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Volltext: Alte und Moderne Kunst IX (1964 / Heft 77)

sondern an sich selbst und in ihren 
Verhältnissen untereinander wieder- 
zugeben. Dieses objektive Eindringen 
und Wiedergeben verlangt nicht nur 
allein den Maler, sondern den ganzen 
Menschen. 
Gerhard Swabodas Bildschöpiungen 
sind Wiederholungen jener Phänomene 
und Erfahrungen, die er bei seinen 
Grenzgängen macht. Sie sind im echten 
Sinne Versuche, das heißt. ein wieder- 
holbares Ncichvollziehen des ewig 
neuen und doch alten Gestaltens der 
Natur. Das leere Blatt. die glatte 
Helztatel ist ähnlich der alchimistischen 
Glasphiole. der Ort. wo in einer Art 
.,chymischem" Vorgang und mit Hilfe 
einer bewunderungswürdigen Technik, 
die alle bildnerischen Mittel der Farbe 
und der Zeichnung gleicherweise ver- 
wendet. aus der Leere und den ClWCIOn 
tischen ersten Farbnebeln nach und 
nach die vielfältigsten Formen ent- 
stehen. Seine schöpferische Phantasie 
lüßt in einem subtilen malerischen und 
graphischen Differerizierungsprozeß die 
elementare Erscheinungswelt der Natur 
immer deutlicher hervortreten, zum 
Stein. Felsen und Gebirge kristallisieren. 
zu Pflanzen und Böumen sich verfestigen. 
zum Tier und selbst zum Menschen sich 
bilden. Alle diese individuellen Figu- 
rationen sind dennoch von der größten 
Einheitlichkeit. sind isoliert und ergeben 
dennoch eine organische Ganzheit. 
Jedes vermag sich in icdes zu vere 
wandeln. alle Gegenstände und Gee 
schöpte sind die Kinder einer "Mutter". 
die verborgen schafft. baut. zerstört, 
nie still steht und sich ewig verwandelt 
noch unwandelbaren Gesetzen. Alles 
ist oftenbares Geheimnis einer gee 
heimnisvollen Gott-Natur. 
Die aus einer solchen Werkstätte 
hervorgegangenen Arbeiten sind keine 
Abbilder mehr. sondern stimmen mit 
den Gestaltungsgesetzen der Natur 
überein. Ihr Realismus entstammt einer 
schöpferischen Phantasie. die parallel 
zur Natur schafft und in der Identität 
der Bildschöpfungen mit ihr ein künst- 
lerisches Ziel sieht. Eine solche Gee 
stattungsweise. die sich gänzlich an der 
Natur orientiert. war in der Vorzeit. 
zur Renaissance. in der Donauschule, 
bei den Rarnantikern und bei den 
ostasiatischen Meistern ein ..magischer" 
Akt. In Gerhard Swobodas Figurativen 
Werken lebt dieser magische Realismus. 
der die Natur auf einer anderen Ebene 
und mit anderen Mitteln tortsetzt.
	        

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