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Volltext: Alte und Moderne Kunst X (1965 / Heft 78)

Weitere Aufgabe der Ausstellung wird sein, 
die Exponate so auszuwählen, dali sie in ihrer 
Gesamtheit die verschiedenen Klangfarben, 
die Bindung in örtlichen Traditionen und den 
schiäpferischen Anteil der einzelnen Meister 
und der stilbildenden Zentren in diesem weiten 
Kräftefeld zumindest andeuten werden. 
Aufschluß über die Situation in Regensburg 
geben auch die Bürgeraufnahmebücher, in 
denen 2. B. ein Pildtschnitzer Peter Prock von 
Ulm, ein Pildhauer Hans Harscher von Ulm, 
ein Pildhauer Hieronymus SaiFf von plawpeiren 
genannt werdeni. So möchte man meinen, 
daß in Regensburg ähnlich wie in Wien (nur 
im kleineren Umfang) unter dem Zustrom 
fremder Kräfte und im gegenseitigen Aus- 
tausch eine Bildnerei entstanden war, in der 
viel und verschiedenartiges Gut zu einem 
lokalen Stil sich vermengte. Bestimmend in 
diesem Prozeß war die Dombauhütte Herden- 
reichs, die unter dem Eindruck dcr Schöp- 
fungen Leinbergers stand und aus dieser 
Berührung ihre eigenartige Note erhielt. In 
unserem Zusammenhang am Wichtigsten sind 
aber die spärlich gewordenen Dokumente für 
jene Regensburger Plastik, die den malerischen 
Inventinnen Albrecht Altdorfers im ähnlichen 
Sinne verpflichtet sind wie die Passauer Bild- 
schnitzer dem Stil Wolfl-lubers. Solche Regens- 
burger Arbeiten gehören aber laauptsächlich 
und sehr bezeichnend der Kleinplastik an 
(als Beispiel Abb. S). 
Die Bildschnitzer der neuen Generation in 
Salzburg, München, Regensburg, Passau waren 
zumeist nach Landshut hin orientiert, weil 
diese Stadt Sitz des größten unter ihnen 
geworden war. Kein Werk des „Bewegungs- 
stils" ist im Altbayerischen und Salzburgischen 
vor den ersten bekannten Schöpfungen Lein- 
bergers zu ermitteln. Aber im zweiten und 
dritten Jahrzehnt treten die Bildschnitzer aus 
diesem Bereich in die von Leinberger vor- 
gezeichnete Bahn. Sie kopieren seine Werke, 
bilden seinen Stil nach oder setzen ihn um in 
selbständiger Eigenart, ihrem Rang jeweils 
gemäß. Damals wurde dieser Raum angefüllt 
mit Bildwerken wie nie zuvor und wie erst 
wieder in der Zeit des Spätbarocks. Lein- 
bergers Werk war von tausendstimmigem 
Widerhall begleitet gewesen. 
Die eingangs erwähnte Landshuter Aus- 
stellung beschränkte sich auf das südost- 
bayerische Gebiet. Dies War gerechtfertigt, 
weil sie eine Manifestation der Kunst Lein- 
bergers, seiner Werkstatt und Schule sein 
wollte. Der besondere Anteil der nachbar- 
schaftlichen Kunststätten, vor allem der von 
Salzburg und Passau, war dabei unberück- 
sichtigt geblieben. Gerade die wichtige Rolle 
dieser beiden Städte bedarf vordringlich einer 
Klärung. Denn die Werke der Salzburger 
Bildschnitzer verraten nicht bloße Kenntnis 
von Leinbergers Kunst, sondern eine eigen- 
ständige Note, nicht anders als in Passau. (in 
der - wenn auch nur vorübergehenden 4 
Zusammenführung der heute an verschiedenen 
Orten aufbewahrten Figuren und Reliefs 
eines Hauptwerks Salzburger Bildnerei, des 
Abtenauer Altars von Andreas Lackner, sieht 
die Ausstellung eine nützliche Aufgabeö 
(Abb. s). 

	        

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