MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst IX (1964 / Heft 76)

Mumm Pedrazzu. 
m15 und C10 19S3'OI, BSxE-Icm 
Murlw Pedra 
arm: Jugend, T B O1, 110x100 (m 
Murhn Pedvu 
Turu:1evEv' hk .1961,01, f ' 70: 
1960. O1, +5 x 30cm 
1150 cm 
wem Wiener Akademiestudium nach dem Kriege, also seit etwa anderthalb Jahrzehnten. vertritt der aus der südlichen Tiroler Sprachgrenze stammende und 
Wien ansässige, 1924 geborene Maler Reo Martin Pedrazza eine klare. bewuftte Linie in seinem Schaffen. in seinem Kunstdenken. Dieses gründet im über- 
Bekenntnis zum großen. durchaus humanen Beitrag. den Österreich 7 bezeichnet durch die Namen Klimt. Schiele, Kokoschka, Boeckl i zur europäischen 
unseres Jahrhunderts geleistet hat. Die Verpflichtung auf die Aufnahme und Weiterführung solcher Mission in seinem Schatten bedeutete für den jungen Künstler, 
Orientierung an der internationalen abstrakten Welle für sich ablehnt. gerade in den fünfziger Jahren und wohl auch heute noch ein .,Schwimmen gegen 
am". Pedrazza tröstet sich: ..Schwimmen mit dem Strom mündet im Meer. in der Gleichförmigkeit; Schwimmen gegen den Strom macht stark. führt den Urr 
an zu." Oder: ..Der wahre Künstler ist nicht ein Boot, das auf den Wellen schaukelt. sich treiben löflt. er muß Wellenbrecher sein." Er liebt es, in solchen 
ierausfordernden Metaphern zu sprechen. sein ehrliches Anliegen zu erläutern. Eine Herausforderung ist auch spürbar im Titel, den der eigenwillige Künstler 
etzten Wiener Ausstellung gab: ..Pedrazzas neues Menschenbild." Was hat es damit auf sich? Die dem Künstler vorschwebende große Wiener Kunst hatte und 
nit dem Menschenbild zu tun. das dann in der internationalen abstrakten Welle verschwand. Mit dem Menschenbild hatte es aber auch der Expressionismus. 
z auch Picasso zu tun - in zerbrechender. auflösender Weise. Pedrazza sieht es als Aufgabe einer Kunst von heute. von morgen, ein humanes Menschenbild 
hen, es, befreit von den Elementen der Zerstörung und Auflösung. in einem harmonischen Ausgleich wieder in den Mittelpunkt der Malerei zu stellen. Er 
ich dabei bewußt, daß die schöpferische Gestaltung heute weniger denn je Sklave des Gegenstands sein kann. So entstehen Pedrazzas Bildtilel regelmäßig erst 
te eines Schaffensprozesses; Titel wie .,Das Paris-Urteil", .,Des Meeres und der Liebe Wellen". ,.Menschen-Wolken", „MenschenADornen" sind, wie man 
durchwegs Proteste gegen die „anti-humane Kunst". Am Beginn des malerischen Prozesses steht das Durchwirken der meist marmorhaften Bildfläche mit 
Figurationen, einer „Macchia" aus zarten Nuancen etwa aus Grau. Grün, Ocker, Rasa. sparsamst Blau; dann kommt es zu stärkeren Akzenten, Gegensätzen 
n kantigen und runden Formen, aus denen schließlich, nicht aufdringlich. die organischen, anthropamorphen Formen hervortreten und sich zum Bild. zu 
Titel gestalten. Man sieht: das „abstrakte Protokoll" ist dem Künstler durchaus vertraut, ja eigen - er gestattet sich aber nicht. dabei stehnzubleiben, er sieht 
ufgabe als Künstler darin. das unpersönliche Spiel der Mittel (Linie, Muster, Flüche. Farbe) zurn Spiel der menschlichen Poesie zu erheben. In seinen feinner- 
Zeichnungen spürt Pedrazza den in der Natur bereitliegenden organischen. anthropomorphen Elementen nach. vom Mikrokasmos des Felsgefüges, des Rasens, 
idstrands. bis zum Makrokosmos des menschlichen Antlitzes. 
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