wenigen Lackarbeiten dieses 
bekannten Pariser Ebenisten, der sich be- 
sonders als Meister der Matketerie hervortat. 
Sie steht der signierten Joseph-Kommode im 
Victoria and Albert Museum 15 sehr nahe. 
Ein Zylinderbureau, signiert von Frangois 
(iaspard Teune, stammt aus der gleichen 
Zeitlß (Abb. 6). Die reichen lntarsien, die 
den freistehenden Schreibtisch an allen Seiten 
schmücken, bestehen aus Palisander, Rosen- 
und Satinholz. Eine besondere Note erhält 
dieser Sekretär durch den tiriginell ge- 
stalteten Aufbau, der zur Ablage von Papier 
bestimmt war. Die reichen Würfelintarsien und 
eine Kartusche mit eingelegten Trophäen 
bilden die Verzierung des Zylinderverschlus- 
scs. 
Zylinderschreibtische nehmen im Lebenswerk 
von F. G. Teune einen breiten Raum ein. Ein 
dem Budapester Schreibtisch sehr ähnliches, 
bloß etwas bescheideneres Möbel beiindet sich 
im Musee des Arts Decoratifs in Paris. 
Ein für die Art der Sekretäre im Louis-XVI- 
Stil charakteristisches Möbel trägt die Signatur 
von Jean-Louis-Francois Legry aus den Jahren 
um 178019 (Abb. S). Sein Furnier aus Rosen- 
hnlz und Palisander ist mit Satin- und Ahorn- 
intarsien belebt. Die reichen, für den Stil 
von Legry so charakteristischen Marketerien, 
Blätter, Schleifen, Blumen und Schmetter- 
linge, sind dem Zeitstil gemäß symmetrisch 
angeordnet. Die Musikinstrumente auf der 
Schreibplatte und die typisch klassizistischen 
Urnen auf den unteren Türen werden von 
Kränzen umrahmt, die ein ovalcs Medaillnn 
bilden. 
Weiters besitzt die Sammlung noch ein anderes 
hervorragend schönes und reichverziertes 
Möbel, eine Kommode aus der „Periode 
transiti0n"16, das gleichfalls einmal zur Ein- 
richtung von Hamilton Palace17 gehörte 
(Abb. 4). Das Rosenholzfurnier ist mit Mar- 
keterien aus Palisander-, farbigem Ah0rn- und 
Birnbaumholz verziert. Dem Kommodentyp 
der Übergangszeit entsprechend hat sie zwei 
große und darüber drei kleine Schubfächer, 
die nebeneinander angeordnet sind. Die Ver- 
zierung dieser letzteren besteht aus einem 
bronzenen Mäanderfries auf griingebeiztem 
Ahorngrund. Die Vorderstücke der beiden 
großen Schubladen sind in drei Felder unter- 
teilt, die von schmalen Bändern eingefaßt 
sind und deren Flächen die für jene Epoche 
so bezeichnende Gitterintarsia mit vierblättri- 
gen Blüten zeigen. An den vorderen Lisenen 
der Kommode werden mit eingelegten Streifen 
Kanneluren vorgetäuscht. Durch die formal 
und qualitätsmäßig außergewöhnlich schönen 
Bronzen wird die Kostbarkeit des Möbels 
noch erhöht. 
Der Aufbau der Kommode zeigt die für die 
sechziger Jahre charakteristische Form, wie 
sie zuerst von Oeben entwickelt wurde. Wegen 
der reichen Parquetterie und wegen der Schön- 
heit der Bronzebeschläge könnte man tat- 
sächlich auf Oebens Werkstatt bzw. auf 
den engeren Kreis seiner Schüler schließen. 
Die Kommode weist aber auch manche Ähn- 
lichkeit mit Möbeln von Riesener, Leleu 
und von Simon Oeben auf. Auf Grund ein- 
gehender Prüfung verschiedener Vergleichs- 
beispiele sind wir zu der Feststellung gekom- 
men, claß es sich aller Wahrscheinlichkeit nach 
um eine Arbeit aus der Riesener-Werkstatt 
handelt. 
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Eines der interessantesten Möbel aus der Zeit 
nach der Revolution ist ein Konsoltisch 
(Abb. 7), der das Markenzeichen von Martin 
Eloy Lingereux trägt 19. 
Der Tisch ist mit Amboinawurzel furniert und 
hat reiche, teils grün patinierte, teils gold- 
bronzene Beschläge. Zwei geHügelte Chimären, 
die auf kantenverzierten Sockeln stehen, halten 
die Tischplatte. Auf der Zarge sind Sterne 
angebracht, von Kränzen umrahmt, die von 
Kandelabern gehalten werden. Die Tischplatte 
ist aus schwarzem Marmor. 
Auf dem Markenzeichen aus Papier, das an 
der Rückseite angebracht ist, kann man lesen: 
„Lignereux Successeur de Daguerre, Rue 
Vivienne, N0 11, en face colle Colbert, 
Magazin de Meuble d'Ebenisterie ornes de 
Bronzes, Pendules, Girandoles, Lustres, Bron- 
(zes), Porcelaines, Vases et Curiosites. Depot 
general des Porcelaines de Sevres s Paris." 
Lignereux ist ein Ebenist aus der Zeit um 
das Ende des 18. und Anfang des 19. jahr- 
hunderts, dessen Arbeiten bisher noch wenig 
erforscht sind. Seine Tätigkeit war uns bisher 
nur aus Angaben der Literatur bekannt. Wie 
es bisher in der Fachliteratur heißt, bezeichnet 
er seine Stücke nicht, daher sind keine authen- 
tischen Werke von ihm bekannt. Der Buda- 
pester Konsoltisch ist daher wegen des Mar- 
kenzeichens von Lignereux das bisher einzige 
signierte Werk des Meisters. Nach unseren 
Forschungen wurde der Tisch höchstwahr- 
scheinlich in der Zeit zwischen 1798 und 1803 
hergestelltll. Die Bronzen des Tisches, die 
ein hohes Niveau auszeichnet, sind 7 wie 
wir annehmen - Arbeiten des bekannten 
französischen Bronzeschmiecls Ph. Tornire. 
Der Entwurf könnte nach unserer Meinung 
von Percier und Fontaine stammen. 
ANMERKUNGEN 12 i 21 
11 Snlvcrtc op. ein. s. 94. 
H H. Sznbnlcsi, Deux Cummodcs de laquc francaises iföpnquc 
Louis xv. IPamIIÄWÖSZCIi Museum Evkönyvci (jahrburher im 
Mmcums m1 Kunslgewerbc), III-IV. Budapest 19m. 
H Szubolesi w. m. 
u P. vr-nr-t, Le meublc du XVlIle si le. u. Paris 1'150, 'l".1fel VII. 
w lnv.-Nr. n2.2r,7.1. H. zum". u. 14: rm. T. 64a 
H The Hamiltnn P3141 Cullcrllun, khtalnguc. vurii- London 
laue. s. im. Nr. 126 
w llw.-Nr. 24439, u. ws cm. 11.11.: (m. 11.31. cm. 
I" lnv.-Nr. 24490. H. 136 cm, u. HUcm T. 34 cm. 
I" 1nv.-Nr.24283. H. 100 cm. u. 162,5 r n, T. 52 cm. 
1' H. Szaholcsi, M. E. Ligucrvnx. elaeniste illustre sous lc Cunsulnl. 
Am Historiae Anium. lludupcst 1962. 
   
 
	        

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