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Volltext: Alte und Moderne Kunst X (1965 / Heft 78)

Jlntozz Legner PLASTIK DES DONAUSTILS 
Das I.and Oberösterreich plant für den kom- 
menden Sommer im Augustiner-Chorherrenstift 
St. Florian und im Linzer Schloßmuseum eine 
Ausstellung unter dem Titel: Die Kunst der 
Donauschule 149071540. Im Rahmen des 
Gesamtprojektes wird das Schloß zu Linz die 
Plastik dieser Jahrzehnte aus dem Bereich des 
Donaustils aufnehmen. 
Ein solches Unterfangen bedarf der Begrün- 
dung und der Rechtfertigung. Aus der Sorge 
um das ihnen anvertraute Kunstgut, das seine 
feste Behausung nicht allein der Sicherheit 
wegen nötig hat, verschließen sich die An- 
gesprochenen oft und zu Recht den Leihgabe- 
Bitten. Wenn das Echo auf die geplante 
Plastik-Abteilung bisher aber trotzdem höchst 
erfreulich war, so darf dies als Beweis gelten. 
wie sehr das Projekt dem Kreis der Besitzer 
von Bildwerken des Donaustils man 
möchte beinahe sagen g am Herzen liegt. 
Aber mehr noch ist es ein Desiderat der 
Forschung, die Klarheit über einen einzige 
artigen, doch erst schwer durchschaubaren 
Komplex erlangen möchte. 
Niemals noch fanden sich die erlesenen Schöpn 
fungen der Kleinplastik des Donaustils vereint, 
auch war noch nie Gelegenheit geboten, das 
heute weitverstreute Werk des Meisters IP 
und seines Kreises in der Zusammenschau zu 
studieren. Nur das Oeuvre des großen Lands- 
huter Bildhauers Ilans Leinberger und die 
zeitgeni sische südostbayerische Plastik waren 
1932 (iegenstand einer denkwürdigen Ause 
stellung in Landshut, die grundlegend für die 
weitere Forschung geworden istl. In Wien 
folgte 1939 die Ausstellung „Altdeutsche 
Kunst im Donauland"l, in deren Rahmen die 
österreichische Plastik der hier interessierenden 
Zeit breiteren Raum eingenommen hat, aber 
der Krieg verhinderte die notwendige Aus- 
wertung. „Die Gntik in Niederösterreich" 3, 
eine Ausstellung des Jahres 1959 in Krems, 
zeigte den Anteil des Landes in beabsichtigter 
territorialer Gebundenheit. 
  
Die nahezu unermeßliche Zahl von Bild- 
xverken in der fruchtbarsten Zeit deutscher 
Bildnerei fordert freilich im Rahmen des 
Gesamtprojektes höchste Beschränkung. Denn 
noch will sich die Ausstellung diese Be- 
schränkung nur auf dem Gebiet der groß- 
formatigen Stein- und Holzplastik aufer- 
legen. 
Dies also sind die drei ineinandergreifenden 
Themen der Abteilung im Linzer Schloß: 
l. Bildwerke des Dnnaustils in exemplarischen 
Exponaten; 
2. Corpus der Kleinplastik des Donaustils; 
3. Monographie des Meisters IP und seines 
Kreises. 
Die bayerisch-österreichische Plastik wird zur 
Dürerzeit von einem eigentümlich neuen 
bildnerischen Gestalten ergriffen. Ihr beson- 
deres Merkmal ist die enge Verbundenheit mit 
der Malerei und Graphik jenes Kreises, für 
den Lucas Cranach in Wien, Albrecht Alt- 
dorfer in Regensburg und Wolf Huber in 
Passau die hervorstechendsten Namen aus 
einer umfangreichen Zahl von Malern sind. 
Zur Charakterisierung ihrer Gemeinsamkeit 
hat man sich gexxiöhnt, von „D0nauschule" 
und „Donaustil" zu sprechen. In immer 
steigendem Maß fanden dann diese Termini 
auch berechtigte Anwendung auf die Bildnerei 
aus demselben geographischen Bereich. 
Das Integrierende dieser Plastik beruht aber 
weder auf der Herkunft der Bildhauer aus 
einheitlicher Schule (Donauschule) noch auf 
dem bloßen Stil einer Landschaft (Donaustil). 
Die Schulbezeichnung kann nur einschränkend 
im Sinne gemeinsamer bildnerischer Absichten 
verstanden werden. Auch liegen die Schau- 
plätze dieses neuen Gestaltens nicht nur am 
namengebenden Strom, vielmehr ebenso im 
österreichischen altbayerischen Land 
zwischen Donau und Alpen und in den Alpen 
selbst. ja noch weiter ist der Radius. Immer 
mehr häufen sich Dokumente des Donaustils 
und 
 
12 
Fragment eines bärtigen Heiligen. lliozesantnuseum St. Brillen 
Miinyriinrl dcr hl. Barbara. Prcdclla uncx von Hanns Oder 
1510 gestifteten Altars anx LIUT Wiener Peterskirche. m. 
histhbflichcs Donl- und lÜtilvwilltlliLlknllli, Wien 
.1 (innit-iniiiin AUS dem Kloster Siuxcnslrxn in hh All] Wagram. 
Nlvcdcrostcrreirhisches Landcsmuwcunl. Wxvn 
Christi Kreuzabnahmc. ßnint-t-t. UVSHIHICHIKIOSICY 
HI. Katharina, aus Karlsrcm in-i llugvnslnlrg. llayeristhes 
Narinxialmuselxm, München 
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ANMERKUNGEN 174 
1 H. lluChhcit-G. Lill, HrlnS Lßillbvfgüf, Hans Stethalmer, 
xnininn Zur Ausstellung in Landshut 111.12. V Tii. Muller. 
nnn LUllhCfgCf, zni Ainnt-iiiiiin in nnnniiiii imjul! 1932. 
zt-nninia rin Kunslgcsthitllrc i. M12. 
Altdcunthc Kunst iin nniiniiinni. Atlsslulluilgskafalug, 
wit-niuau. 
i Atlsslcllungskatalog nit- Gozik in Niütltfflslfffrifll, Kunst 
' s Landes nn snninint-iniici, ainnis-sit-in 
  
. ill. Hans Lcurbergfr, MHHC "n 1943. S. ZIDHI. 7 K. Out- 
Hngcr. Anton Pilgrrml und die niinnniii-i Kuli si. snpnnn, 
Wlcn 1951. S. B1. 

	        

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