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Volltext: Alte und Moderne Kunst IX (1964 / Heft 77)

Edelmetall oder aus Zinn den größten Teil. 
In der Zeit, als sich der regelmäßige Import 
von Porzellan aus China erst allmählich ent- 
wickelte (im jahre 1602 begann die hollän- 
dische Expansion nach dem Fernen Osten, 
eine Folge der Gründung der Ostindischen 
Kompanie) und die Keramik in den trans- 
alpinen Gegenden noch selten für Tafel- 
zwecke diente, bestand das Eßgeschirr vor- 
wiegend aus Metall, besonders aus Silber. Auf 
den Stilleben finden wir daher sehr oft 
Flache Silberschüsseln mit breiten glatten 
Rändern, welche trotz der dargebotenen unbe- 
rührten Speisenfülle die Lichtstrahlen redek- 
tieren, blenden und glänzen. Daneben finden 
wir silberne, vergoldete Buckel- und Trauben- 
pokale, die zu verschiedenen festlichen Ge- 
legenheiten geschenkt wurden, goldmontierte 
Muschelgefäße und Schüsselchen aus ver- 
schiedenem exotischem Material, wie Kokos- 
nüssen, Straußeneiern, Perlmutter, Korallen, 
oft in zoomorpher oder vegetabiler Gestalt. 
Es handelt sich zumeist um Erzeugnisse süd- 
deutscher Provcnicnz 2. 
Die zweitgrößte, auf den Frühstilleben abge- 
bildete kunstgewerbliche Gruppe bildet das 
Glas. Es kommt in so großer Mannigfaltigkeit 
und Formvariabilität vor, daß unter den 
existierenden Stücken manche Typen heute 
kaum noch als Vorbild dienen können. 
Meistens handelt es sich um lmportglas aus 
Venedig: Fadenglas, öfter aber reine, subtil 
geblasene Pokale mit Balusterfuß, manchmal 
mit Maskarons. Aus mitteleuropäischen Glas- 
hütten stammt beseheideneres Glas, wie Paß- 
gläser, Krautstrünke oder das farbige dick- 
wandige Glas für den Tagesbedarf. 
Hingegen wird die Keramik vom Barockstill- 
leben des frühen 17. Jahrhunderts verhältnis- 
mäßig selten dokumentiert. Auf den beschei- 
deneren Tischen finden wir Bauchkrüge aus 
hartem Steinzeug mit Ornamenten in Flach- 
relief oder mit dem Bartmann, schlanke 
Henkelkannen (Schnellen) und Krüge mit 
Zinndeckeln. Die Mehrzahl von ihnen stammt 
aus dem Rheinland. Auf den reicheren und 
mehr exklusiven Bildern tritt dann bereits die 
neue europäische Mode das blauweiße 
Porzellan der späten Epoche der Ming- 
Dynastie i in Erscheinung. Mit dem Por- 
zellan, den bereits erwähnten exotischen 
Materialien in der Goldschmiedekunst und mit 
den ausländischen Früchten, bei welchen 
Zitronen überwiegen, sollten die Erfolge der 
stolzen holländischen Kaufleute demonstriert 
werden. 
Auch Erzeugnisse des böhmischen Kunst- 
gexverbes haben ihren Anteil am frühbarocken 
Stilleben. In den zum Hof Rudolphs ll. gehö- 
renden Kunstwerkstätten in Prag wurden um 
die XVende des 16. zum 17. Jahrhundert 
Gegenstände aus geschnittenem Bergkristall, 
aus Glas und Goldschmiedearbeiten mit Edel- 
und I-lalbedelsteinen unter reicher Verwendung 
von Email hergestellt. Auch die kostbaren, 
von denselben Werkstätten stammenden astro- 
nomischen lnstrumente und Meßgeräte treten 
öfters als Motiv des Barockstillebens auf-l. 
Die Harlemer Maler haben sich darum verdient 
gemacht, daß anfangs des zweiten Viertels des 
17. Jahrhunderts die statische Komposition 
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