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Volltext: Alte und Moderne Kunst IX (1964 / Heft 77)

des Heizkörpers, hat die Form einer von zwei 
geschweiften Füßen getragenen Kommode 
und besteht aus einer erbfen Holzverkleidung, 
hinter der sich der gemauerte Unterofen ver- 
birgt. Eine vollkommenere Annäherung an 
die Erzeugnisse des Schreinerhandwerkes ist 
im Ofenbau nicht denkbar und stempelt das 
Objekt zu einem Unikum. 
Die Fasanerie des Schlosses Moritzburg in 
Sachsen besitzt einen sehr bemerkenswerten 
Möbelofen, der in seiner Gestaltung von der 
traditionellen Bauweise stark abweicht. Der 
Unterofen hat wie üblich die Schteibkom- 
rnode zum Vorbild, ist dunkelbraun glasiert 
und mit vergoldeten Leisten versehen, 
jedoch weicht der Oberofen von dem zur 
Norm gewordenen Schema ab. Er hat die 
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Gestalt einer großen klassizistischen Deckel- 
vase. Das umlaufende Mäanderband am 
oberen Rand und die dicht darunter befind- 
lichen Girlanden sind gelb gehalten, der 
vegetabile Dekor und eine Reihe von rund- 
herum angeordneten Figuren sind als blaue 
Malereien in Delfter Art auf den weiß- 
glasierten Grund der Vase aufgetragen Die 
Deckelvase ist bedauerlicherweise im R ege 
zerstört worden. Sie ist nicht etwa lose auf 
die Kommode gestellt, sondern im Innern 
direkt mit dem Unterofen verbunden, mit dem 
sie einen durchgehenden Feuerraum bildet, 
Rein äußerlich ist diese Konstruktionsweise 
schon an dem kurzen Rauchstutzen erkennt- 
lich, der vom oberen Rand der Vase zur Wand 
verläuft. 
Es gibt in der Anialienburg, eine 
reizenden Lustschlößchen im Park von 
phenburg, einen Raum, der mit einen 
ausgestattet ist, den der unvorbereite 
sucher beim besten Willen als solcher 
zu erkennen vermag (Abb. 4). In diese 
ist der Heizkörper nicht als selbstä 
isoliertes Einzelstück errichtet, sond 
vnllkommenem Maße dem System ein: 
Eck laufenden schrankartigen Wandi 
dung eingeordnet. Der Raum diente e 
als Gewehr! und Hundekammer. K 
Karl Albrecht von Bayern ließ in den 
17344-1739 die Amalienburg durch F 
Cuvillies den Älteren als jagdschlößcl 
seine Gemahlin Maria Amalia erbaue: 
fragliche Raum erhielt eine Flache hi 
Wandverkleidung, die in ihrem obere 
die Gewehrschränke enthält, während 
Sockelpartie l-lundekojen untergebrach 
Zvi schen den beiden flankierenden Tei 
Vllandschrankes erscheint in der Ecl 
eigentliche Ofen als konkaves Verbin 
stück. Er ist im Aufbau wie im Ori 
völlig dem Dekorationsstil der höl 
Inneneinrichtung angepaßt, und sog 
Hundekoje fehlt in seiner Sockelpartie n 
Die lNlöbelöfen sind durchweg soge
	        

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